Rhein-Neckar

Angeklagter leidet unter Panikattacken

Frankenthal.Im Prozess um das BASF-Explosionsunglück mit fünf Toten und 44 Verletzten hat der Hauptangeklagte vor dem Landgericht Frankenthal über seine Arbeit berichtet. Wie viel er vom Unglückstag noch weiß, ist unklar. Da der Mann aufgrund seines Gesundheitszustands nur einen halben Tag vernommen werden darf, ist die Befragung abgebrochen worden. Am kommenden Mittwoch soll es dann um den Unglückstag gehen. Zunächst wollten die Richter heute wissen, wie gut und von wem er auf die Arbeit im Rohrgraben vorbereitet wurde und welche Arbeiten er normalerweise ausführte.

„Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt“, sagt der angeklagte Schlosser so leise, dass man seine Stimme trotz Mikrofon im Gerichtssaal nur mit Mühe hören kann. Das Unglück hat den 63 Jahre alten Mann sichtbar gezeichnet. Seit der Explosion ist der aus dem ehemaligen Jugoslawien stammende Schlosser arbeitsunfähig. Er berichtet von schweren Depressionen, Panikattacken, Schwindel und Alpträumen. „Wenn es gut geht, schlafe ich eine bis eineinhalb Stunden pro Nacht.“ Er nehme regelmäßig Beruhigungstabletten und bekomme Spritzen. Bei dem Unfall hatte er Verbrennungen zweiten und dritten Grades an den Beinen und im Gesicht erlitten. Deshalb sei ihm zweimal Haut transplantiert worden. Auch ein Sehnenriss in der Schulter, der bei einem Sturz nach der Explosion  entstanden war, sei operiert worden. Außerdem leide er unter Tinnitus und höre schlecht. Die Befragung des Schlossers stockt deshalb bisweilen. Allerdings erschweren auch Sprachprobleme die Vernehmung, so versteht der 63-Jährige nicht immer, was die Richter nun von ihm wissen wollen.

Seit zehn Jahren arbeitet der gelernte Schlosser im Auftrag einer pfälzischen Firma auf dem Gelände der BASF. „Man muss sich an die Vorschriften auf den Feuer- und Arbeitsscheinen halten,“, sagt er. Sonst unterscheide sich die Arbeit nicht von der in anderen Firmen. Allerdings habe sich meistens sein Chef um den „Papierkram“ gekümmert.

Auch die Arbeit mit Rohrleitungsplänen habe für ihn zur täglichen Arbeit gehört. Gelernt habe er das Lesen von Isometrie-Plänen bereits bei seiner Rohrschlosser-Ausbildung in den 70er Jahren in Jugoslawien. „Eine Weiterbildung braucht man da nicht, das ist ja die Grundlage unserer Arbeit.“  Sein Bauleiter habe ihn zu einer Sicherheitsschulung der BASF geschickt. Da sei es um allgemeine Dinge gegangen. „Wie weit muss eine Schweißstelle von einem Kesselwagen weg sein und solche Sachen“, sagt der kleine Mann mit der Nickelbrille. Auch bei der Werkfeuerwehr habe es eine Schulung zum Umgang mit den Feuerlöschern gegangen. Die bringe seine Firma immer selbst mit zu den Baustellen. „Außerdem hat der Bauleiter unserer Firma uns bei jeder neuen Baustelle erklärt, was dort besonders gefährlich ist.“

Nach mehreren Unterbrechungen, die dem Gesundheitszustand des  Angeklagten geschuldet sind, wird seine Vernehmung am Mittag abgebrochen. Der Unglückstag wird vorerst nicht thematisiert. Wie viel der Mann am kommenden Mittwoch zur Aufarbeitung des Unglücks beitragen kann, in ungewiss. Schon im Vorfeld hatte er ausgesagt, dass er sich an den Schnitt nicht erinnern kann. (Sin)