Rhein-Neckar

Schriesheim Traditionelles Volkstanz-Festival des Männergesangvereins „Eintracht“ / Anlass zu Begegnung und Kommunikation

„Früher so etwas wie heute die Disco“

Archivartikel

Das Wetter meint es an diesem Wochenende gut mit dem Volkstanz-Festival des Männergesangvereins „Eintracht“. Fast zu gut. Denn was den Akteuren wie auch dem Publikum an jenem Nachmittag zu schaffen macht, das ist die Schwüle, die sich in der Altstadt festsetzt.

Vielleicht ist dies auch der Grund für einen Umstand: „Viele der Tische und Bänke sind leer“, bemerkt ein Gast, der seit vielen Jahren zu den Stammgästen der Veranstaltung zählt. Oder liegt es an den Ferien?

Der Stimmung tut das aber keinen Abbruch. Mit Schlag der Glocken der angrenzenden Kirche um 14 Uhr ziehen unter dem Applaus der Zuschauer und unter den Fanfarenklängen der „Schriesheimer Löwen“ die Akteure auf dem Platz ein: Volkstanzgruppen aus Leutershausen, Weinheim, Hemsbach, Sulzbach, Niederliebersbach und natürlich die Gastgeber aus Schriesheim.

Das Schlusslicht bilden ihr Leiter Jürgen Gustke und der Vorsitzende der „Eintracht“, Helmut Hölzel. Erwartet werden die Akteure und Tänzer von Sandra Hölzel. Mit Witz, Humor und Charme führt sie durch das mehrstündige Programm.

Mittlerweile haben sich die Zuschauer mit Kaffee und Kuchen, heißen Würstchen und erfrischenden Getränken versorgt. „Endlich ist der Frühling da, und Ihr seid es auch“, begrüßt Organisator Jürgen Gustke die Gäste. In seiner kurzen Rede verweist er auf die alte Tradition des „Tanzes unter der Linde“: „Früher traf man sich nach einem harten Winter unter der Dorflinde, um mit Tänzen den Frühling zu begrüßen“, berichtet er: „Der Tanz auf dem Dorfplatz war auch so etwas wie eine Brautschau. Das war früher so etwas wie heute die Disco“, scherzt er.

Fachkundig erläutert Gustke die Trachten: „Jede Zunft hat ihre eigene.“ Es gibt eine Bauern-, eine Winzer- und eine Fischerkutte. Daraus entwickelte sich das geflügelte Wort: „Fährt der Bauer morgens ins Heu, wird er abends fertig soi“.

Eröffnet wird die Veranstaltung von den Kindern mit einem Tanz aus Skandinavien, der eigentlich von den Erwachsenen in einer Mitsommernacht getanzt wird. „Komm’, wir wollen tanzen“ lautet der Titel, mit dem die Kleinen auch Erwachsene aus dem Publikum auffordern. Doch nur wenige trauen sich, sich in den Kreis der Tanzenden einzureihen. Die kleinste und jüngste Tänzerin zählt gerade einmal zwei Jahre. Gleichwohl hat sie ihren eigenen Kopf, den sie auch durchzusetzen vermag. Da nutzen auch alle Versprechungen recht wenig – sie ist einfach nicht bereit, ihrer Partnerin die Hand zu geben und sich in die Reihe der Tanzenden zu mischen.

Als echte Brautwerbung kann man den Tanz mit dem profanen Titel „Uff de Gass“ bewerten. Er endet in einem lautstarken „Kikeriki“, das die Herren der Schöpfung als Zeichen ihres erfolgreichen „Balzens“ ausstoßen.

Premiere hat bei diesem Fest der diesjährige Kerwetanz „Mädle mit dem roten Mieder“. Da greift Jürgen Gustke gerne zum Mikro und singt den Text unter Akkordeon-Begleitung. „Nun ja“, kommentiert ein Zuhörer: „Er ist wohl eher begnadeter Moderator als begnadeter Sänger.“