Rhein-Neckar

Edingen Der Turnverein 1890 hofft, sein Programm – zumindest teilweise – bald wieder aufnehmen zu können / „Aufwand sprengt unseren Rahmen“

Auflagen bremsen Sportbetrieb aus

Archivartikel

Sport im Verein wird beim Turnverein 1890 Edingen (TVE) seit 130 Jahren großgeschrieben. Jetzt hat Corona den Sportbetrieb seit rund zwei Monaten lahmgelegt. „Aus unserer Jubiläumsschrift weiß ich, dass es kriegsbedingt sportliche Zwangspausen gegeben hat. Aber ansonsten gab es in unserer Vereinsgeschichte bislang nichts Vergleichbares“, berichtet Jochen Heil. Er zählt zum fünfköpfigen Vorstandsteam des TVE. Mit rund 2000 Mitgliedern ist der Turnverein 1890 Edingen der mit Abstand größte Verein der Doppelgemeinde.

„Sport ist die eine Seite, die soziale Komponente die ebenso wichtige andere Seite des Vereinslebens. Unser Verein ist ein Treffpunkt für alle Generationen und sozialen Schichten“, betont Jochen Heil und fügt an: „Wir versuchen, mit unseren Mitgliedern weiterhin in Kontakt zu bleiben und sie regelmäßig über die aktuelle Situation zu informieren.“ Die verschiedenen Gruppen der einzelnen Abteilungen hätten einen guten Draht zu den Aktiven, auch wenn er sich jetzt vorrangig auf das Telefon oder Internet beschränke.

Vorgaben nicht umsetzbar

Nach den angekündigten Lockerungsmaßnahmen der Regierung habe man in die Planungsphase gehen wollen, um Sport im begrenzten Maße wieder zu ermöglichen. „Die Landesverordnung ist aber mit dermaßen vielen Auflagen verbunden, dass wir diese nicht umsetzen können“, bedauert Heil. Die Vorgaben, die gemacht würden, könnten vielleicht noch von einem städtischen Großverein mit festangestellten Trainern geleistet werden – von einem „normalen Turnverein“ aber eher nicht.

Zwar sei Sport in Kleinstgruppen mit maximal fünf Personen inklusive Übungsleiter sowie einer Abstandsregelung zwischen zwei und vier Metern im Freien erlaubt, aber solche Maßgaben seien schwer umsetzbar. Unter diesen Voraussetzungen müssten mehrere Kleinstgruppen nacheinander antreten, wobei auch der Einsatz des jeweiligen Übungsleiters begrenzt sei und die Rückverfolgung im Falle einer Ansteckung gewährleistet sein müsse. „Die Gemeinde hat zwar ein Konzept zur regelkonformen Nutzung des Sport- und Freizeitzentrums erarbeitet, aber das hilft uns aktuell nur bedingt weiter. Das Gelände haben wir in der Vergangenheit beispielsweise auch für Training und Abnahmetermine der leichtathletischen Disziplinen für das Deutsche Sportabzeichen genutzt“, erklärt Heil. Den landesweiten Vorgaben zufolge sollen sich beispielsweise die Wege der jeweiligen Gruppen, die das Gelände verlassen, mit jenen, die es betreten, nicht kreuzen. Es müssten spezielle Laufwege eingeteilt und die Sportgeräte nach jeder Benutzung desinfiziert oder gegebenenfalls individuell mitgebracht sowie das Ganze kontrolliert und dokumentiert werden.

„Mit Ausnahme unserer Sportpädagogin Eva Koch wird der Sportbetrieb beim TVE von Ehrenamtlichen gestemmt, so dass der Aufwand zumindest in der jetzigen Form unseren Rahmen sprengt“, gesteht Heil und fügt an: „Wobei die Regelungen im Sinne des Infektions- und Gesundheitsschutzes durchaus sinnvoll und nachvollziehbar sind, aber diese Hürden können wir aus eigener Kraft nicht überspringen.“ Die Gesundheit der Mitglieder habe auch für den TVE oberste Priorität. Gleichwohl habe man den Erwerb des Sportabzeichens in dieser Saison noch nicht gänzlich abgeschrieben. Man bleibe weiterhin an diesem sowie an den anderen sportlichen Themen dran und hoffe, dass sich mit der Zeit Bedingungen eröffnen, die wieder einen Sportbetrieb, wenn auch in veränderter Form ermöglichen.

Treue Mitglieder

„Wir sind unseren Mitgliedern total dankbar, dass sie uns auch in dieser ungewollten Zwangspause die Treue halten“, betont das gesamte Vorstandsteam und fügt an: „Wir hatten bisher keinen Vereinsaustritt, und das will in Zeiten wie diesen etwas heißen.“ Dass der Verein von Ehrenamtlichen getragen wird, kommt auch beim „Tag des Ehrenamts“ als kleinem Dankeschön zum Ausdruck, zu dem der TVE Helfer und Unterstützer alljährlich einlädt. Leider musste auch dieser Termin abgesagt werden. In den Startlöchern sitzt indes das neue Organisationsteam des traditionellen TVE-Sommerlaufs, der für den 4. Juli geplant war. „Das Team will eine sportliche Alternative anbieten, die Macher sind schon fleißig am Arbeiten“, verrät Jochen Heil.

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