Reise

Bayerischer Wald Sportlich Aktive und Genusswanderer kommen rund um Bodenmais auf ihre Kosten / Glasmachern und ihrer Handwerkskunst über die Schulter schauen

Winterwandern in einem zauberhaften Schneeparadies

Bodenmais bezeichnet sich gerne als Perle im Bayerischen Wald. Gerade im Winter verwandelt sich die Landschaft um den Ort Bodenmais in ein zauberhaftes Paradies. Über Nacht sind 20 Zentimeter Neuschnee gefallen. Wie Wattebäusche hängt die weiße Pracht in den Ästen der Bäume. Die zarten Kristalle glitzern in der Sonne – einfach perfekt. So lässt sich der Schnee bei einer Winterwandung herrlich genießen.

Dazu bietet sich die Panoramawanderung zum Silberberg, den Hausberg von Bodenmais, an. Der Weg ist gut ausgeschildert und trotz des Neuschnees schon am Morgen geräumt. Im Berg wurde schon im 15. Jahrhundert Silber abgebaut, später dann Eisenoxyd. Seit 1962 ist der Stollen stillgelegt.

Heute kann man im Museumsbergwerk viel über die harte Arbeit der Männer unter Tage erfahren. Allerdings hat das Museum im Winter geschlossen.

Der Silberberg mit seinen 995 Metern ist für die Bodenmaiser auch als Skihang ein lohnendes Ausflugsziel – gerade Familien fühlen sich hier wohl. Neben der Skiarena lockt die Kleinen vor allem der Kinderskipark. Und bei der Winterrodelbahn haben alle ihren Spaß.

Glitzernd und funkelnd ist auch die Glaskunst. Die Region ist bekannt für die 250 Kilometer lange Glasstraße. In Bodenmais darf man auf historischen Spuren wandeln: in der Waldglashütte von Joska. Während draußen der Wind die Schneeflocken durcheinanderwirbelt und eine schneidende Kälte den Nachmittag beherrscht, ist es drinnen angenehm warm. Die Glasmacherhütte wird beherrscht von Glasofen. Bei 1300 Grad Celsius schmilzt darin eine zähflüssige Masse. Der Glasmacher formt in nur wenigen Minuten aus einem unförmigen Klumpen eine grazile Dekoration für den Garten. Die schweißtreibende Arbeit sieht kinderleicht aus. Mit der Glasmacherpfeife, dem langen Metallstab, nimmt er den sogenannten Kölbl, die Masse, auf und bläst geschickt eine Kugel. Quarzsand, Soda, Kalk und Pottasche sind deren Hauptbestandteile.

Mit geübten Handgriffen wird die Kugel auf die gewünschte Größe geblasen, gezogen, wieder erhitzt und mit dem Streichbrett in die entsprechende Form gebracht. Mehrmals wiederholt der Glasbläser den Vorgang, erhitzt und streicht die Masse, bis sie schließlich in einer Pressform die richtige Optik erhält. Es zischt und dampft. Doch noch einmal muss der Tropfen in die heiße Flamme: Er braucht noch einen Aufhänger. Damit das Glas nach dem Formen nicht springt, darf es langsam abkühlen. Im Kühlofen bei rund 500 Grad kann es zunächst ruhen und in rund zehn Stunden seine Temperatur reduzieren. Mit einem faszinierten Staunen beobachten die Zuschauer die alte Handwerkskunst, die seit mehr als sieben Jahrhunderten die Region geprägt hat. In der Hütte erfährt man viel über die Glasherstellung in den letzten Jahrhunderten, über die Arbeit der Glasbläser und ihr Handwerkszeug.

Und wer Lust hat, darf sich selbst gegen einen kleinen Obolus als Glasbläser versuchen und ein ganz besonderes Souvenir mit nach Hause nehmen.

Per pedes lässt sich die Winter-Wildnis ebenso gut entdecken. Etwa mit einer Wanderung zur historischen Sprungschanze im Rißloch. Im Januar 1949 wurde die Schanze eröffnet und war die größte im Bayerischen Wald. In den 1950er Jahren fanden sogar internationale Skisprungwettbewerbe statt. Heute braucht es einiges an Fantasie, um sich die Naturschanze mit Anlauf, Schanzentisch und Auslauf vorzustellen. Naturromantiker zieht es bei gutem Wetter weiter zu den Rißlochfällen. Eine anspruchsvolle Winterwanderung, findet Sandra Geiger-Pauli vom Hotel Bodenmaiser Hof. Sie empfiehlt auch die „Kleine Arber-Tour“ zur Chamer Hütte. Bei schönen Wetter hat man einen traumhaften Blick zu den Alpen. Die acht Kilometer lange Strecke genießt man auf dem Rückweg bequem per Rodel und macht direkt am Bahnhof und dem Hoteleingang Halt. „Jeder kann in Bodenmais aktiv sein, muss es aber nicht“, betont die Hotel-Chefin, neben Wandervorschlägen für den Gast auch von Rucksack bis Schneeschuhen die passende Ausrüstung parat hat. Anna Laurenti