Rhein-Neckar

Edingen-Neckarhausen Eltern protestieren zum Fest der Stiftung Zukunft Lutherkirche wegen Problemen um Kindertagesstätte

Entlassung entzweit Gemeinde

Archivartikel

Der Grund zum Besuch von Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh im beschaulichen Neckarhausen ist der Kirchengottesdienst der evangelischen Gemeinde zum zehnjährigen Bestehens der Stiftung Zukunft Lutherkirche. Dass der Theologe am Ende in eine Protestaktion verwickelt würde, hat er am Anfang des Tages gestern wohl noch nicht auf dem Schirm. Grund für die spontane Aktion ist die fristlose Kündigung der langjährigen Leiterin der „Wawuschel“-Kindertagesstätte (Kita) im Frühjahr durch die evangelische Kirchengemeinde Neckarhausen und das geschäftsführende Verwaltungs- und Serviceamt (VSA) mit Sitz in Weinheim.

„Bei der Kündigung ging es um generelles Leitungsversagen“, erklärt Christa Lehner von der VSA. Die ehemalige Kita-Leiterin habe ein schwerwiegendes Fehlverhalten einer Erzieherin nicht gemeldet, was letztendlich zur Entlassung geführt habe. Das Problem ist nun, dass sich die Eltern nicht informiert fühlen und die Kündigung deshalb nicht nachvollziehen können.

„Ich habe lange versucht, mir ein Bild von der Situation zu machen“, erläutert Ulrike Orth, Initiatorin der Protestaktion. „Und ich habe regelrecht gefleht, informiert zu werden.“ Nun legen die Eltern dem Kirchengemeinderat, dem Pfarrerehepaar Antje und Andreas Pollack und Landesbischof Cornelius-Bundschuh ihre Bedenken, zahlreiche Fragen und noch mehr Kritik ausdrücklich dar. „Die Fronten sind verhärtet und der immaterielle Schaden ist sehr sehr hoch“, findet Michael Koch, dessen Kind die Kita besucht. Klar ist: Den Eltern fehlt es an Informationen, für sie ist der Vorgang nicht transparent.

Gespräche mit Betroffenen

Doch Lehner und die Kirchengemeinde sehen das anders: Es habe ein Verfahren gegeben und man habe mit betroffenen Eltern und Erzieherinnen gesprochen. „Am Ende dieser Gespräche haben wir uns eben zu diesem Schritt entschieden“, sagt Lehner.

Für Orth ist jedoch klar: In diesem Prozess gibt es nur Verlierer. „Ich bin unfassbar wütend und traurig“, ergänzt sie. Während das Arbeitsrechtsverfahren noch läuft, könne die Stelle der Kita-Leitung nicht neu besetzt werden. Das VSA habe in einer Mail geschrieben, dass dies durch mehr Arbeit der restlichen Erzieherinnen kompensiert werden solle. „Wir fordern die Kirchengemeinde hiermit auf, Respekt zu zeigen und die Fachkompetenz der Kita-Mitarbeiterinnen anzuerkennen“, erklärt Orth. Eine Stellungnahme der Pfarrleitung liegt dieser Zeitung noch nicht vor, jedoch möchte sich Antje Pollack noch äußern.

Landesbischof Cornelius-Bundschuh, der von der ganzen Aktion etwas überrumpelt scheint, möchte sowohl Eltern als auch der Kirchengemeinde einen Rat mitgeben: „Die Aufarbeitung des Vorfalls spielt eine große Rolle, dennoch muss man sich auch fragen, wie man einen Schritt nach vorne machen kann.“ Im Mittelpunkt stehe nun, dass die beiden Parteien in Ruhe nochmals zusammenkämen und reden.

Wie wichtig es ist, in einer Gemeinde zusammenzuhalten, erwähnt er auch in seiner Festpredigt, gerade mal eine halbe Stunde zuvor. „Wir brauchen eine Kirche im Ort, weil sie das Miteinander stärkt“, sagt er. „Manchmal muss man sich auch über den richtigen Weg streiten.“ Cornelius-Bundschuh ist der erste Landesbischof seit 84 Jahren, der sich in Neckarhausen sehen lässt. Nicht nur Initiatorin Ingeborg Schieler, auch die Gäste des Gottesdienst freuen sich sichtlich darüber. „Die Predigt hat mich sehr angesprochen“, findet Michael Huber.

Musikalische Untermalung zum Gottesdienst bietet nicht nur der evangelische Singkreis, sondern auch der Edinger Posaunenchor. „Die Kirche bietet einen Ort, wo wir Kraft sammeln können“, erwähnt der Landesbischof am Ende seiner Predigt und entlässt jeden einzelnen Kirchengast mit einem Händedruck ins Kirchcafé.