Rhein-Neckar

Neckar-Bergstraße Abwasserverband baut neuen Methan-Behälter für Kläranlage

Bis der neue Speicher steht, springt die Gasfackel öfter an

Der Abwasserverband Unterer Neckar plant in den kommenden vier Jahren Investitionen in einer Größenordnung von fast zehn Millionen Euro. Das geht aus dem Investitionsprogramm hervor, das die Verbandsversammlung jetzt mit dem Wirtschaftsplan für 2018 beschlossen hat. Allein im kommenden Jahr sollen 1,4 Millionen Euro in die Kläranlage in Neckarhausen fließen.

Leitungen veraltet

Größter Brocken ist die Erneuerung des Gasbehälters, der das Klärgas speichert, um es dann in das Blockheizkraftwerk einzuspeisen. Hier wird daraus Wärme und Strom gewonnen. Dieser Teil der Anlage geht nach den Worten von Ingenieur Hermann-Josef Thiel vom Ingenieurbüro Pöyry auf die siebziger Jahre zurück und wurde in den Neunzigern umgerüstet. „Die Blase ist geplatzt, man kann sie nicht mehr kleben“, erläuterte er. Außerdem seien die Leitungen aus PVC veraltet, neue aus Edelstahl müssten eigebaut werden. Insgesamt, so schätzt Thiel, komme das Projekt auf bis zu 900 000 Euro.

Weil das Gas derzeit nicht gespeichert und genutzt werden kann, muss der Verband große Mengen an Strom von Energieversorgern beziehen. Das hat laut Thiel Mehrkosten von 15 000 Euro pro Monat zur Folge. Daher soll zunächst ein 50 Kubikmeter umfassendes Provisorium gemietet werden, um das meiste des Gases nutzen zu können. Trotz der anfallenden Mietkosten von 1000 Euro im Monat rechnet der Experte dadurch mit Einsparungen von 300 bis 400 Euro pro Tag. Bleiben aber immer noch 100 bis 200 Euro täglich an Mehrkosten.

Methan muss verbrannt werden

Deshalb soll auch der neue Gasbehälter bis Ende 2018 in Betrieb gehen, wie Edingen-Neckarhausens Bürgermeister Simon Michler als Verbandsvorsteher betonte. Bis es soweit ist, wird die Fackel häufiger anspringen, die überflüssiges Gas kontrolliert verbrennt. Das kontrollierte Abbrennen ist nach Angaben von Thiel notwendig, weil das anfallende Methangas um ein vielfaches schädlicher für die Umwelt sei als Kohlendioxid. Für die Planung des neuen Gasspeichers erhielt das Büro Pöyry jetzt den Auftrag. Allein hierfür fallen Kosten von rund 120 000 Euro an.

Fortschritte melden die Ingenieure in Sachen Phosphat. Eine neue Anlage soll dafür sorgen, dass der Gehalt des Stoffes im Wasser dauerhaft unter 1,2 Milligramm pro Liter bleibt. Seit zwei Wochen läuft die Anlage im Testbetrieb. „Wir liegen jetzt deutlich unter 0,5“, berichtete Doreen Brandt und fügte hinzu: „Damit sind wir für die kommenden Jahre gut gewappnet.“ Im Raum steht ein neuer Zielwert von 0,5. „Die Überschreitungen waren massiv“, bemerkte Dorothee Henrich vom Wasserrechtsamt des Rhein-Neckar-Kreises. Mit der neuen Anlage sei der Verband aber auf der sicheren Seite, erklärte die Ingenieurin für Verfahrens- und Umwelttechnik.

Während der Verband in den vergangenen Jahren rund 130 000 Euro Abwassergabe zahlen musste, spart er diese Ausgaben künftig teilweise. Außerdem kann er die Investitionen für die Anlage mit bereits gezahlten Abgaben verrechnen. „Wir freuen uns, dass es gut angelaufen ist“, sagte Verbandsvorsteher Michler.

Kessler fordert Kredite

Über die Notwendigkeit der anstehenden Investitionen gab es keine Diskussion, über deren Finanzierung allerdings schon. „Darüber sollten wir dringend sprechen“, betonte Heddesheims Bürgermeister Michael Kessler. Er werde für seine Gemeinde nicht akzeptieren, dass eine Million Euro an Eigenmitteln aufgebracht würden: „Das haben wir gar nicht im Haushalt drin.“ Stattdessen sollten die notwendigen Investitionen durch Kredite finanziert werden.