Rhein-Neckar

Neckar-Bergstraße Umfrage zur aktuellen Lage bei Speisegaststätten in der Region / Fazit: Branche im Kampf- und Krisenmodus

Gastronom: „Im Moment ist es eine echte Katastrophe“

Archivartikel

Seit Dienstag steht die Gastronomie Kopf: Als Maßnahme gegen die Ausbreitung des Coronavirus hat die Landesregierung den Betrieb von Gaststätten „grundsätzlich untersagt“. Von diesem Verbot sind Lokale nur dann ausgenommen, wenn Tische und Stehplätze einen Abstand von mindestens 1,5 Meter zueinander aufweisen. Obendrein müssen für den Fall einer Infektion mögliche Kontaktpersonen aus jedem Lokal einen Monat lang nachverfolgbar bleiben, also vom Wirt samt Sitzplatz notiert werden. Indes verfügen immer mehr Kommunen in der Region: Restaurants und Speisegaststätten müssen täglich um 18 Uhr schließen, wie es die Bundesregierung bereits am Montag empfahl. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DeHoGa) sieht die Branche mit einem „Verordnungschaos“ konfrontiert. Wir haben uns umgehört.

Edingen-Neckarhausen: „Wir sind tot, das ist der Blattschuss“, spricht Manfred Müller vom „Friedrichshof“ in der Jägersprache von einem Schlag für die Gastronomie. „Am Donnerstag und Freitag war es noch gerammelt voll, am Montag waren nur noch vier Gäste da“, berichtet der Pächter und erklärt, dass er sich große Sorgen mache: „Ich habe doch laufende Kosten.“ Dennoch hätte Müller angesichts der ernsten Lage ein Ausgehverbot für vier Wochen besser gefunden: „Dann wäre die Sache erledigt.“ Doch so könne das noch drei oder vier Monate gehen - „und alles geht den Bach ´runter“. Müller hofft, sein Haus unter anderem mit Lieferservice dennoch über Wasser zu halten. Trotz allem will er täglich um 18 Uhr schließen, denn es gehe um die Gesundheit von Menschen.

Heddesheim: „Im Moment ist es eine echte Katastrophe“, beschreibt Gaetano Minoia von der „Trattoria Modena“ seine Gefühle. Am Freitag hätten 110 Gäste abgesagt. Ein Verlust sei für ihn auch der Ausfall des Mannheimer Maimarkts. Bei der Verwaltung hat sich Minoia informiert und dann die Landesverordnung mit den neuen Abstandsregeln studiert: „Wir belegen jetzt nur noch jeden zweiten Tisch.“ Zum Glück sei es bislang, Stand Dienstagabend, noch erlaubt, abends geöffnet zu haben. Doch müsse er jetzt aufschreiben, wer wo sitze, damit sich für Gesundheitsämter Kontakte nachvollziehen ließen. Minoia setzt auf seinen Lieferservice und seine Sonnenterrasse, will für die Mitarbeiter um seine Existenz kämpfen. Dennoch frage er sich schon, „ob ich schließen muss“. Denn es könne nach Bankauskünften dauern, bis es von der Regierung Kredite gebe. „Aber bis dahin bin ich pleite, wenn es so weitergeht.“

Ilvesheim: „Wir merken seit Tagen, dass weniger Gäste kommen“, berichtet Wilfried Stadler („Zur Rose“). „Einige haben angerufen und gefragt, ob sie auch kurz vor 18 Uhr noch Essen bekommen, dabei haben wir den ganzen Abend geöffnet“, berichtet der Wirt. Von der Gemeinde bekomme er stets zuverlässig mitgeteilt, sobald sich etwas ändere. „Das kann morgen oder übermorgen schon sein“, ahnt Stadler da schon völlig zu Recht, denn so plant es das Rathaus: Um 18 Uhr sei täglich zu schließen. Unangenehm sei das, ständig nicht zu wissen, wie es weitergehe. „Wir hängen in der Luft“, sagt Stadler.

Ladenburg: „Ich habe vollstes Verständnis für solche Maßnahmen, aber sie sollten einheitlich und unmissverständlich für alle gleich gelten“, findet Lydy Peters („Goldener Hirsch“). Tische und Barhocker habe sie bereits weiter auseinander gestellt. Es bestehe aber eine Unsicherheit: Im Fernsehen habe es doch am Montagabend geheißen, um 18 Uhr sei zu schließen. Im Südwesten gelte das bislang nicht, erklärte sie kurz bevor die Stadt ihre Allgemeinverfügung erließ. „Wir haben natürlich Einbußen“, schildert Peters ihre Situation und führt aus: „Wenn wir um 18 Uhr schließen, haben wir kaum Umsatz mehr.“ Doch rechne sie mit allem. „Sollte es auch noch zu Ausgangssperren kommt, stehen wir vor einer finanziellen Katastrophe.“

Schriesheim: Freundlich, aber bestimmt sagt der Bruder des Wirts der „Taverne Mykonos“ im Sportzentrum am Dienstagabend zum Reporter am Telefon: „Suchen Sie sich bitte einen Kollegen, der Lust hat, über dieses Thema zu reden.“ Doch das ist nicht einfach: In zwei Restaurants nimmt keiner den Hörer ab. Manche haben noch Ruhetag. Auf der Internetseite der Gaststätte „Zum Goldenen Hirsch“ heißt es: „Aufgrund der aktuellen Situation beliefern wir unsere Gäste in ganz Schriesheim zu Hause.“ Fazit: Die Gastronomie der Region ist im Kampf- und Krisenmodus.

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