Reise

Lungau Nachhaltiger Urlaub ohne Massentourismus im Salzburger Land / Erholung inmitten der Natur des Lungaus

Zwischen Seen und Zirben entschleunigen

Archivartikel

Der Salzburger Lungau ist ein wirklicher Geheimtipp für Urlauber, die sich einen nachhaltigen Urlaub ohne Massentourismus wünschen und Individualität, Natürlichkeit und Entschleunigung suchen, also genau die richtige Destination für die Zeit, wenn wir nach den Corona-Verboten wieder reisen dürfen.

Viele wissen gar nicht, wo der Lungau liegt, wobei sie oft schon durchgefahren sind, auf dem Weg nach Kärnten oder Kroatien. Und wenn man korrekt Salzburger Lungau sagt, darf man auch nicht meinen, er läge in der Nähe von Salzburg. Die Region liegt über 100 Kilometer von Salzburg entfernt an der Grenze des Salzburger Landes zu Kärnten und der Steiermark.

Zwischen den sanften Nockbergen und den Niederen Tauern liegt der Unesco-Biosphärenpark Lungau mit seinen weiten Almenmatten, dem größten Zirbenwald Österreichs, Bergseen und hoch aufragenden Tauerngipfeln – einfach unverfälschte Natur pur.

Hier gibt es keine Bettenburgen oder Kettenhotels, stattdessen Urlaub auf dem Bauernhof, kleine Pensionen und inhabergeführte Hotels. Viele haben Zirbenzimmer oder sind sogar komplett mit Zirbe ausgestattet. Der Salzburger Lungau bietet einfach alles, was der Entschleunigung dient, und ist ideal um die natürliche Kraft des Waldes, der Berge, der Wiesen und Weiden beim Wandern, Biken oder Bergsteigen mit allen Sinnen zu erleben.

Und die Menschen, auf die man trifft, sind herzlich, bodenständig, mit ihren Traditionen und Brauchtümer verwurzelt. Hier gibt es noch eine Wagnerei, die Wagnerei Lassacher, wo noch wirklich gedrechselt wird, meist Zirbenprodukte, die nebenan im Laden angeboten werden, aber auch noch herkömmliche Rechen, Musikinstrumente und vieles mehr.

Oder Peter Pichler vom Franzlahof, der sich im Keller eine Destillerie eingerichtet hat, wo er Obst, Getreide und natürlich selbst geerntete Zirben zu feinen Bränden veredelt. Die hochprozentigen Destillate oder Liköre aus Zirbe, Vogelbeere, Himbeere, Tauernroggen (eine alte, bis zu zwei Meter hohe Sorte) oder Almkräutern schmecken hervorragend und können auch in einer kleinen gemütlichen Stube auf dem Hof verkostet werden.

Ein Original ist auch Günter Lüftenegger, der nicht nur seine Lungauer Zirbenpension komplett neu mit dem Nadelbaum ausgestattet hat, sondern auch als ausgebildeter „Heilkraft der Alpen“-Mentor Urlaubern auf „Vier Elemente Wanderungen“ in die Berge führt, dahin wo die Zirben wachsen. Auf dem Weg bergauf fordert er immer wieder auf zum Innehalten, Meditieren, bewusstem Atmen und Nachspüren.

Auf einer solchen Wanderung geht es drei Stunden bergauf zum blaugrünen und idyllisch gelegenen Wirpitschsee. Wer keine Angst vor kaltem Wasser hat, kann sich herrlich bei einem Bad in dem klaren Wasser erfrischen. Sehr lange wird man es allerdings aufgrund der Temperatur darin nicht aushalten. Aber nach dem Marsch tut es den Muskeln und der Seele gut.

Nicht weit vom Bergsee entfernt gibt es eine Erfrischung der anderen Art, in der Tonimörtlhütte, die von zwei Schwestern bewirtet wird, die ihrer Oma auf dem Sterbebett versprochen haben, die Hütte nicht aufzugeben. Ein Glück für die Gäste, denn die Kaspressknödelsuppe und der Kaiserschmarrn nach den alten Rezepten der Oma sind wirklich ein Traum. Und auch die jungen Wirtinnen sind froh, sich so entschieden zu haben, obwohl sie dafür ihre bisherigen Berufe aufgeben mussten.

Gelebtes Brauchtum

Im Lungau fühlen sich Jung und Alt ihrer Tradition und Heimat verbunden und freuen sich, wenn die Urlauber daran teilhaben. So gibt es viele Brauchtumsfeste – auch wenn sie dieses Jahr corona-bedingt ausfallen müssen, zumindest die Umzüge. Eines ist das etwa 300 Jahre alte Prangstangentragen im Juli, ein anderes die Samsonumzüge, die den ganzen Sommer über bis zum Erntedank zu kirchlichen und örtlichen Festen stattfinden.

Doch werden die Prangstangen, bis sechs Meter hohe und 85 Kilogramm schweren Stangen, auch dieses Jahr in mühevoller Kleinarbeit mit über 50 000 Alm- und Wiesenblumen, darunter viele Margeriten, geschmückt werden. Allerdings werden sie nicht wie sonst von den Junggesellen in einer feierlichen Prozession durchs Dorf getragen, sondern bleiben bis zu der Kräuterweihe an Maria Himmelfahrt (15. August) als Sinnbild des Lebens in den Kirchen stehen. Nach der Kräuterweihe werden die vertrockneten Blüten dann zum Räuchern verwendet. Der Brauch geht zurück auf eine Heuschreckenplage, bei der nur die Margeriten übrig blieben.

Der Samson-Umzug oder besser den Tanz des Samson gibt es seit 1635. Erist seit 2010 im Unesco-Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich verzeichnet. Die alttestamentarische Figur gilt als Wahrzeichen des Lungaus. Für einen Junggesellen wird das Spektakel normalerweise zu einer schweißtreibenden Aufgabe. Die bis zu 6,5 Meter hohe und 85 Kilogramm schwere Figur trägt er auf seinen Schultern, versteckt im Inneren der hohlen Figur, tanzend durch den Ort.

Zehn dieser riesenhaften Samson-Figuren gibt es im Lungau in Mariapfarr, Mauterndorf, Muhr, Ramingstein, St. Andrä, St. Margarethen, St. Michael, Tamsweg, Unternberg und Wölting. Dieses Jahr wird man wohl nur die Statuen anschauen können.

Traditionelles Handwerk, Brauchtum, die Kraft der Berge, Wälder und Wiesen und ihre herzlichen, heimatverbunden und doch offenen Menschen stehen für das „Echt.Sein“ des Lungaus und sind Garant für einen Urlaub, der erdet, entspannt und entschleunigt. Vielleicht gerade nach der schweren Zeit des corona-bedingten Eingesperrt-Seins, genau das was man sucht.