Rhein-Neckar

Neckar-Bergstraße Städte und Gemeinden suchen noch Freiwillige zur Hilfe in den Wahllokalen und beim Auszählen

Für Dienst an der Demokratie winkt ein kleines Taschengeld

Der Wahltermin 26. Mai rückt näher, in den Rathäusern laufen die Vorbereitungen für den Urnengang auf Hochtouren. Gleich drei Wahlen stehen am letzten Sonntag im Mai an. Neben dem Europaparlament dürfen die Bürger über die Zusammensetzung der Gemeinderäte und des Kreistages entscheiden.

Während die Vorbereitung des Wahltags in den Händen der Hauptamtlichen in den Verwaltungen liegt, kann die eigentliche Wahl am Sonntag nicht ohne ehrenamtliche Helfer gelingen. Bis zu 200 solcher Mitarbeiter werden in jeder Gemeinde benötigt. Verteilt auf die verschiedenen Wahllokale, garantieren sie einen reibungslosen Ablauf der Wahl, führen die Wählerverzeichnisse und ermitteln am Ende auch das Ergebnis.

Kandidaten sind ausgeschlossen

Das Wort Ehrenamt ist in diesem Fall übrigens wörtlich zu nehmen. Es ist eine Ehre, diesen Dienst an der Demokratie zu leisten, und die kann man grundsätzlich auch nicht ablehnen. Freilich setzen die Städte und Gemeinden erst einmal nicht auf die Zwangsrekrutierung von Helfern, sondern vielmehr auf die Freiwilligkeit. Erschwert wird die Suche nach Ehrenamtlichen dadurch, dass Kandidaten nicht selbst mit auszählen dürfen. Allein dadurch fallen die meisten Gemeinderäte und jede Menge Bewerber auf den Listen der Parteien und Wählergruppen weg – anders als bei reinen Bundestags- oder Landtagswahlen.

Weil der Wahldienst ein Ehrenamt ist, gibt es dafür auch keine Vergütung. Vielmehr zahlen die Städte und Gemeinden den Helfern ein sogenanntes Erfrischungsgeld. Die Bundeswahlordnung legt dieses auf 25 Euro fest. Pro Tag, wohlgemerkt. Und für einen Dienst, der frühmorgens um 7.30 Uhr beginnt und unter Umständen erst spät in der Nacht endet. Die Stimmen der Europawahl werden überall noch am Sonntag ausgezählt, bei den Wahlen zum Gemeinderat handhaben die Kommunen das unterschiedlich. Heddesheim will, wie in den vergangenen Jahren, das Ergebnis noch am Sonntag ermitteln. In Schriesheim wird sonntags nur die Europawahl ausgezählt. Zwar leisten die Wahlhelfer ihren Dienst abwechselnd im Schichtbetrieb, aber acht bis zehn Stunden können da durchaus zusammenkommen. Die Gemeinden zeigen sich deshalb großzügig und legen beim Erfrischungsgeld noch eine Schippe drauf. Bis zu 80 Euro können die Helfer erhalten.

In Edingen-Neckarhausen rührte Bürgermeister Simon Michler bereits beim Neujahrsempfang die Trommel für den Wahldienst. Die Stadt Ladenburg hat einen Aufruf gestartet. „Gemeinsam macht es mehr Spaß“, heißt es darin, und weiter: „Vielleicht kennen Sie ja noch jemanden, der auch gerne einmal, so wie Sie, einen Blick hinter die Kulissen werfen möchte?“ Auch Gerhard Fischer vom Hauptamt der Gemeinde Edingen-Neckarhausen ist am Wahltag froh um jede Unterstützung: „Interessierte können sich jederzeit bei mir melden.“

Software hilft

Durch Konfirmation und Sängerfeste am 26. Mai befürchtet auch Achim Weitz vom Ordnungsamt der Stadt Schriesheim Schwierigkeiten bei der Verpflichtung von Helfern. „Personen, die einen Dienst an der Demokratie leisten wollen und bei der Wahl mitwirken möchten, dürfen sich gerne melden“, betont er. Die Auswertung der Kommunalwahl gestaltet sich in der Weinstadt mit unechter Teilortswahl und zwei Ortschaftsratswahlen (Altenbach, Ursenbach) schwierig. „Das Zählgeschäft ist hier sehr umfangreich“, erläutert Weitz. Deshalb setzt die Stadt zur Erfassung der Stimmzettel wieder eine Software ein, die sich bei den letzten Kommunalwahlen bereits bewährt hat. Dabei gilt das Sechs-Augen-Prinzip, wie Gerhard Fischer vom Hauptamt der Gemeinde Edingen-Neckarhausen erklärt: Einer liest vor, einer tippt ein, einer kontrolliert.