Rhein-Neckar

Neckar-Bergstraße Proteste in den Kirchengemeinden begleiten Marienmonat / Positive Rückmeldungen und Kontroversen

Katholische Frauen kämpfen nach Aktion „Maria 2.0“ weiter

Die Frauen wollen nicht mehr ruhig sein. Sie feierten die Maiandacht nicht in der Kirche, sondern auf einer Wiese hinter dem Gemeindezentrum. „Manche“, sagt Pfarrsekretärin Angelika Reinl, „haben sich darüber furchtbar geärgert und sind ganz normal in den Gottesdienst gegangen. Die anderen sind mit den Frauen draußen geblieben.“ Es war eine der Protestaktionen, die die katholischen Frauen (kfd) in der Seelsorgeeinheit St. Martin initiierten, zu der die Pfarreien von Edingen, Neckarhausen, Seckenheim und Friedrichsfeld gehören.

Im Rahmen eines bundesweiten Kirchenboykotts und mit der Aktion „Maria 2.0“ wandten sich im Marienmonat Mai zahlreiche Frauengruppen an die Öffentlichkeit, um gegen die Machtstrukturen in der katholischen Kirche zu protestieren. Hauptsächlich in der zweiten Maiwoche wurden Veranstaltungen organisiert, die bewusst außerhalb der Kirchen stattfanden. Die Sekretärin von St. Aegidius Seckenheim, die zwar nicht an den Protesten teilnahm, sie aber mitverfolgte, sieht die Katholikinnen der Seelsorgeeinheit als „federführend im Dekanat“. Ihrem Stuhlkreis auf der Wiese, gruppiert um eine Marienstatue, hätten sich einige Neugierige angeschlossen: „Viele wussten erst gar nicht, um was es ging.“

Aufhebung des Zölibats

In Ilvesheim, so berichtet kfd-Sprecherin Anni Wawra, konnten die Frauen aus Termingründen keine eigenen Proteste starten. Allerdings initiierten sie im vergangenen Jahr die Aktion „Macht Licht an“: Mit Taschenlampen strahlten sie das Kirchengebäude an, um auf die Missbrauchsfälle innerhalb der Kirche aufmerksam zu machen. Inhaltlich sind sie auf einer Linie mit den Anhängerinnen von „Maria 2.0“, denen es ebenfalls um Aufklärung der Verbrechen geht; daneben fordern sie Zugang zu allen Kirchenämtern und die Aufhebung des Pflichtzölibats.

„Unsere Mitglieder“, sagt Wawra, „haben sich den Protestaktionen in anderen Gemeinden angeschlossen.“ Im Vorfeld der Mitgliederversammlung am 7. Juli wollen die kfd-Vorstände nun klären, ob es vor Ort eigene Veranstaltungen geben soll.

In Schriesheim, sagt die dortige kfd-Sprecherin Brigitte Aurand, sei der Anstoß aus Dossenheim gekommen, das zur Seelsorgeeinheit gehört. Dort fanden ebenfalls parallel zum Gottesdienst „Wortgottesdienste“ vor der Kirche statt, also Veranstaltungen mit Gebet und Gesang, aber ohne Eucharistie – das Abendmahl ist in der katholischen Kirche ein Element der Liturgie, das einen geweihten Priester erfordert.

In Schriesheim gab es eine Mittwochs- und eine Mai-Andacht im Freien. Auf einem Banner, das vor dem Pfarrer-Eberhard-Platz gespannt war, stand: „Wir bleiben draußen.“ Zudem blieben die weiblichen Mitglieder einer Kirchengemeinderatssitzung fern; weil nur drei oder vier Männer da waren, sei die Versammlung nicht beschlussfähig gewesen, so Aurand. In zwei Gottesdiensten stellten die Frauen ihr Anliegen dar, sagt sie: „Die Leute sollten sich einmal vorstellen, wie es hier wäre ohne die Frauen.“

Sie freut sich, dass die Gruppe Rückendeckung von Pfarrer Ronny Baier hat. „Ich hoffe“, erklärte der Geistliche in einer Predigt, „dass sich die Frauen in der Kirche immer mehr ihrer Würde bewusst werden und ihr Schweigen überwinden.“ Aurand will die Aktionen nicht als Streik sehen. Sie weiß, dass sich die Frauen in der Kirche zuhause fühlen und wollen, dass sie sich ändert. Sie habe im Anschluss viele positive Rückmeldungen bekommen. Nun werde überlegt, wie es weitergehen soll.

Gespräche mit den Dossenheimer Frauen sollen geführt werden und auch mit anderen aus dem Dekanat. Weitergehen soll es, findet sie, denkt, dass die Frauen den Finger in die Wunde legen sollten: „Da wollen wir nicht mehr ruhig sein.“ Denn die Frauen seien nicht nur „Schaffer“, sondern auch geistige Träger der Gemeinde.