Reise

Willkommen in Entenhausen

In Deutschlands erstem Comic-Museum in Schwarzenbach im Fichtelgebirge trifft man Donald Duck und seine Sippe.

Nach dem kurzen Film über das Genre des Comics öffnet sich die Tür – nach Entenhausen. „Das ist das Herzstück unserer Ausstellung über Comic und Sprachkunst“, erklärt Museumsleiterin Alexandra Hentschler, „Duck town“ heißt das Örtchen in den Zeichnungen von Carl Barks, die von Erika Fuchs ab 1951 ins Deutsche übersetzt wurden. Es finden sich hier die Erfinderwerkstatt von Daniel Düsentrieb, die Scheune von Oma Duck und der riesige Geldspeicher von Dagobert Duck wieder. Auch das Sprungbrett ins Becken mit dem Geld ist da. „Wer möchte, darf gerne ein Talerbad nehmen“, fordert Hentschler auf.

Ein Stammbaum erklärt die Verwandtschaftsverhältnisse der Entenfamilie. Ein interaktiver Stadtplan erläutert die Details über Geografie und Architektur der Stadt, die Erika Fuchs einfach ins Fichtelgebirge verlegte. Jetzt wird sichtbar, wie viel die Übersetzerin, die in Kunstgeschichte promovierte, aus ihrer Wahlheimat in die Comic-Welt übernommen hat. Da gibt es die Bäckerei Köppel, deren Anisplätzchen im Micky-Maus-Heft 33/1970 genascht wurden und die Gaststätte Mondschein (Micky-Maus-Heft 1/1995). Wenn es die Ducks aufs Land zieht, fahren sie nach Schnarchenreuth oder Oberkotzau – beides liegt im Landkreis Hof.

Der Motor eines Propellerflugzeugs ist plötzlich zu hören. Kirchenglocken ertönen. Verschiedene Interviewfilme mit Donaldisten - so werden die nichtkommerziellen Anhänger des Donaldismus bezeichnet – geben Einblicke in ganz spezielle Themen wie das Rechtswesen oder die Geschlechterverhältnisse bei den Ducks, quasi die wissenschaftliche Aufarbeitung einer Fiktion.

Eigentlich hatte Donaldist Gerhard Severin nur nach einem Ausstellungsort für seine Sammlung von 3000 Enten-Figuren gesucht. Mit dem Bürgermeister von Schwarzenbach wurden dann die Möglichkeiten für ein Museum geprüft und 2015 eröffnete das Erika-Fuchs-Haus.

Auch ihre Geschichte wird dort erzählt, natürlich als Comic. Erika Fuchs wurde 1906 in Rostock geboren. Beim Studium lernte sie ihren Mann Günter in München kennen, einen Fabrikantensohn aus dem Fichtelgebirge, ihrer künftigen Heimat. Nach dem Krieg suchte die arbeitslose Kunsthistorikerin Arbeit und reiste nach Stuttgart. Dort bekam sie das Angebot eines Dänischen Verlagshauses, Walt-Disney-Hefte zu übersetzen. Anfangs nicht sehr überzeugt von dem damals als Schundliteratur abgestempelten literarischen Produkt, machte sie sich dennoch an die Arbeit. Mehr als drei Jahrzehnte lang übersetzte Erika Fuchs die Comics, die in Hochzeiten eine wöchentliche Auflage von 500 000 Exemplaren hatten. „Noch mit über 90 übersetzte sie Zeichnungen von Barks“, weiß die Museumsleiterin.

Erika Fuchs prägte die Sprache der Comics. Am Zitatenwirbler zeigt sich, dass die Enten nicht nur redeten, wie ihnen der Schnabel gewachsen war, sondern auch klassische Zitate von Schiller und Goethe verwendeten. „Auch Kultsprüche wie etwa ,Dem Ingeniör ist nichts zu schwör‘ stammen von Erika Fuchs“, erzählt die Museumsleiterin. „Erika Fuchs hat auch den ‚Erikativ‘ erfunden.“ In der deutschen Sprache wird das Stilmittel Inflektiv genannt und bedeutet die Verkürzung von Verben auf ihren Stamm. Was in der deutschen Grammatik eigentlich nicht vorgesehen war, gehört heute zur Alltagssprache: „Grübel, grübel“ und „klatsch, klatsch, klatsch“.

Wer jetzt noch nicht genug von den Enten hat, begibt sich auf den Spuren von Erika Fuchs durch Schwarzenbach. Am Ufer der Saale, nicht weit vom Museum entfernt, steht eine Statue von Emil Erpel. Den ganz großen Comic-Fans aus nah und fern steht der Beitritt in den Club der M.I.L.L.I.A.R.D.Ä.R.E. offen, Förderkreis des Museums.