Rhein-Neckar

Schriesheim Traditionsfest im Stadtteil Altenbach endet mit Verbrennen des Schlump und einer faustdicken Überraschung

Heiratsantrag für „Kerweparre“

Archivartikel

Auch wenn das junge Leben des schmucken „Kerweschlump“ Hans-Jörg nicht lange dauerte und er nach drei langen Tagen und noch längeren Nächten bei frostigen Wetter in den Kerwehimmel „befördert“ wurde, so gab es vor seinem letzten Gang bei der Altenbacher Kerwe doch einen Moment großer Gefühle.

Kurz bevor die Trauergemeinde mit „Kerweparre“ (Kerwepfarrerin) Ann-Christin an der Spitze mit ihren beiden Gesellen Selina und Malvin sowie Ortsvorsteher Herbert Kraus den friedlich Entschlafenen auf seinem letzten Gang begleitete, bekam Ann-Christin unvermittelt einen Heiratsantrag. Nein, es war nicht „Hans-Jörg mit Bindestrich“, der aus dem Kerwe-Himmel zurückkehrte.

Freund hat den Ring dabei

Ihr langjähriger Freund kniete vor seiner Angebeteten und fragte sie vor den Augen der gesamten Kerwegemeinde, ob sie sich vorstellen könne, mit ihm gemeinsam durchs Leben zu gehen. Dann reichte er ihr den Ring, und mit Tränen in den Augen nahm sie unter dem Applaus der ganzen Kerwegemeinde seinen Heiratsantrag an. „Das war einer der schönsten Kerweausklänge, die es hier je gegeben hat“, kommentierte gerührt der Ortsvorsteher Kraus.

Auch die gesamte Kerwegesellschaft freute sich mit ihrer Pfarrerin, doch sie musste auch eine Kröte schlucken: Nach drei Jahren im Amt tritt sie zurück. Ein Grund ist, dass sie nach der Heirat nicht mehr in Altenbach wohnen wird. Doch sie versprach, der Altenbacher Traditionskerwe weiter treu zu bleiben und künftig die Position eines Kerweburschen oder eines Mundschenks ausüben zu wollen. Ihr Nachfolger wird Kevin Zeberer, der in der Vergangenheit schon Kerwebursch war.

Mit allen Ehren wurde „Hans-Jörg mit Bindestrich“ den Flammen übergeben. Doch zuvor wurde er tüchtig abgeknutscht. Dann passierte noch ein lustiger Fauxpas: Bei der „Grabrede“ vergaß Ortsvorsteher Kraus den Namen des Dahingeschiedenen: „Wie heißt er noch mal?“ fragte er in die Runde der Trauernden. Bürgermeister Hansjörg Höfer meinte etwas mit Häme: „Ich weiß es, sag‘ es aber nicht“.

Danach bewegte sich der Trauerzug zum Festplatz, wo noch ausgiebig mit der „Garden-Party“ gefeiert wurde. Trotz des kalten Wetters – Samstag früh waren noch dicke Schneeflocken vom Himmel gefallen – waren die Organisatoren mit der Besucherzahl sehr zufrieden.