Rhein-Neckar

Schriesheim Gut besuchte Vernissage zur Kunstausstellung im Feuerwehrgerätehaus

Eintauchen in farbige Oasen der Ruhe

Archivartikel

Ein volles Haus, gut gelaunte Besucher und einen Wein im Glas: Der ideale Rahmen zur Vernissage der Mathaisemarkt-Kunstausstellung. Gabriele Mohr-Nassauer nannte sie „die inoffizielle Eröffnung des Mathaisemarkts“, und Bürgermeister Hansjörg Höfer gab der Vorsitzenden des Kulturkreises (KKS) Recht: „Sie ist der eigentliche Beginn.“ Diesmal mit der beinahe kindlichen Frage „Und was siehst du?“ als Motto der Bilderschau.

Doch erst ging es ums Hören, denn Musikschulleiter Olaf Weithäuser und seine Saxofon-Combo „55 Names“ übernahmen den akustischen Teil. Während der Beatles-Hit „When I´m 64“ den Feuerwehrsaal erfüllte, schweiften die Blicke: Die Ladenburger Malerin Cornelia Komor, dem Publikum von Ausstellungen im Kerg-Museum bekannt, wählte diesmal abstrakte Werke: Sanfte Strukturen, manchmal mit eingearbeitetem Material, bestechen durch intensive Farbigkeit.

Komor habe die Kunstrichtung selbst „nicht-gegenständliche, prozessuale, situative Malerei“ genannt, erklärte Kuratorin Romy Schilling: Denn sie sprenge mit ihrer Farbgebung alle Fesseln. Wie hänge man ein solches Bild, fragte sie und gab sich selbst die Antwort: Wie es am besten gefalle. Daran hielten sich auch die Veranstalter. Das sah man im Vorraum, wo das Ausstellungsplakat neben dem Original hing: Hier war die Leinwand um 90 Grad gedreht. Der Titel sei jedenfalls in der Hoffnung gewählt worden, „man möge sich mit dem Bild befassen, aber nicht etwa Gegenstände suchen.“ In der Ausstellung seien Farbräume geschaffen worden, um „einzutauchen ins Werk“. In der Tat sah man in der hinteren Hälfte des Saals eine kleine Farborgie in Rot, Gelb, Bordeaux und Orange: Da hingen Werke mit Titeln wie „… und es wird heißer“ oder „Abendglühen“, deren mächtiger Farbauftrag zu den leuchtenden Tönen passte.

Die Fensterseite war dagegen kühlem Blau vorbehalten, dazwischen gab es zartes Creme oder pastelliges Rosé. Vielleicht, so Schilling, könne man eintauchen in dieses Werk, Ruhe finden, und „auch einen Hauch Frühling erahnen.“ Wie im Bild „Tauwetter“, unter dessen dick aufgetragenen, rissigen Farbschichten die Leinwand hervortrat – Ergebnis eines vielschichtigen Schaffensprozesses. Ein „Schwelgen mit Nass-in-Nass-Technik, Farbe, Tube, Spachtel“ stehe am Anfang; Trocknen, Schaffen einer harmonischen Farbkomposition, immer wieder Übermalen, das alles stehe am Ende „zwischen Kampf und Reife“. Sie zitierte die Künstlerin, die Oasen schaffen wolle, Bilder, „in denen der Betrachter sich selbst entdecken und zur Ruhe finden kann.“

Auch Weinkönigin Sophie hoffte auf innere Ruhe; vor ihrer „Abkrönung“. Die scheidende Hoheit gab zu, sei sie schon nervös. Ihren letzten Auftritt im Amt meisterte sie gleichwohl souverän.

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