Rhein-Neckar

Ladenburg Heizkraftwerk im Neubaugebiet Nordstadt-Kurzgewann noch immer nicht in Betrieb / Häuslebauer kritisieren Verzögerungen und Organisation

„Ein Stück weit normales Chaos“

Im Ladenburger Neubaugebiet Nordstadt-Kurzgewann sind bereits erste Häuslebauer in ihr neues Domizil eingezogen. Auf ihren Grundstücken stehen aber klobige Anhänger mit Kamin und der Aufschrift „Heizkurier“ an den Seitenplanen. Es handelt sich um mobile Heizgeräte zur Wärmeversorgung. Bei weiteren Häusern dienen die Anlagen zum Trocknen von Estrich. Das bestätigt Vertriebsleiter Witold Kreutz von den Pfalzwerken auf Anfrage dieser Zeitung. Wann das zentrale Heizkraftwerk für letztlich alle 650 Wohneinheiten auf 156 Grundstücken in Betrieb geht, kann er noch nicht sagen.

„Die Versorgung ist jedoch gesichert, auch wenn wir derzeit noch keine Wärme über das Netz liefern“, beteuert Vertriebsleiter Kreutz. Dabei hieß es beim vorangegangenen Gespräch im August, dass im Oktober das zentrale Heizkraftwerk in Betrieb gehen soll. Damals war im Quartier massive Kritik an zeitlichen Verzögerungen und mangelnder Kommunikation laut geworden (wir haben berichtet).

Kreutz hatte Besserung gelobt. Wie er am Donnerstag erklärt, kann das Wärmenetz erst in Betrieb gehen, wenn die Stadt als Eigentümerin der Leitungen deren notwendige Spülung hat durchführen lassen. Eine Abstimmung darüber stehe bislang aber noch aus.

Netz-Übergabe steht bevor

Auf Anfrage vom selben Abend teilt Bürgermeister Stefan Schmutz am Freitagnachmittag mit: „Die Spülung ist veranlasst und findet derzeit statt.“ Dieser Tage sei die „Übergabe des Nahwärmenetzes an die Pächterin Pfalzwerke vorgesehen“. Die Gewährleistung bei eventuellen Leitungsstörungen sieht Schmutz klar geregelt: Auftragnehmer sei der von der Stadt beauftragte Erschließungsträger und Subunternehmer die Firma Rimatec aus Lampertheim, die zugleich Dienstleister der Pfalzwerke für die Herstellung der Hausanschlüsse sei. Wann das Kraftwerk anfahre, sei allein die Sache des Betreibers.

Inzwischen macht unter den nach wie vor verärgert wirkenden Bauherren der ersten Stunde im Quartier der Verdacht die Runde, das Blockheizkraftwerk, welches auf Erdgasbasis Wärme und Strom gleichzeitig produzieren soll, werde auch nach erfolgter Spülung nicht angefahren, bevor der Betrieb mit mehr bezugsfertigen Häusern im Viertel rentabel genug sei. Zur Nachfrage diesbezüglich will sich Pfalzwerkemanager Kreutz noch äußern, war am Freitag aber terminlich verhindert.

Probleme bei Finanzierung drohen

„So vieles ist unklar. Man hat das Gefühl, nicht wir, sondern die machen das zum ersten Mal“, sagt ein junger Familienvater, der seine Wohnung gekündigt hat und bald ins neue Haus umziehen muss. Er fühlt sich durchaus ausgebremst: Jede unnötige Verzögerung bedeute Probleme für den Einzug und die Finanzierung.

„Das Hauptproblem ist mangelnde Koordination und dass, professioneller Informationsfluss fehlt“, sagt einer der im Gebiet tätigen Generalunternehmer. Seinen Namen will er nicht in den Medien lesen. Er teilt die Ansicht vieler Bauherren, die sich ebenso wie er selbst anstelle von Marketingleuten einen technisch kompetenten Ansprechpartner bei den Pfalzwerken wünschen würden. Obendrein sei auch zentrale Fernwärme „nicht das flexibelste System“.

„Es könnte alles besser laufen“

Der Bauträger sagt jedoch auch: „Es läuft nicht alles optimal, aber ein Stück weit herrscht normales Chaos.“ Manche Bauherren malten die Situation zu schwarz, wenn auch aus verständlichen Gründen: „Die werden jetzt natürlich unruhig.“

Im Großen und Ganzen würden die Häuser wohl zum Vertragszeitpunkt fertig. Ob es wirtschaftlich sei, das Heizkraftwerk bereits anzufahren, könne er nicht sagen. Aber es ließe sich bestimmt besser kommunizieren, glaubt er. Klares Fazit des Unternehmers: „Es könnte besser laufen.“

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