Rhein-Neckar

Neckar-Bergstraße Interesse an elektronischen Medien steigt durch Corona-Krise sprunghaft an / Ladenburg ruft Lieferservice ins Leben

Büchereien setzen verstärkt auf Online

Weil die öffentlichen Bibliotheken derzeit wegen der Corona-Krise geschlossen sind, setzen die Einrichtungen verstärkt auf ihre digitalen Angebote. Seit der Publikumsverkehr in den Büchereien ruht, steigt die Ausleihe elektronischer Medien sprunghaft an. „Wir haben in der vergangenen Woche fast 19 000 Entleihungen gezählt“, berichtet Regina Herhoff von der Geschäftsführung der Metropolbib: „Das sind 5000 mehr als in einer durchschnittlichen Woche.“

Petra Göhring neue Leiterin

Auch Johanna Krämer, Leiterin der Stadtbibliothek Schriesheim, verzeichnet einen Ansturm auf die digitalen Angebote. „Wir hatten diese Woche schon viele Anrufe von Lesern, die sich dafür freischalten lassen“, berichtet sie. Voraussetzung für die digitale Ausleihe ist eine gebührenpflichtige Registrierung als Leser. Was normalerweise nur persönlich geht, lässt sich jetzt auch auf dem kleinen Dienstweg erledigen. Die Bibliothek in Schriesheim hat das nötige Formular auf ihrer Homepage stehen. Das muss man einfach ausfüllen und zurückschicken oder einwerfen, die Daten für die Onleihe kommen dann per E-Mail.

In Ladenburg verläuft es ähnlich unkompliziert, die wie neue Leiterin Petra Göhring erklärt. Die genauen Modalitäten ließen sich am Telefon besprechen. „Ich war gerade einen Tag im Amt, da musste ich die Bibliothek schon schließen“, bedauert die neue Chefin mit reichlich Erfahrung aus Tätigkeiten, unter anderem in Weinheim, Mannheim und Paris. In der Quadratestadt war sie auch für den Bücherbus zuständig, und so hat sie jetzt prompt einen Lieferdienst ins Leben gerufen: Wer Bücher, Filme oder andere Medien aus dem Katalog telefonisch in der Zeit von 9 bis 12 Uhr bestellt, bekommt sie am Nachmittag gebracht.

Ein Modell, das auch Regina Weibel von der Gemeindebücherei Ilvesheim spontan begeistert. Ihre Einrichtung ist geschlossen, eine digitale Ausleihe steht mangels Kooperation mit der Metropolbib nicht zur Verfügung. „Ich bemühe mich aber um eine Lösung“, versichert Weibel. Trotz der Schließung hat sie alle Hände voll zu tun. Gerade pflegt sie sprechende Tonie-Figuren und interaktive Tiptoi-Bücher in den Bestand ein: „Als kleines Gutsel, wenn die Bücherei wieder öffnen kann.“

Unterdessen hat der Metropolbib-Verbund bereits auf die gesteigerte Nachfrage reagiert. „Wir mussten einfach handeln“, beteuert Regina Herhoff. Die maximale Ausleihdauer von eBooks und Hörbüchern sei in dieser Woche von bisher 21 Tagen auf 14 reduziert worden. In diesem Zusammenhang richtet sie noch eine Bitte an alle Leser: „Wenn man ein Buch gelesen hat, kann man es sofort zurückgeben.“ Bei elektronischen Büchern geht das ganz einfach per Mausklick oder Fingertipp. Der Download der Medien funktioniert auf den verschiedenen Endgeräten unterschiedlich. Annette Eyckmann, Leiterin der Gemeindebücherei in Heddesheim, weist dazu auf die Hilfeseite hin (hilfe.onleihe.de/site/on). Auf dem Kindle von Amazon funktioniere die E-Book-Ausleihe nicht. „Das Lesen/Abspielen der digitalen Medien ist auf fast allen Smartphones und Tablets möglich“, informiert Eyckmann: „Dafür brauchen Sie die kostenlose Onleihe-App aus dem Play Store oder dem App Store.“

Info: Elektronische Ausleihe: www.metropolbib.de

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