Rhein-Neckar

Atommüllendlager Dr. Andre Baumann zum Standortauswahlgesetz / Oberrheingraben fällt heraus

„Keiner darf sich hier wegducken“

Archivartikel

Schwetzingen/Region.Das Atomzeitalter endet Schritt für Schritt. Das wird auch in der Kurpfalz sichtbar. Am 31. Dezember 2019 wurde der zweite Block des Kernkraftwerks Philippsburg abgeschaltet und bereits am 14. Mai 2020 wurden die beiden Kühltürme des Kraftwerks gesprengt. Ein weiterer Schritt des Atomausstiegs folgte nun am 28. September: Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat den Zwischenbericht nach dem Standortauswahlgesetz vorgestellt, in dem Teilgebiete ausgewiesen sind, die sich aus geologischer Sicht grundsätzlich für ein Endlager eignen könnten. Rund 54 Prozent der Fläche Deutschlands wurden von der BGE als Teilgebiete für die weitere Suche benannt.

„Wir brauchen ein Endlager für den Atommüll in Deutschland – ganz klar. Ziel ist es, den bestmöglichen Standort zu identifizieren. Bei der Suche nach dem Endlager ist alleine die Geologie entscheidend und nicht die Geografie alleine und nicht die Politik“, sagt Dr. Andre Baumann, Landtagskandidat der Grünen für den Wahlkreis Schwetzingen. Das Prinzip „Geologie vor Geografie“ habe Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) geprägt und im Länderkonzert durchgesetzt, heißt es weiter in einer Pressemitteilung Baumanns. Im nationalen Endlager muss hoch radioaktiver Atommüll, der in den deutschen Atomkraftwerken angefallen ist, für rund eine Million Jahre eingeschlossen werden. Nach dem Standortauswahlgesetz kann ein Endlager in Kristallin, Ton- oder Salzgestein in einer Tiefe von 400 bis 1500 Metern errichtet werden. Geplant ist, den Endlagersuchprozess im Jahr 2031 abzuschließen.

Das Suchverfahren ist in einem nationalen Konsens beschlossen von Bundestag worden – mit dem Standortauswahlgesetz. Der Suchprozess ist streng wissenschaftlich und transparent, er beinhaltet zahlreiche Elemente der Öffentlichkeitsbeteiligung und unterliegt der parlamentarischen Kontrolle.

Geologisch geeignete Flächen

„Nur so kann die schwierigste Standortsuche in der deutschen Geschichte gelingen“, sagt der ehemalige Umweltstaatssekretär Baumann. Hier dürfe sich kein Bundesland wegducken, weil es den Atommüll nicht wolle. Dies versuche gerade die bayerische Landesregierung. Baumann: „Bayerischer Granit ist grundsätzlich genauso für ein Endlager geeignet wie Granit anderer Bundesländer und kann nicht von vornherein ausgeschlossen werden.“ Und: „Natürlich gibt es auch in Baden-Württemberg geologische Formationen, die sich grundsätzlich für ein Endlager eignen können“, erklärt Baumann. Rund die Hälfte des Bundeslandes weise eine grundsätzlich geeignete Geologie auf: Gebirge mit Kristallingestein oder mächtige Tonschichten. In der anderen Hälfte des Landes fehlt diese Geologie oder ist aus anderen definierten geologischen Gründen auszuschließen, weiß der Experte. Nach den im Standortauswahlgesetz genannten Ausschlussgründungen (§22 StandAG) fällt beispielsweise der Oberrheingraben aus der weiteren Suche nach einem Endlager heraus, weil dieser tektonisch aktiv ist, verdeutlicht Baumann.

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung informiert auf ihrer Homepage über den Zwischenbericht. Weiterhin sind in den nächsten Wochen und Monaten vier Fachkonferenzen geplant, auf denen Bürger Fragen stellen können. zg/Bild: Grüne

Info: Weitere Infos und Karten unter: https://www.bge.de/de/endlagersuche/zwischenbericht-teilgebiete/