Rhein-Neckar

Friedrichsfeld Große Resonanz auf Workshop des Kurpfälzer Chorverbandes

Alterung der Stimme beginnt bereits mit 25

Warum können die zierlichen Koreaner so unangestrengt laut singen? Warum sind moderne Höschenwindeln für die natürliche Atmung von Babys eigentlich ungeeignet? Und was bitte sind „Kieferöffner“? All dies und noch viel mehr erfuhren die Teilnehmer des Workshops „Anti Aging für die Stimme“, den der Kurpfälzer Chorverband Mannheim gemeinsam mit dem Badischen Chorverband angeboten hatte.

Erfreulich hoch war die Teilnehmerzahl im Sängerheim in Friedrichsfeld: An beiden Tagen waren es rund 50 Personen, die teilnahmen. Wobei der Titel etwas missverständlich ist. Dachten manche jüngeren Sängerinnen und Sänger, dies sei etwas nur für „alte“ Stimmen, so hätten sie sich getäuscht. Denn der Alterungsprozess der Stimme setzt bereits ab dem 25. Lebensjahr ein.

Wie man seine Stimme also auch bis ins hohe Alter leistungsfähig halten kann, das lernten die Teilnehmer in dem Workshop. Entwickelt hat die Methode die Professorin Elisabeth Bengtson-Opitz aus Hamburg. Aus der Hansestadt war denn auch der Leiter des Workshops, Sven Olaf Gerdes, angereist. Er ist ausgebildeter Sänger und schon seit mehr als zehn Jahren mit dem Thema befasst.

Begrüßt wurden die Teilnehmer am ersten Tag von der stellvertretenden Vorsitzenden des Badischen Chorverbandes, Maria Löhlein-Mader, die den Workshop maßgeblich mit vorbereitet hatte. Am zweiten Tag übernahm dies der Vorsitzende des Kurpfälzer Chorverbandes in Mannheim, Jürgen Zink, der, selbst langjähriger Sänger, am Workshop auch teilnahm. Denn wie Sven Olaf Gerdes erklärte: „Hier kann jeder noch etwas lernen, egal ob Anfänger, Fortgeschrittener oder Profisänger.“

Auch Jürgen Zink mit dabei

Der Referent verstand es bestens, den Teilnehmern die Theorie und die wichtigsten Bausteine Atmung, Artikulation und Kopfstimmfunktion praktisch näher zu bringen. Das Konzept ist eine Kombination aus Stimm- und Körperarbeit, die in verschiedenen Modulen geübt wird. Dabei ging es um folgende Themen: Atmung, Vokale und Konsonanten, Lockerung der Artikulatoren (Kiefer, Lippen, Zunge, Gaumensegel), Geläufigkeit der Stimme, Ausdrucksfähigkeit, Dynamik, Intonations- und Höhentraining. Dabei erklärte Gerdes beispielsweise nicht einfach nur, wie man richtig atmet, sondern auch, was dabei im Körper passiert.

Oder warum die richtige Artikulation so wichtig ist und wie überhaupt ein Ton entsteht. Da war auch viel körperliche Arbeit gefragt, denn: „Sie haben sich eines der schwersten Hobbys ausgesucht – Schachspielen wäre einfacher“, formulierte Gerdes: „Die Anti-Aging-Arbeit ist eben ein Fitness-Programm für die Stimme, das diese so lange wie möglich leistungsfähig erhalten soll.“

An den Teilnehmern liegt es nun, das Erlernte auch zu Hause weiter zu üben und es auch praktisch im eigenen Chor umzusetzen. Am Ende bedankte sich Jürgen Zink beim Referenten, bei allen Teilnehmern, die teilweise bis aus Freiburg angereist waren, nicht zuletzt aber auch bei Anneliese Winkler. Sie hatte an beiden Tagen für die Verpflegung der Teilnehmer gesorgt.