Rhein-Neckar

Schriesheim Gemeinderat billigt Ankauf des Hauses in der Carl-Benz-Straße zur Anschlussunterbringung

Höfer beklagt zu wenig privaten Wohnraum für Flüchtlinge

Archivartikel

Ungeachtet des deutlichen Rückgangs der Zahl der Flüchtlinge bleibt ihre Unterbringung eine wichtige Aufgabe für die Kommunen. Um diese erfüllen zu können, wird die Stadt Schriesheim ein Gebäude in der Carl-Benz-Straße im Gewerbegebiet erwerben, um 40 Plätze zur Verfügung stellen zu können. In seiner Sitzung am Mittwochabend stimmte der Gemeinderat dem zu.

Zur Anschlussunterbringung werden die Flüchtlinge den Gemeinden gemäß ihrer Bevölkerungszahl vom Landratsamt zugewiesen. Waren es in Schriesheim 2012 sechs Personen, so stieg die Zahl 2016 auf 54 Personen und 2017 nochmals auf 141. Eine Prognose für 2018 gebe es noch nicht, so die Integrationsbeauftragte Isabel Herschel. Doch man müsse mit einer Steigerung rechnen.

Dabei nicht berücksichtigt ist die mögliche Unterbringung Obdachloser. "Bei einer Zwangsräumung sieht es schlecht aus", so Herschel.

Aktuell leben 55 Flüchtlinge im Rahmen der "Anschlussunterbringung" in Schriesheim, für rund 50 weitere Personen stehen Kapazitäten zur Verfügung. Allerdings bleibt eine Lücke von 40 Plätzen, die noch nicht bereitgestellt werden können.

Daher fiel der Blick der Verwaltung auf das Gebäude in der Carl-Benz-Straße 23. Ab 2015 wurde es vom Kreis als Unterkunft zur vorläufigen Unterbringung von Flüchtlingen genutzt, wird jedoch seit Januar wegen des Rückgangs der Zuzugszahlen dafür nicht mehr benötigt. Aus diesem Grunde will das Landratsamt den Mietvertrag mit dem privaten Eigentümer kündigen.

Für die Stadt ideal, die das Gebäude gerne erwerben möchte, um es für die Anschlussunterbringung zu nutzen. Immerhin könnten 40 Menschen untergebracht werden.

Allerdings muss das Gebäude zu diesem Zweck erst umgebaut werden. Denn die Anschlussunterbringung soll nicht in Wohnheim-Form, sondern in Wohnungen erfolgen, konkret in Zwei-Personen-Haushalten mit eigener Küche und Dusche statt der Gemeinschaftsduschen.

"Nicht um jeden Preis"

Der Gemeinderat zeigte eine generelle Bereitschaft, das Gebäude zu erwerben, aber mit der Einschränkung "nicht um jeden Preis", wie es in den Wortmeldungen hieß.

Fadime Tuncer (Grüne) begrüßte den Vorschlag der Verwaltung. Ihre Bedenken waren, dass sich das Haus in einem Gewerbegebiet befindet und somit nur zeitlich begrenzt für Wohnzwecke genutzt werden dürfe. Ebenso kritisierte sie die Kostenberechnung, die sie als nicht aufschlussreich genug erachtete. "Das Ausmaß des Umbaus ist nicht voraussehbar", kritisierte sie.

Auch Daniel Schneegaß (CDU) stand dem Vorschlag positiv gegenüber: "Das Objekt soll nicht weiter leer stehen". Allerdings forderte er, mindestens eine Wohneinheit auch für Obdachlose frei zu halten und auch weiterhin privaten Wohnraum im gesamten Stadtgebiet zu suchen.

Wie die Freien Wähler, so zeigte auch die SPD grundsätzlich Zustimmung. Allerdings erachtete Marco Ginal die Lage als nicht optimal: "Wir stecken viel Geld in den Umbau des Objektes, und keiner weiß, wie die langfristige Nutzung aussieht." Die Stadt forderte er zu verstärkter Suche nach privatem Wohnraum auf.

Dafür sah Bürgermeister Hansjörg Höfer geringe Chancen: "Privater Wohnraum ist kaum vorhanden, und die Bereitschaft, ihn an Flüchtlinge zu vermieten, begrenzt."