Rhein-Neckar

Ladenburg Nach Schriesheimer HSG auch Merian-Realschule für Olweus-Programm ausgezeichnet

Einsatz gegen Mobbing belohnt

Archivartikel

„Wir haben es geschafft!“ - Edeltrud Ditter-Stolz ist die Freude über den jüngsten und vielleicht auch größten Erfolg „ihrer“ Merian-Realschule (MRS) in Ladenburg anzumerken: Doch nicht nur die Rektorin, sondern die gesamte Schulgemeinschaft darf stolz auf das Geleistete sein. Denn die Baden-Württemberg-Stiftung hat die MRS am Freitag als eine der bundesweit ersten Schulen für ihre geradezu bravouröse Teilnahme am renommierten Olweus-Programm gegen Mobbing und antisoziales Verhalten ausgezeichnet.

Noch früher war das Heinrich-Sigmund-Gymnasium (HSG) in Schriesheim dran: Die private Olweus-Schule nahm vor wenigen Wochen beim Festakt zum 125-jährigen Bestehen das Zertifikat entgegen (wir berichteten). „Sie haben sehr viel Engagement, ja Herzblut eingebracht“, lobte damals der wissenschaftliche Leiter des Projektes, Franz Resch. Der ärztliche Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie Heidelberg stellte fest: „Sie haben Nachhaltigkeit gezeigt.“ Sein Forscherteam begleitet die bundesweite Einführung des vorbeugenden Programms wissenschaftlich. Es ist benannt nach Dan Olweus, dem weltweit anerkannten norwegischen Pionier der Mobbing-Forschung.

Pausenaufsicht umstrukturiert

Schubsen, demütigen, ausgrenzen: Mobbing sei ein weitverbreitetes Problem, so Resch in Ladenburg: Es führe bei jedem dritten Opfer zu psychischen Folgeerkrankungen. „Wir haben uns aber vor zwei Jahren nicht etwa für das Programm entschieden, weil wir viele Problemfälle haben, sondern weil jeder Schüler, der gemobbt wird, einer zu viel ist“, betonte Ditter-Stolz eingangs der Pressekonferenz mit Lehrern, Schulsozialarbeiterin Annika Grefe, Olweus-Coach Lars Kunitsch, Schülern und Forschern. Es ging Ditter-Stolz, ihrem Stellvertreter Stefan Baust und dem Kollegium darum, „der grassierenden Ich-Bezogenheit in der Gesellschaft etwas entgegen zu setzen“. Deshalb laute das MRS-Motto seit langem „Gemeinsamkeit macht Schule“. Für solches Engagement „sollte das Kultusministerium aber auch Stunden geben“, merkte Schulleiterin Ditter-Stolz kritisch an. Man habe „Soziales Lernen“ als Schulfach kreiert, die Pausenaufsicht umstrukturiert und das Olweus-Programm in den Lehrplan einbezogen, führte Baust aus.

„Hier tut sich was: Die Schule und die Schüler verändern sich“, zeigte sich Birgit Pfitzenmaier begeistert. Sie vertrat die Baden-Württemberg-Stiftung, die das Olweus-Programm mit rund 610.000 Euro unterstützt. „Wir investieren vor allem in die Jugend“, sagte Pfitzenmaier. HSG und MRS seien „Vorreiter fürs ganze Land“. In insgesamt 29 Modellschulen erhebt Reschs Team Daten. Die Forscher haben das Programm nach Deutschland geholt. „Sehr eindrucksvoll“, so Resch, habe die MRS abgeschnitten. Dort werde „Kooperativität viel Raum gegeben“. Nahezu alle hätten am Programm teilgenommen.

In jeder Pause Streit

„Das ist an der Gesamtatmosphäre in der Schule sofort spürbar“, sagte der Professor. Dies bestätigten Schülerinnen: „Die Lehrer zeigen uns, dass wir Ihnen wichtig sind, und ich bin stolz, wie das hier läuft“, sagte Pia Gottschalk. „In der fünften Klasse gab es in jeder Pause Streit: Das ist viel besser geworden“, erklärte Neuntklässlerin Nike Sacher. „Zu wissen, dass sich die Schule mit dem Problem Mobbing auseinandersetzt, ist hilfreich“, meinte Jeanne-Sofie Kobas. „Ihr passt aufeinander auf und wisst, was Mobbing anrichten kann“, fand Lehrerin Anja Trussell.