Rhein-Neckar

Neckar-Bergstraße Hit von Ernst Neger Thema im Gottesdienst

„Heile, heile Gänsje“ hilft

Es war ein farbenprächtiges Bild am Fasnachtssonntag, wie es in Kirchen nur selten zu sehen ist. Unübersehbar war der bunte Aufzug der Fasnachter aus dem unteren Neckarraum, die sich unter ihrem Schlachtruf „InZabSchlabbKuKä“ zusammengefunden hatten, mit ihren Elferräten, Prinzessinnen und Prinzen. Ebenso zahlreich strömten auch die Christen aus den Gemein-den der katholischen Seelsorgeeinheit St. Martin und füllten die 600 Plätze der Kirche St. Andreas in Neckarhausen bis zum Rand.

„Auf die Idee, das Lied ’Heile, heile Gänsje’ zum Thema dieses Gottesdienstes zu machen, hat mich die Stieftochter von Ernst Neger, Almuth Laschefski, gebracht, die hier in Neckarhausen lebt“, sagte Diakon Albert Lachnit, der den Narrengottesdienst organisiert hatte.

Unterhaltsame Dialoge

Das Leben von Ernst Neger stand auch im Mittelpunkt des Prologs von Mathias Baier, Sitzungspräsident der Schlabbdewel. Dort erklang zum ersten Mal leise die erste Strophe des „Heile, Heile, Gänsje“. Im Wortgottesdienst erarbeiten Markus Miles, Albert Lachnit und Ulrich Bickhardt in mehreren unterhaltsamen Dialogen den historischen und theologischen Hintergrund des Liedes, welches dabei auch begeistert gesungen wurde. In den schweren Zeiten nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg spendete dieses Lied den Mainzern Trost und verlieh der Fastnacht so eine nachdenkliche Note. Trost sei ein urmenschliches Bedürfnis, das letzlich aber nur Gott stillen könne. Daher sage der Prophet Jesaja von Gott: „Ja, wie eine Mutter ihre Kinder tröstet, so tröste ich euch.“ So stecke in dem „Heile, heile Gänsje“ dreierlei: Ein altes Kinderlied, ein unverwüstlicher Fasnachtsschlager und der hintergründige tröstende Glaube, dass am Ende wirklich alles gut wird. Die Fürbitten wurden von Prinzessinnen und Prinzen in gereimter Form vorgetragen. Für die Kollekte erbat Pfarrer Miles großzügige Gaben für das Projekt von Caritas International in Afghanistan: „Nothilfe, Ernährungssicherung, Zugang zu Trinkwasser, medizinische Versorgung und Schaffung von kurzfristigen Jobs“. Die Eucharistiefeier wurde von der Zabbe-Combo, die den ganzen Gottesdienst begleitete, mit modernen Kirchenliedern umrahmt.

Nach der Kommunion hatte die Tanzgarde der Funken des KV Kummetstolle ihren großen Auftritt mit dem Schautanz Glück. Vom Glück der Fasnacht handelte auch die neue Strophe, die Almuth Laschefski für das von ihrem Stiefvater sooft gesungene Lied extra gedichtet hatte.

Unter den Händen des Diakons entstand beim Schlusswort aus einer kunstvoll gefalteten Zeitung überraschend ein Kreuz. „In diesem Kreuz“, so Lachnit, „liegt das Heil, das die ganze Menschheit erwartet. Wir müssen das nicht verstehen, aber, wir dürfen hoffen. Hoffen, dass einmal alles gut wird.“

Fromm und fröhlich

Den Auszug von Zelebranten, Ministranten und der bunten Narrenschar begleitete die begeisternd auf-spielende Zabbecombo mit dem Kurpfälzer Narrenmarsch: „Lieber Herrgott, glaub’ es mir, die schönste Fasnacht feiert man hier“. Dieser Meinung schlossen sich viele Mitfeiernde auf dem Kirchplatz an, auf dem Ministranten und Gemeindeteam mit Kaffee und selbst gebackenem Kuchen aufwarteten. Alexander Fleck, Senator der Schlabbdewel, hatte 600 „(Ernst-)Negerküsse“ gestiftet, die reißenden Absatz fanden. Manch einer bedauerte, dass man auf diese die Mischung von ausgelassener Fröhlichkeit und tiefer Frömmigkeit nun wieder zwei Jahre bis zum nächsten Narrengottesdienst warten müsse. red

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