Reise

Welt des Genießens

Speise-Reise-Bücher: Nicht nur Liebe geht durch den Magen, auch Reisen verbindet sich mit besonderen Gerichten, Gewürzen und Düften. Wir haben Bücher für kulinarische Reisen zusammengestellt.

1. Kontinent im Kochtopf

Was ist afrikanische Küche? Vielfalt vor allem – denn der Kontinent hat zahlreiche Völker, Landschaften, Klimazonen. Autorin Dorah Sitole hat „ihr“ Afrika zerlegt in 20 Regionen. Sie reichen von Südafrika an der Südspitze bis Ägypten im Norden und vom Senegal im Westen bis nach Sansibar vor der Ostküste und erheben ebenso wenig Anspruch auf Vollständigkeit wie die Auswahl der 160 Rezepte. Jede Region wird kurz vorgestellt mit Lage, Besonderheiten, Bevölkerung und ihrer typischen Küche. Der ganze Band macht Appetit – aufs Lesen, aufs Blättern, aufs Ausprobieren. Das beginnt beim bunten, abwischbaren Einband in afrikanischen Mustern, geht weiter mit großformatigen Porträts und gelungener Foodfotografie und wird gekrönt durch dekorative Stoffmusterstreifen am Rand jeder Seite. Nicht alles ist prädestiniert fürs deutsche Sonntagsmenü (Schafkutteln, fermentierter Maisbrei, Hirsebier), aber manches kennt man aus dem Urlaub oder vom Restaurant-Besuch und vieles klingt, als ob’s ein lohnendes Kochexperiment wäre. Ein Glossar informiert über Yamswurzel und Co. BB

2. Feuerwerk der Gewürze

Bunt, würzig, üppig – was für die thailändische Küche gilt, gilt auch für dieses Länderkochbuch, das ein US-Amerikaner mit unstillbarem Hunger auf Thailand verfasst hat. Fast zwei Jahrzehnte verbrachte Andy Ricker damit, monatelang durch Thailand zu reisen und dabei in Töpfe zu gucken, sich mit professionellen und privaten Köchinnen und Köchen auszutauschen, Restaurants und Straßenküchen auszuprobieren und sich quer durchs Land zu testen. Das Ganze finanzierte er mit allerlei Jobs, die er jeweils nach etwa einem dreiviertel Jahr wieder kündigte, um erneut nach Thailand aufzubrechen und sich dort als Kochstudent durchzufuttern. Schließlich eröffnete er in Portland sein erstes Restaurant, Pok Pok, wie das typische Geräusch eines Gewürzmörsers. Auf Erfolg mit den Thaigerichten folgte die Pleite mit den Finanzen, auf das Pech mit dem Geld das Glück mit einer Auszeichnung, die endlich auch für den nötigen Umsatz sorgte. Heute hat er sechs Restaurants in Portland und New York und einen Michelinstern. All diese Geschichten und dazu zahlreiche Begebenheiten aus Thailand erzählt dieses Buch, dazu die Hintergründe, Zutatenbeschaffung und Zubereitung von etwa 70 Rezepten. Alle vor Ort gesammelt, ausprobiert und perfektioniert, kein einziges frei erfunden oder am Reißbrett entworfen. Gehaltvoll! BB

3. Brot braucht Zeit

Lievito Madre – das klingt nach einem ligurischen Fischerdorf, ist aber ein italienischer Sauerteig. Der Vorteig aus Mehl, Wasser, Olivenöl und Honig bringt Weizenmehl auf Touren, sodass man daraus ein locker-knuspriges Brot backen kann. Backgeheimnisse wie diese verraten die beiden Schwaben Johannes Hirth und Jörg Schmid in ihrer kulinarischen Reise durch Europas Backstuben. Unterwegs zwischen Nordsee-Deich und Adria-Küste haben die beiden, die sich selbst „Wildbaker“ („wilde Bäcker“) nennen, jede Menge Rezepte gesammelt: Vom französischen Baguette über Schweizer Ruchbrot bis zum italienischen Ciabatta. Das Buch ist mehr Rezeptbuch als Reisebericht. Etwas schade, denn man hätte sich ein paar Worte mehr gewünscht. Woher stammt die Backanleitung? Was ist die Geschichte dahinter? Weil es nichts zu schmökern gibt, bleibt Zeit zu backen. Und die braucht man. Allein um ein ordentliches Anstellgut – einen Roggensauerteig – zu produzieren, dauert es fünf Tage. sur

4. Krabben und Kässpätzle

Von Nord nach Süd, von den Kieler Sprotten bis zur Flädlesuppe. Das üppig bebilderte Buch „So schmeckt Deutschland. Schlemmerreisen von der Nordsee bis zu den Alpen“ ist nicht alphabetisch geordnet, sondern nach Regionen. Das Buch will kein reines Rezeptbuch sein, sondern fordert die Leser auf, doch die vorgestellten Landstriche zu besuchen und das Essen vor Ort zu testen. So finden sich zu jeder Region mehrere Rezepte der typischen Gerichte, verbunden mit Wissenswertem zu Herkunft und Entstehung. Dazu gibt es dann Einkaufstipps und Restaurantempfehlungen. Abgerundet wird das Reise-Kochbuch durch Wissenswertes rund um die Gegenden und deren Traditionen sowie einen Streifzug durch die Kulturgeschichte des deutschen Essverhaltens. Mehr kann man in ein Buch kaum hineinpacken. Apf

5. Von wegen nur Nudeln

Campingurlaub steht für freies, einfaches Leben, viel im Freien, an einem schönen Ort. Ideal, wenn vor Ort kleine Restaurants regionale Küche bieten. Allerdings selten real – vor allem nicht für drei Mahlzeiten am Tag. Also greift der Camper selbst zum Kochlöffel – so wie die Autorin, bekennende Camperin und Oberhaupt einer hungrigen Familie. Ihre Erkenntnis, dass eingeschränkte Möglichkeiten nicht zu mehrwöchiger Nudeldiät führen müssen, ist hübsch umgesetzt in diesem Camperkochbuch. Neben Tipps für Küchenausrüstung, Feuermachen und Wohnwagengestaltung enthält es jede Menge Rezepte von Avocadopizza über Minifondue, Schokobanane und Thunfisch im Sesammantel bis Zupfbrot. Und alles geht mit zwei Herdplatten oder offenem Feuer und Zutaten, die es fast überall gibt. Man könnte auf den Geschmack kommen. BB