Reise

Malediven Unterwasser-Welt ist auf den Inseln vielfältig zu genießen / Auf Hufaven Fushi wartet ein Unterwasser-Spa-Bereich auf die Gäste

Zwischen Ammenhai und Hirnkoralle

Archivartikel

Auf den Malediven können Gäste nicht nur schlafenden Haien begegnen und eine Koralle adoptieren, sondern sich auch unter Wasser massieren lassen.

Die maledivische Sonne brennt am späten Nachmittag nicht mehr ganz so heiß, als sechs Frauen und ein Mann samt Tauchmasken und Schnorchel von einem Holzsteg in das etwa fünf Meter tiefe Meer springen. Eine der Frauen heißt Barbara Gratzer, stammt aus Wien und ist Meeresbiologin. Die 27-Jährige arbeitet für das Luxus-Resort Huvafen Fushi und kümmert sich um das inseleigene Korallenriff. Zusammen mit ihrem maledivischen Kollegen Thoolal, 22, schwimmt sie im badewannenwarmen Wasser voraus in Richtung offenes Meer. Kurzer Stopp, alle blicken nach unten. Gratzer: "Ich schau mal, ob er da ist." Unter einem langen Treppentunnel, der im Innern Gäste trocken von dem über Wasser gelegenen Holzsteg in die Behandlungsräume des Unterwasser-Spas führt, ruht ein etwa 1,5 Meter langer Ammenhai auf dem Meeresboden. Die typische Dreiecksflosse ist deutlich erkennbar.

Hin und weg

Alle sind hin und weg, für die meisten ist es der erste Hai, dem sie im offenen Meer begegnen. Doch der eigentliche Zweck des Schnorchel-Trips ist ein anderer: Gleich wird Gratzer allen zur Mutter- beziehungsweise Vaterschaft verhelfen, denn jeder wird in wenigen Minuten eine maledivische Koralle adoptieren. Zugegeben: Das klingt zunächst albern. Doch hat der PR-Gag seine Berechtigung. Zum einen darf jeder sich ein unter Wasser bereitliegendes, bereits auf einen etwa sechs Zentimeter Durchmesser großen Betonpflock geklebtes Korallenstück aussuchen und dann samt Namensschild auf einen Unterwassertisch "verpflanzen", der einige Meter entfernt bereit steht. Mit dieser Aktion brennen sich die Hotels auf ewig in das Gedächtnis ihrer Gäste ein und sorgen für Gesprächsstoff zuhause - vor allem dann, wenn nach einem Jahr die E-Mail mit Foto kommt, die zeigt, wie denn das "Kind" gediehen ist. In fünf bis zehn Jahren entsteht so ein kleines Riff. Die Korallenkinder sind übrigens größtenteils Stücke von Geweihkorallen, die durch Wellen und Strömungen, manchmal auch durch unvorsichtige Schwimmer und Schnorchler, abgebrochen wurden.

Viel wichtiger ist aber, dass interessierte Hotelgäste, darunter auch Celebrities und gut betuchte Wirtschaftsbosse, etwas über die Meeresökologie lernen. Das fängt damit an, dass viele Menschen erst von Gratzer erfahren, dass Korallen Tiere sind. Und endet mit der Lebensgemeinschaft, die die sauerstoffatmenden Korallen mit Algen eingehen müssen, also Pflanzen, die das von den Tieren ausgeatmete Kohlenstoffdioxid per Fotosynthese wieder in Sauerstoff verwandeln und den Korallentieren die beige Farben verleihen. Sterben die Algen ab - und das tun sie bei steigenden Wassertemperaturen recht schnell - sterben auch die Korallentiere, das Ergebnis heißt Korallenbleiche. All dies lernen die künftigen Korallenväter und -mütter, bevor Gratzer mit ihnen hinaus schnorchelt.

Dass gerade ein Inselstaat wie die Malediven mitunter machtlos gegen ökologische Katastrophen und Naturgewalten ist, zeigte das große Korallensterben bereits Ende der 1990er Jahre während des über mehrere Monate dauernden Anstiegs der Wassertemperatur, bedingt durch das Wetterphänomen El Niño. Eine unmittelbare Bedrohung für die Malediven, die aus rund 1200 Inseln bestehen und deren höchste Erhebung bei 2,5 Metern liegt, ist der Anstieg des Meeresspiegels und damit die Befürchtung, dass es die Inseln vielleicht in 20 bis 30 Jahren gar nicht mehr gibt.

Unterwasser-Spa

Inzwischen machen Luxushotels - so könnte man meinen - die Not zur Tugend und gehen offensiv-luxuriös mit dem Medium Meer um. Was auf Huvafen Fushi das bereits 2004 eröffnete Unterwasser-Spa ist, indem sich gestresste Touristen im Angesicht von Hirnkoralle und Hai massieren lassen können, ist im Resort Niyama im südlich gelegenen Dhaalu Atoll das erst im Oktober 2012 eröffnete Subsix: einem sechs Meter unter der Meeresoberfläche gelegenem Club.

In dem bläulichen Licht samt schlicht-moderner Einrichtung fühlen sich Gäste zunächst, als befänden sie sich in einer Kreuzung aus überdimensioniertem Unterwasserboot und einer Raumkapsel. Während Barbesucher gemütlich Champagner oder einen Smoothie trinken, schauen sie durch riesige Panoramafenster nach draußen in die Unterwasserwelt.

Zusammen mit dem über Wasser gelegenen Edel-Restaurant "The Edge" (deutsch "Der Rand") bildet das Subsix eine Art Insel, beides erreichen Hotelgäste nur per Boot. Mit locker drei bis vier Restaurants pro Insel plus zusätzlichen Optionen wie Barbecue am Strand, Picknick auf einer Sandbank und im Falle Huvafen Fushis auch Diner samt Weinprobe im Weinkeller verfügen Hotelinseln, die oft weniger als 100 Gäste gleichzeitig beherbergen über bis zu sieben verschiedene Arten, wie Gäste ihr Abendessen einnehmen können.

Wer auf Huvafen Fushi die faszinierende Unterwasserwelt lieber ohne Adoption und ohne Mitschwimmer erleben möchte, kann geruhsam auf eigene Faust bereits nur wenige Meter vom Strand entfernt in türkisblauem Wasser über ein spektakuläres Haus-Riff schnorcheln und neben Hirn-, Tisch- und Lederkorallen grünlich schimmernde Papageienfische, gestreifte Kaiserfische, gelb-lila Doktorfische und tatsächlich auch den für Menschen ungefährlichen Schwarzspitzenhai bewundern. Ängstliche Europäer beruhigt Meeresbiologin Gratzer stets mit demselben Witz: "Keine Sorge, hier gibt es nur Baby-Haie - und die vegetarischen."