Rhein-Neckar

Hirschberg Das ehemalige Restaurant in Leutershausen steht seit 2013 leer / Maklerin hält Wohnungen, Gewerbe oder Gastronomie für denkbar

„Goldene Krone“ steht zum Verkauf

Jemand hat einst die Jahreszahl 1686 in den dicken, hölzernen Balken geschnitzt; bei der letzten Renovierung wurde sie weiß getüncht und leuchtet jetzt zwischen den dürren Zweigen an der Hausecke. Zwar wird davon ausgegangen, dass das Gasthaus „Zur Goldenen Krone“ in der jetzigen Form um 1810 errichtet wurde, doch verweist die Jahreszahl auf eine noch ältere Bebauung. Fast die ganze Zeit über war das Lokal in Betrieb, zuletzt als italienisches Restaurant „Corona d’Oro“. Doch nachdem der Pächter 2013 aufhörte, wurde es still um das alte Haus.

Jetzt hat sich Eigentümerin Charlotte Egle zum Verkauf entschlossen und die Schriesheimer Immobilienmaklerin Eva Löweneck mit der Suche nach einem Käufer beauftragt. Sie führte unsere Zeitung durch die Räume, die jeder für sich ein Stück Ortsgeschichte erzählen.

Los geht es in der Gaststube: Hier steht noch das rot bespannte „Loriot-Sofa“, in der Mitte das altersschwarze Fass und gegenüber der Theke der Stammtisch, auf dessen Platte ein Eisernes Kreuz mit der Jahreszahl 1914 prangt. An der Wand hängt ein altes Plakat: Es erinnert an die Geschichte der Bierbrauerei, die eng mit dem Lokal verknüpft ist. 1879 nahm sie hier ihren Anfang – das „Förster-Bier“ wurde eine bekannte Marke, bald wurden für die Produktion größere Räume gebraucht.

Küche ist voll eingerichtet

1902 übernahm Karl Körper das Gasthaus; ihm folgten seine Tochter Gretchen und ihr Mann, der Braumeister Johann Egle. Hans Egle, der das Lokal bis 1994 mit seiner Frau betrieb, war der Sohn des Paars. 1990 ließ er größere Renovierungsarbeiten vornehmen, und noch immer sieht es hier so aus, als könnte es gleich weitergehen mit dem Gastro-Betrieb.

Die Küche ist voll eingerichtet, nebenan gibt es einen Lastenaufzug. Hinter einer Tür kommt ein rares Schätzchen zutage: Fast wie neu sieht sie aus, die verschnörkelte, gusseiserne Wendeltreppe, die vermutlich Ende des 19. Jahrhunderts eingebaut wurde. Sie ist nicht der einzige Weg in den ersten Stock; eine neue Treppe führt nach oben.

Immer wieder wurde in der „Krone“ an- und umgebaut, es gibt über ein Dutzend Zimmer, das Haus hat 537 Quadratmeter Wohnfläche, das Grundstück ist 642 Quadratmeter groß und öffnet sich hinter einem großen Holztor in einen kiesbestreuten Innenhof. Im neueren Anbau gibt es eine Wohnung mit Küche, Bad und Balkon, wo früher Angestellte lebten, während sich im Altbau der große Tanzsaal befindet, der im Lauf der Jahrhunderte unzählige Versammlungen, Hochzeiten, Familienfeiern oder Sitzungen von Vereinen wie dem MGV 1884 und dem Kleintierzuchtverband gesehen hat.

Was man wohl mit dem Haus anfangen könnte? „Es gibt viele Möglichkeiten“, sagt Löweneck: Wohnungen, Veranstaltungs- und Büroräume, eine „Eventgastronomie“, etwa für Hochzeiten, Gewerbe oder auch, wie früher, eine Gastwirtschaft. Vielleicht sei auch kommunaler Wohnraum denkbar, erklärt die Immobilienmaklerin. Jedenfalls wurde das Objekt auch der Verwaltung vorgestellt. Der Kaufpreis liegt bei 900 000 Euro.

Das Ensemble sei denkmalgeschützt, informiert Löweneck, was nicht zuletzt mit dem alten Gewölbekeller zu tun hat, der tief unter dem Haus liegt. Unter einer Lehmschicht am Boden lassen sich Sandsteinziegel erahnen, überall finden sich Relikte aus der langen Geschichte des Hauses. Wie die Weinflaschen: Von einer dicken Schicht Staub überzogen, lassen sich auf den Etiketten doch immer noch die Jahreszahlen lesen: 1955, 1965, aus Zeiten, als der Wein noch in Literflaschen abgefüllt wurde. Auch das ist ein Stück Ortsgeschichte.