Reise

Polen Die Pieniny-Nationalparkregion im Süden des Landes ist noch ein Geheimtipp / Fahrt mit traditionellen Flößen

Wildromantisch durch das Dunajec-Tal

Archivartikel

In Zeiten des Übertourismus ist es immer wieder schön auf eine Region zu stoßen, die zwar touristisch erschlossen, aber nicht so überlaufen ist, obwohl sie vieles zu bieten hat. Eine solche Region ist die Pieniny-Nationalparkregion bei Szczawnica im Süden Polens, rund 100 Kilometer südlich von Krakau an der Grenze zur Slowakei gelegen.

Der Pieniny-Nationalpark ist einer der ältesten in Polen und gehört zu den schönsten Landschaften des Landes. Seinen Namen hat er von einem zerklüfteten Gebirgszug nahe der Hohen Tatra, den Pieninen.

Die Felsflanken des Gebirgszuges ragen wild gen Himmel, dichte Wälder überziehen das Hinterland und mittendurch fließt der Dunajec, der mal reißend und mal gemächlich hier das Gebirge durchbricht und die Grenze zwischen Polen und der Slowakei bildet. Eine der auffälligsten Felsformationen heißt Trzy Korony (Drei Kronen) und besteht eigentlich aus fünf einzelnen Gipfeln und nicht aus drei, wie der Name eigentlich vermuten lässt.

Die Pieninen beherbergen eine besonders artenreiche Flora und Fauna. Schätzungen zufolge leben hier rund 15 000 Tierarten, darunter viele seltene Schmetterlinge, Insekten und Vögel, selbst Luchse streifen hier durch die Wälder.

Glücklicherweise ist Dank der EU von der Grenze bis auf wenige Schildern kaum etwas zu bemerken. Und wenn man diese wunderbare Gegend erwandert oder mit dem Fahrrad erkundet, wechselt man öfters unbemerkt die Grenzen.

Eine der schönsten und interessantesten Möglichkeiten, diese Gegend zu erkunden mit den besten Aussichten bietet eine Floßfahrt auf dem Dunajec mit traditionellen Flössen. Diese warten an einigen Einstiegsorten, wie Sromowce Nizne oder Kroscienko nad Dunajcem, auf die Touristen, die gerne auf einem solchen traditionellen Floß sich durch das Gebirge gleiten lassen wollen.

Das Steuern dieser Flöße ist den Góralen vorbehalten, Mitgliedern eines Volksstammes in diesem Grenzland, die in ihrer bunten Tracht alleine schon sehenswert sind. Mit Erklärungen und manchmal auch einer kleinen Gesangseinlage steuern sie sicher die Flösse über Stromschnellen durch die Schluchten. Teilweise gleiten sie aber auch nur ruhig dahin bis zum Kurort Szczawnica, wo die Touristen aussteigen und die Flößer ihre Flöße auseinanderbauen. Mit Lastwagen werden sie wieder flussaufwärts zum Ausgangsort gebracht, wo sie wieder zusammengebaut werden. Natürlich kann man auch mit einem Kanu oder Kajak den Fluss entlang paddeln, aber es ist sicherlich nicht so unterhaltsam und kurzweilig wie die Fahrt mit dem Floß.

Neben den Aktivitäten auf dem Fluss Dunajec kann man auch in der Region wunderbar Wandern wie hoch auf den Gipfel des Trzy Korony. Dort gibt es zur Belohnung von einer Aussichtsplattform einen herrlichen Blick auf die Umgebung. Neben dem Aussichtspunkt auf dem Drei-Kronen-Berg Trzy Korony finden sich noch weitere im Nationalpark, von denen aus sich schöne Panorama-Aussichten auf benachbarte Bergketten wie Hohe Tatra, Gorce und Magura bieten.

Auch mit dem Rad kann man aktiv den Nationalpark erkunden, sei es bergauf, bergab, oder entlang des Flusses zum Beispiel zum historischen Roten Kloster.

Burgen und Holzkirche

Zur Burg Niedzica und der Ruine Czorszyn am Czorsztynski-See ist es nicht weit. Beide stehen sich auf steilen Hügeln gegenüber. Sollte früher von dort die ehemalige polnisch-ungarische Grenze überwacht werden, sind es heute tolle Aussichtspunkte.

Am gegenüberliegenden Ufer des Sees liegt Debno mit der 2003 in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommenen Erzengel-Michael-Kirche. Diese Holzkirche aus dem 15. Jahrhundert und dem wohl ältesten Kirchturm Polens aus dem 17. Jahrhundert besteht aus Lärchen- und Tannenholz, ist ohne Verwendung von Nägeln errichtet worden. Der Innenraum besticht durch seine mehrfarbige Wandmalerei, Fresken, einem Triptychon auf dem Hauptaltar und einem Kruzifix aus dem Jahr 1380. Ein idealer Ausgangspunkt für alle Aktivitäten ist der Kurort Szczawnica, den auch die traditionellen Holzflösse zum Ziel haben. Er liegt etwa 500 Meter hoch im Tal eines kleinen Flusses, der hier in den Dunajec mündet. Neben den Urlaubsgästen kommen auch viele Kurgäste, um Atemwegserkrankungen, Beschwerden des Verdauungstraktes, des Bewegungsapparates und auch Allergien behandeln zu lassen.

Die bereits fast 200 Jahre zurückreichende Kurtradition wird gerade jetzt wieder neu belebt. Denn erst nachdem der polnische Staat 2005 das örtliche in die Jahre gekommene SPA und die vielen bereits verfallenen alte Kurhäuser und Unterkünfte seinen Vorkriegsbesitzern zurückgegeben hat, wird investiert und dem Kurort so neues Leben eingehaucht. Heute gibt es Unterkünfte in allen Preisklassen und auch moderne Kuranlagen im historischen Gewand. Mit viel Geld und Liebe wurde von Familie Mankowski vieles restauriert und wiederaufgebaut. Im neuen Kur-Trinkhaus neben dem elegant-gemütlichen Cafe Helenka können die Kurgäste von den Heilkräften unterschiedlicher Quellen profitieren, die Bikarbonat, Natrium und Jod enthalten und reich an Mineralsalzen sind. Auch wenn viele Häuser noch auf eine Renovierung warten, wird der hohe Standard dieses neu belebten Kurortes durch das Hotel Modrzewie Park deutlich, welches ebenfalls der Familie Mankowski gehört. Es ist das erste Hotel mit fünf Sternen in der südpolnischen Pieniny-Region.

Kurzum: Szczawnica und der Pieniny-Nationalpark sind ideal für alle, die ihren Urlaub aktiv gestalten oder in Ruhe inmitten einer schönen Umgebung kuren wollen, ohne auf Komfort verzichten zu müssen.