Rhein-Neckar

Neckar-Bergstraße Büchereien reagieren unterschiedlich auf die Corona-Regeln / Lieferservice und Beschränkung der Besucherzahl

Der Lesestoff geht nicht aus

Archivartikel

Die einen schließen vorübergehend ganz, liefern aber Bücher, die anderen halten den Betrieb unter den geltenden Regeln so gut es geht aufrecht: Was derzeit in den kommunalen Bibliotheken in den Städten und Gemeinden zwischen Neckar und Bergstraße für Besucher gilt, zeigt diese Übersicht:

Schriesheim

„Wir haben ganz normal geöffnet“, kann Johanna Krämer, die Leiterin der Schriesheimer Stadtbibliothek, vermelden. Allerdings gilt im Gegensatz zum Sommer eine neue Höchstzahl an Besuchern, die sich in den hiesigen Räumen aufhalten dürfen: „Statt 15 sind es nun höchstens zwölf.“ Und diese Zahl ist übrigens keineswegs willkürlich festgelegt: „Da es für öffentliche Bibliotheken keine derartigen Vorgaben gibt, orientieren wir in Schriesheim uns an den Vorgaben für den Einzelhandel, die auf der Quadratmeterzahl der Räume beruhen“, erläutert Krämer. Größere Probleme wie lange Schlangen oder gar ungeduldige Nutzer hat sie nicht feststellen müssen: „Die Menschen verhalten sich sehr rücksichtsvoll“, weiß die Bibliotheksleiterin: „Wenn sie sehen, dass bereits eine Schlange steht, dann drehen sie sogar noch eine Runde.“ Eine weitere Schutzmaßnahme ist die „Quarantäne für die Bücher“. Das bedeutet: Werden die Bücher zurückgebracht, werden sie für 72 Stunden in einem separaten Raum gelagert, erst danach vom Personal in die Hand genommen und ausgetragen. Damit das Personal, das den gesamten Tag über Maske trägt, im wahrsten Sinne des Wortes auch mal ausschnaufen kann, gibt es eine zweistündige Mittagspause. In dieser Zeit werden die Räume außerdem ausgiebig gelüftet. Was Johanna Krämer jedoch besonders schmerzt, das ist der Verzicht auf Veranstaltungen ihrer Einrichtung. Die waren nämlich stets ein besonderes Markenzeichen der Schriesheimer Stadtbibliothek.

Ladenburg

Die Stadtbibliothek ist geschlossen. Das teilten die Leiterin Petra Göhring und die Verwaltung mit. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Betrieb ruht. Nutzerinnen und Nutzer können Medien bestellen und sich nach Hause liefern lassen. Zuvor bestellte Medien können auch in der Bibliothek abgeholt werden. Telefonische Reservierungen sind montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr möglich. Ein weiteres Angebot ist „Book your library“ (dt. „Buch’ deine Bibliothek“). Es ermöglicht nach vorheriger Anmeldung die alleinige Nutzung der Bücherei (inklusive der Zeit für Ausleihe und Rückgabe). „Wir haben uns entschieden, zu schließen, um einen Beitrag zur Reduzierung von Kontakten zu leisten. Lassen Sie uns Abstand halten“, so Göhring in einer Mitteilung.

Ilvesheim

Die Bibliothek in Ilvesheim ist weiterhin für Besucher zugänglich – zu den derzeit geltenden Öffnungszeiten. Diese sind dienstags von 15 bis 18 und samstags von 11 bis 13 Uhr. Allerdings dürfen sich seit Beginn der neuen Kontaktbeschränkungen nur fünf Personen gleichzeitig im Raum aufhalten. Am Eingang steht ein Stapel von fünf Körben, jeder Kunde muss einen davon nehmen. Wenn alle Körbe weg sind, muss der nächste Gast warten, bis ein anderer Kunde das Gebäude wieder verlassen hat. „Zwischendurch, als die Fallzahlen etwas niedriger waren, hatten wir das ein wenig gelockert. Jetzt mussten wir aber erneut diese Grenze einführen“, sagt Angelika Geiger. Die Empore in der ehemaligen Kirche ist derzeit nicht begehbar, deshalb kann nur ein eingeschränkter Bücherbestand angeboten werden. Auch hinsetzen und vorlesen ist in der Bibliothek derzeit nicht möglich. Geiger leitet die Bücherei interimsweise. Derzeit lernt sie zwei neue Bibliotheksmitarbeiterinnen ein, die demnächst übernehmen. Geigers Aufgabe ist dann beendet, sie hatte sich im Sommer kurzfristig bereit erklärt, einzuspringen, weil die letzte verbleibende Mitarbeiterin der Einrichtung gekündigt hatte.

Heddesheim

Die Gemeindebücherei in Heddesheim hat weiterhin „normal“ geöffnet. Bereits seit Ende April – nach dem ersten Lockdown – gilt eine Begrenzung der Besucherzahl: In der Kinderbücherei sind maximal drei Personen gleichzeitig zugelassen, in der Erwachsenenbücherei dürfen es fünf sein. Inklusive des Bücherei-Teams können sich also elf Personen gleichzeitig in der Bücherei aufhalten, wie Annette Eyckmann, die Leiterin der Einrichtung, ausführt. Die Quadratmeter-Regelungen des Einzelhandels seien hier sehr großzügig übernommen worden, daher ließen sich die Abstandsregeln „sehr gut einhalten“. Auch die geltenden Hygieneregeln würden konsequent umgesetzt. Durch die Personenobergrenzen könne es in Einzelfällen zwar zu Wartezeiten kommen – gerade, wenn die Besucher in die kleinere Kinderbücherei möchten –, doch das sei die Ausnahme. „Meistens klappt es ganz gut“, versichert die Bücherei-Leiterin. Dazu trügen auch die Leserinnen und Leser bei, die großes Verständnis zeigten, wie sie betont. Aber auch das Team lässt sich etwas einfallen, damit sich die Besucher aus dem Weg gehen können. So habe Bücherei-Mitarbeiterin Karin Ruland etwa die Weihnachtsbücher an verschiedenen Stellen auf- und ausgestellt, damit sich nicht alle um ein Regal scharen müssen. Insgesamt sei die Frequenz derzeit etwas verhaltener als noch Ende Oktober, als sich viele Leserinnen und Leser wohl schon vorsorglich mit Lesestoff eingedeckt hatten, weil sie fürchteten, dass die Büchereien wieder schließen würden.

Edingen-Neckarhausen

Sowohl die Gemeindebibliothek im Ortsteil Edingen, Rathausstraße 10, als auch die Bibliothek im Ortsteil Neckarhausen, im linken Flügel des Schlosses, sind zu den gewohnten Zeiten geöffnet. Wie Hauptamtsleiterin Elke Hugo auf Nachfrage dieser Redaktion informiert, gelten in den Einrichtungen selbstverständlich die bekannten AHA-Regeln. Zur Kontaktverfolgung werden die üblichen Daten erfasst, ferner werde auf eine regelmäßige Lüftung der Räume geachtet. Außerdem habe man pragmatisch eine Höchstzahl von vier bis fünf Personen zeitgleich in den Räumen festgelegt – auch wenn die reinen Quadratmeterzahlen etwas mehr zuließen. Damit wolle man aber „auf der sicheren Seite liegen“, wie es Hugo formuliert. Dies gewährleiste, dass Besucher zwischen den Regalen schlendern und zugleich die notwendigen Abstände eingehalten werden könnten. Die Mitarbeiterinnen in der Bibliothek steuern den Zugang. „Bislang klappte das übrigens sehr gut, auch wenn mal jemand kurz warten musste“, bilanziert Hugo: „Die Nutzer waren überwiegend verständnisvoll.“

Seckenheim/Friedrichsfeld

Auch die Bibliotheken in den Mannheimer Stadtteilen bleiben geöffnet. Die Einrichtungen arbeiten bereits seit dem Frühjahr in einem eingeschränkten Pandemiebetrieb, der neben Schutzvorkehrungen wie Plexiglasscheiben an den Beratungs- und Thekenplätzen unter anderem Desinfektionsmittelspender vorsehe, so Sprecherin Beate Klehr-Merkl. Darüber hinaus sei ein striktes Einhalten der Abstandsregeln und der Maskenpflicht geboten. Allerdings gibt es aufgrund der unterschiedlichen Raumgrößen leichte Unterschiede zwischen den Zweigstellen. Um die Abstände einhalten zu können, dürfen sich in der Seckenheimer Einrichtung nur sechs Personen gleichzeitig aufhalten, in Friedrichsfeld sogar nur vier, wenn sie nicht aus einem Haushalt kommen. Dort ist eine vorherige telefonische Anmeldung (0621/47 32 29) nötig. Gruppenarbeiten sind in keiner der Einrichtungen möglich, zudem müssen Daten der Besucher erfasst werden, sollte das Gesundheitsamt die Kontaktdaten nachverfolgen müssen. „Die Bibliotheken versuchen im Rahmen der Möglichkeiten, die gewohnten Öffnungszeiten aufrecht zu erhalten“, teilt Klehr-Merkl mit. agö/-tin/tge

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