Rhein-Neckar

Hirschberg Bundestagskandidatin und Grünen-Abgeordnete Franziska Brantner spricht auf dem Brignaisplatz über Europa

Für eine starke Gemeinschaft

"Ein paar Sätze zu Europa sagen" will Franziska Brantner gestern am frühen Abend auf dem Brignaisplatz in Hirschberg-Leutershausen. Dann sprudelt es geradezu aus ihr heraus, 20 Minuten in freier Rede. Für knapp zwei Dutzend Zuhörer wenig überraschend, schließlich war die heute 38-Jährige vier Jahre lang Abgeordnete des Europäischen Parlaments. Seit 2013 gehört sie dem Bundestag an - am nächsten Sonntag möchte sie wiedergewählt werden.

"Triff die Kandidatin" heißt die Veranstaltung, die an diesem eher nassen Tag indes fast nur Parteifreunde anlockt, darunter Landtagsabgeordneter Uli Sckerl. Ein Heimspiel. Trotz zeitweiligen Regens ist die Stimmung besser, als die jüngsten Umfragewerte für die Grünen nahelegen würden. "Von weniger Europa hat keiner mehr", zitiert die Kandidatin ein Wahlplakat ihrer Partei. Mehr noch: "Mit weniger Europa würde es uns nicht besser, sondern schlechter gehen", wirbt sie für eine starke Gemeinschaft, in der es - im Interesse Deutschlands - auch allen Nachbarn gut gehen müsse.

"Themen gemeinsam angehen"

Zu den Themen, die man nur gemeinsam angehen könne, gehöre etwa der Kampf gegen den Terror: "Das ist eine europaweite Aufgabe." Auch beim Klimaschutz müssten die Europäer zusammenstehen: "Wenn Trump meint, er könne aus dem Abkommen aussteigen, kommt Europa eine tragende Rolle zu." Anderes Beispiel Elektro-Mobilität: "Wir alle erinnern uns wahrscheinlich ungern an die Zeit, in der wir für jedes Land einen anderen Steckdosen-Adapter brauchten", plädiert Brantner für eine von Anfang an gemeinsame Infrastruktur - und natürlich den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor. "Wir müssen aufpassen, dass Deutschland nicht abgehängt wird", verweist sie auf das in Frankreich geplante Zulassungsverbot für Abgas-Autos ab 2040.

Was für die EU entschieden werde, hänge oft maßgeblich von der Stimme der Deutschen im Ministerrat ab, verdeutlicht sie die Rolle Berlins in Brüssel, "da kann man sich nicht rausreden". Die Frage der Zulassung von Glyphosat sei hier aktuelles Beispiel.

Ob Flüchtlinge, der Euro, die Außen- oder Sicherheitspolitik: "Überall geht es um einen gewissen Grad an Solidarität", wirbt sie - "eigentlich" - für einen Ansatz à la Helmut Kohl, wenn dieser "große Pakete" für das gemeinsame Europa schnürte: "Jeder hat ein bisschen was gegeben, jeder hat etwas gewonnen, und am Ende konnten alle zustimmen." In diesem Sinne fordert Brantner unter anderem ein europäisches Asylverfahren ("Dublin ist mehrfach gescheitert"), bei dem es nur einen einheitlichen europäischen Asylantrag, ein Verfahren gibt. "Die Länder, die nicht mitmachen, müssen dann zahlen." Darüber hinaus solle eine "echte europäische Grenzschutzagentur mit europäischen Beamten" das bisherige Frontex-System ablösen, das an Personalmangel und unklaren Zuständigkeiten kranke.

Außenpolitisch müsse Europa geschlossen auftreten - "gegenüber einem Herrn Trump, Herrn Erdogan oder Herrn Putin, sonst sind wir am Ende von denen abhängig". Dafür müssten nationale Einzelinteressen auch mal zurückstehen.