Rhein-Neckar

Neckar-Bergstraße Wer wegen Quarantäne oder aus anderen Gründen Unterstützung im Alltag benötigt, wird nicht alleine gelassen

Helfer stehen auch während des Teil-Lockdowns parat

Archivartikel

Es waren gute Nachrichten in schwierigen Zeiten: Als im März wegen des ersten Lockdowns das gesellschaftliche Leben heruntergefahren wurde, gründeten sich in der Region viele Hilfsinitiativen. Egal ob Einkäufe, andere Besorgungen oder kurze Gespräche – die häufig von den Städten und Gemeinden unterstützten Bündnisse halfen Bedürftigen unbürokratisch im Alltag. Wie sieht es jetzt aus, wo viele Geschäfte wieder schließen? Ein Überblick:

Ladenburg

Die mit dem ersten Corona-Lockdown im März ins Leben gerufene „Nachbarschaftshilfe Ladenburg“ sieht sich nach wie vor für ehrenamtliche Einsätze wie Einkäufe und Apothekengänge gerüstet: „Das Angebot besteht weiter, wird aber bisher im zweiten Lockdown noch nicht genutzt“, antwortet Alicia Amberger aus dem Kreis der Aktiven auf Anfrage dieser Redaktion. „Mit zunehmenden Infektionszahlen wird dieses Angebot reaktiviert“, bekräftigt zugleich Nicole Hoffmann als Referentin von Bürgermeister Stefan Schmutz. Wer Unterstützung benötige, ob beim Einkauf, Hund ausführen oder Rezept beim Arzt abholen, der möge sich bei der Telefonhotline der Nachbarschaftshilfe melden. Die Stadt unterstützt die Aktion. Die Bilanz der ehrenamtlichen Helfer zur ersten Aktion im Frühjahr: „Wir hatten viele Hilfsbereite und im Verhältnis dazu wenig Unterstützungsbedürftige, was aber vielleicht auch daran lag, dass Familien und Nachbarn sich oft direkt geholfen haben, und das wäre ja ebenso ein gutes Zeichen.“ Auf Initiative der Ladenburgerin Laura Sturm hatten neben Amberger auch Jennifer und Lucas Zimmermann, Sanda Besirevic sowie Sandra und Markus Weik Helfer um sich geschart.

Heddesheim

Auch die im Frühjahr gegründete Hilfsinitiative Heddesheim besteht noch und will nach Auskunft von Mit-Initiator Mario Münzer „auch aktuell wieder bestmöglich unterstützen und betreuen“. Anfragen infolge der neuen Kontaktbeschränkungen seien zwar noch keine eingegangen, aber auch im März/April habe es etwa zwei Wochen gedauert, bis sich die ersten Hilfesuchenden gemeldet hätten. Insgesamt waren es laut Münzer schließlich etwa 20 Menschen, die seinerzeit die Hilfe in Anspruch genommen haben. Ab Juni wurde es dann deutlich ruhiger. Drei Helfer seien gleichwohl auch im Sommer weiterhin im Einsatz gewesen, um im Wechsel eine Bürgerin im Alltag zu unterstützen. „Uns ist vor allem wichtig, dass die Menschen sich nicht schämen, fremde Hilfe anzunehmen und dass auch Personen mit wenigen finanziellen Mitteln verstehen, dass unsere Hilfe kostenfrei und ehrenamtlich erfolgt“, so Münzer. Aktuell seien etwa 25 aktive Helferinnen und Helfer registriert. Über die Facebook-Gruppe mit 168 Mitgliedern könnten aber noch weitere Menschen erreicht werden, die im Notfall Unterstützung leisten – ob bei Einkäufen oder sonstigen Erledigungen, als Fahrdienst, Gassi-Geher oder für Hilfen rund um den Haushalt. Auch, wer einsam ist und am Telefon mit jemandem reden möchte, könne sich gerne melden (Tel. 06203/673 18 69).

Ilvesheim

In Ilvesheim steht die während des ersten Lockdowns gegründete Nachbarschaftshilfe wieder bereit. Das teilte Mit-Initiator und Koordinator Thorsten Walther mit. „Wir glauben aber, dass Hilfe bei Einkäufen nicht mehr so stark vonnöten sein wird wie noch im Frühjahr“, sagt er. Vielmehr glaubt er, dass es jetzt Bedarf nach Gesprächen gebe – vor allem bei älteren Menschen: „Es ist eine dunkle Jahreszeit, viele Menschen fühlen sich einsam. Da wollen wir ein Angebot schaffen – natürlich unter Wahrung des Sicherheitsabstandes.“ Die Nachbarschaftshilfe wird von zahlreichen Akteuren getragen, aber maßgeblich von Walther, Jan Brüning und Bettina Rüger organisiert. In der aktuellen Zeit habe man besonders von der Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden profitiert, sagt Walther. „Diese haben mit dem Angebot für kurze Gespräche an der Haustür gute Erfahrungen gemacht.“ Wer Hilfe benötigt, kann sich direkt an die Nachbarschaftshilfe oder folgende andere Einrichtungen wenden: Seniorenbüro Ilvesheim, Bürgerhilfe, Evangelische Kirchengemeinde, Katholische Pfarrei, Awo, VdK.

Edingen-Neckarhausen

Etwa 130 Personen hatten sich im Frühjahr als Helfer angeboten, informiert Gemeindesozialarbeiterin Marita Kuxmann: „Diese Liste gibt es noch, und sie kann reaktiviert werden.“ Dass so großer Bedarf entsteht, bezweifelt die Rathausmitarbeiterin jedoch. Während des ersten Lockdowns hätten lediglich zwei Personen von dem Hilfsangebot Gebrauch gemacht. „Ich vermute, dass das Netzwerk unter Nachbarn gut funktioniert“, so Kuxmann. Darüber hinaus gebe es die ehrenamtliche Gruppe „Nachbarschaftshilfe Edingen-Neckarhausen“, in der sich etwa 15 Freiwillige – ganz unabhängig von Corona – engagieren und Hilfe bei Einkäufen oder anderen Erledigungen anbieten. Eine etwas höhere Nachfrage gebe es da derzeit nach Fahrdiensten, weiß Kuxmann und vermutet, es könne damit zu tun haben, dass die Menschen die Enge in Bussen oder Bahnen derzeit meiden möchten. Weitere Ehrenamtliche sind in der Nachbarschaftshilfe stets willkommen. Wer Hilfe benötigt, meldet sich bei der Rathausmitarbeiterin unter Telefon 06203/80 82 35.

Schriesheim

In der Weinstadt hatte sich im Frühjahr eine private Unterstützungsinitiative unter dem Namen „Schriesheim hilft“ gegründet. „Wir bestehen seither ununterbrochen“, erläutert deren Sprecherin, die Stadträtin Liselore Breitenreicher, dem „MM“. Dies auch deshalb, weil die Zahl der Helfer ausgesprochen komfortabel ist: „Wir verfügen über 70 Helfer“, berichtet Breitenreicher: „Und wenn es Hilfesuchende gibt, dann gibt es zumeist auch einen Helfer sogar in unmittelbarer Nähe.“ Derzeit sei die Nachfrage aber noch relativ gering. Im Frühjahr seien 15 Bürger versorgt worden – „vor allem ältere und solche, die gerade von einem Krankenhausaufenthalt nach Hause zurückgekehrt waren.“ Zu erreichen ist die Initiative über Liselore Breitenreichers Handy-nummer 0170/48 39 966 oder per Mail unter hilfe@schriesheim.de. „Diese Mail läuft dann zwar bei der Stadt auf, wird aber an uns weitergeleitet“, versichert Breitenreicher. pj/agö/tge/-tin

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