Rhein-Neckar

Schriesheim Clara Behringer berichtet über ihr Jahr in Peru

Die Kinder grüßen mit "Hallo, Deutschland!"

Archivartikel

Ist es die Sehnsucht nach Freiheit, die man nach dem Stress des Abiturs gut nachvollziehen könnte? Oder ist es die Abenteuerlust, fremde Menschen, Kulturen und Länder kennenzulernen? Oder ist es der Wunsch, sich für Menschen und dabei vor allem für Kinder zu engagieren, die nicht im Wohlstand leben?

Von allem etwas. "Doch meine zentrale Motivation war, mich im sozialen Bereich engagieren zu wollen" bekennt Clara Behringer, 19 Jahre jung, für ein freiwilliges Jahr tätig in Cajamarca, einer der ärmsten Provinzen in den Bergen von Peru.

Seit zwei Monaten ist sie zurück in ihrer Heimatstadt Schriesheim. Auf Einladung der Gemeindejugend und des "Eine-Welt-Teams" berichtet sie nun im katholischen Gemeindehaus vor vielen interessierten Zuhörern über das für sie wichtige Jahr.

Spannender Vortrag

Unterlegt mit eindrucksvollem Bildmaterial, schildert sie zunächst die Hürden, die vom Dachverband, dem Bistum Speyer, gesetzt sind, um in das Projekt aufgenommen zu werden. Vor der Reise nach Peru sind Vorbereitungsseminare und Kennenlern-Tage zu absolvieren. Dem Entsendungsgottesdienst folgt endlich gemeinsam mit einer Freundin die große Reise in das unbekannte Land, dessen Sprache, Spanisch, die beiden Mädchen zunächst nicht beherrschen. Peru ist dreimal so groß wie Deutschland, hat aber nur etwa ein Drittel seiner Einwohnerzahl.

"Die dort herrschende Korruption ist mir sofort aufgefallen", berichtet sie: "Hast Du Geld, hast Du alles." Das sei ein großes Problem, "moralisch verwerflich, aufgrund der Verhältnisse aber auch verständlich".

Tätigkeit als Englisch-Lehrerin

Eingesetzt wird sie als Englisch-Lehrerin in der Grundschule "Jesús Trabajador", in der 160 Kinder zwischen fünf und 15 Jahren von 8 bis 13 Uhr unterrichtet werden. "Da ihre Arbeitskraft auf den Feldern benötigt wird, besuchen sie den Unterricht allerdings nur unregelmäßig."

Neben ihrer Unterrichtstätigkeit ist Clara auch in der Küche eingesetzt: Hier backt sie gemeinsam mit den Kindern, muss für deren Hygiene sorgen, auf die sie auf Grund ihrer Lebensverhältnisse von Zuhause aus naturgemäß kaum achten. "Hände waschen, Fingernägel schneiden" lautet daher oft die Ansage. Auch über Mülltrennung und Umwelt spricht sie mit den Kindern.

"Schwer getan habe ich mich mit den kulturellen Unterschieden", bekennt sie, ärgert sich etwa über die Unpünktlichkeit der Kinder. "Ich bin da in sämtliche Fettnäpfchen getreten", lacht sie: "Passiert eben, wenn man die fremde Kultur nicht kennt."

Trotz mangelnder Sprachkenntnisse findet sie schnell einen Draht zu den Kindern wie auch zu den Erwachsenen. Wie fröhlich die Kinder über den Schulhof tollen, wie brav und ordentlich sie im Speisesaal vor ihrem Teller sitzen, das können die Zuhörer in Videos sehen. Und über deren Gesichter geht ein Strahlen, als die Kinder im fernen Peru mit einem "Hallo, Deutschland!" grüßen.

Wie fasst Clara ihre Erkenntnisse zusammen? Zu Beginn eine Belastung, später ein Hineinwachsen, zum Schluss ein viel zu schnelles Ende. "Es war sehr anstrengend, doch ich würde es wieder machen", rät sie den noch Unentschlossenen: "Es lohnt sich auf jeden Fall!"