Reportage

Reportage

„Nacktbilder gegen Amazon-Gutschein“

Matthias Wenz vom Bundeskriminalamt in Wiesbaden über den Kampf gegen Kinderpornografie und darüber, wie Eltern ihre Kinder schützen können.

Herr Wenz, Sie leiten ein Referat beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden zum Thema Sexualdelikte und Jugendliche. Kann der Kampf gegen Kinderpornografie im Internet gewonnen werden?

Wenz: Kinderpornografische Plattformen sind mittlerweile fast vollständig in nicht öffentlich zugängliche Bereiche des Internets, ins sogenannte Darknet, abgewandert. Dort fühlen viele der Täter sich relativ sicher. Aber das sind sie nicht. Wir sind heute personell und technisch deutlich besser aufgestellt als noch vor wenigen Jahren. Das zeigen auch unsere großen Ermittlungserfolge, unter anderem der Schlag gegen das Pädophilen-Netzwerk Elysium im vergangenen Jahr. Zudem hat sich die internationale Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden verbessert.

Ist Deutschland ein vergleichs-weise sicheres Land für Pädophile im Internet?

Wenz: Nein! Zwar dürfen einige unserer ausländischen Partner bei ihren verdeckten Ermittlungen selbst kinderpornografisches Material hochladen, um das Vertrauen der Täter zu gewinnen. Das ist in Deutschland nicht erlaubt, und dafür gibt es auch gute Gründe.

Wer sind die Täter, wer sind die Opfer von Kinderpornografie?

Wenz: Die Täter sind überwiegend Männer. Sie kommen aus allen Schichten der Gesellschaft. Unter ihnen sind Hartz-IV-Empfänger, Angestellte, Polizisten, Priester, Staatsanwälte, Ingenieure und Kinderärzte. Die Opfer sind überwiegend weiblich und zum Teil sehr jung. In Einzelfällen werden sogar Säuglinge misshandelt. Beim Missbrauch wird teilweise schwere körperliche Gewalt angewendet. Es gibt auch Pädokriminelle, die über Livestreams und Webcams den Missbrauch eines Kindes fernsteuern.

Die Philippinen sind ein Hotspot für Kinderpornografie. Sind auch deutsche Jugendliche gefährdet?

Wenz: Ja. Das zeigen unsere Ermittlungserfolge in Deutschland, auch wenn die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen im Internet hier zum Glück nur sehr selten passiert. Dennoch sollten Eltern darauf achten, wie ihre Kinder Smartphones und Computer nutzen. Es gibt viele Jugendliche, die Nacktbilder von sich verschicken und dafür beispielsweise mit Amazon-Gutscheinen bezahlt werden. Viele sind sich nicht bewusst, welche Gefahren sich daraus für sie ergeben. hede.

Zum Thema