Rhein-Neckar

Hirschberg Gelungener Auftakt des Schlemmerkinos / Französische Komödie um einen eitlen Geschäftsmann und eine Frau im Rollstuhl

Hochgenuss für Gaumen und Augen

Archivartikel

Jetzt beginnt der richtige Marathon des Lebens für ihn: Der erfolgreiche Geschäftsmann Jocelyn, gespielt von Franck Dubosc, kämpft mit sich. Eigentlich sollte der durchtrainierte Frauenheld locker die Strecke in Paris überstehen. Aber er stolpert, weil sich in seinem Kopf und in seinem Herz alles nur um die Liebe dreht und er sich nicht auf den Laufsport konzentrieren kann.

Kurz vor dem Ziel bricht er zusammen und liegt am Boden. Da kommt, pardon, da rollt ihm seine große Liebe entgegen. Die blonde Florence, gespielt von Alexandra Lamy, nimmt ihn auf den Schoß und rollt mit ihm durchs Ziel. Das Ende der französischen Komödie beim Herbst-Schlemmerkino ist einfach perfekt – ein Film für Verliebte. Und natürlich für Freunde des guten Geschmacks. Für das Ganze sorgt der Verein „Verbindung kultureller Genüsse“, hinter dem sich das Café Erdmann, Feinkost Wetzel, Hotel „Krone“ und das Weingut Teutsch verbergen. Zum „perfekten Dinner“ im erneut ausverkauften Olympia-Kino gehören seit Jahren Freddy Wonder and Friends. Zum Schlemmerkino-Start am Montagabend gab es eine Premiere, nämlich neue Musiker wie Saxofonist Michael Steiner (Stoni) und Keyboarder Markus Schramhauser (Schrame, Gründungsmitglied der deutschen Ska-Legende „The Busters“). Vierter im Bunde war Bassist Gigu Neutsch.

Didgeridoo-Musik

Das Wort „Feuer“ im Johnny-Cash-Lied „Ring of Fire“ passte recht gut zu den Außentemperaturen. Denn „Feuer“ wünschte sich so mancher Gast, als er mit seinem Häppchen „Lauch und Blätterteig“ sowie einem Gläschen Schlemmerkino-Brause vor dem Gebäude stand. Denn es war kalt. Noch zwei weitere Titel vor der Eingangstür und Freddy and Friends verlagerten ihr Konzert ins kuschelige Kino. Vorbei am Stand von Johannes Teutsch, der ein Weinglas mit Silvaner Kabinett halbtrocken aus dem Jahr 2016 reichte, setzten sich die Fans dieser Schlemmerreihe in die gemütlichen roten Kinosessel. Monika Erdmann und ihr Mann Klaus blickten zufrieden in den Saal: „Alle zwölf Vorstellungen sind ausverkauft“. Vor allem die Servicekräfte waren jetzt gefragt, um die Essen an die Plätze zu bringen.

An der Rückwand leuchtete die Welt auf. Saxofonist Steiner wechselte sein Instrument und spielte sphärische Klänge mit einem Didgeridoo. Das Lied handelte von der „Wundervollen Welt (Wonderful World)“. Da Liebe bekanntlich durch den Magen geht, servierte Feinkost Wetzel erst einmal eine cremige Erbsensuppe mit Jakobsmuscheln, dazu einen 2016 Spätburgunder trocken Kabinett von Teutsch. Freddy and Friends sangen von Hannes Wader „Wiedersehen“ und mit Zucchero tauchten sie in die gefühlvolle italienische Welt ab. Alexander Koch, Koch im Hotel „Krone“, wählte als Hauptspeise „Gebratene Poulardenbrust mit französischem Schmorgemüse“. Bandleader Freddy lieferte mit den Songs nicht nur einfache Kost. Das Lied „What a Wonderful World“ von Louis Armstrong und Sam Cooke verpackte er in eine nachdenkliche Botschaft an alle: „Denkt dran, wir haben nur eine Erde“.

Es läuft. Ganz im Gegensatz zum eitlen, egoistischen Manager einer Sportschuhfirma in der französischen Komödie „Liebe bringt alles ins Rollen“. Wieder mal sucht Jocelyn eine neue, weibliche Trophäe. In der Wohnung seiner verstorbenen Mutter setzt er sich eher zufällig in den Rollstuhl und kramt in alten Fotos herum. Die attraktive Nachbarin Julie, (Caroline Anglade) kommt in die Wohnung und sieht ihn im Rollstuhl sitzen. Da kommt ihr eine Idee, denn auch ihre Schwester, die begnadete Virtuosin und Tennisspielerin Florence, ist an den Rollstuhl gefesselt. Es entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte, bei der sich der notorische Lügner Jocelyn nie traut, die Wahrheit zu sagen und einfach aufzustehen. Er versucht es immer wieder, fährt sogar nach Lourdes, um ein Wunder „herbeizubeten“. Florence lässt ihn machen, genießt sie doch die Stunden der Zärtlichkeit und Liebe mit ihm. Als Jocelyn sie vor dem sicheren Tod bewahrt, steht dem Happy End nichts mehr im Wege. Aber es dauert noch bis zum Marathonrennen in Paris.

Süß ging der Abend auch für die gut 120 Kinogäste zu Ende: Das Café Erdmann servierte gegen 22.30 Uhr ein „Duo con chocolat & vanille an Aprikosen Coulis“. hr