Rhein-Neckar

Ladenburg Offene Bühnenshow "Kunst gegen Bares" erzielt Rekord / Kommende Auflage am 15. Dezember mit Lokalmatador "Jay" Thunn in der Pflastermühle

Künstler aus Remagen neue "Kapitalistensau"

Archivartikel

Wer ist eigentlich der Bi-Ba-Butzemann? Seit Amir Shabazz Vater geworden ist und mit dem Kleinen Kinderlieder anhört, beschäftigen ihn solche Fragen: Warum sollte ein Männlein "ganz still und stumm" im Walde stehen? Auch bei seiner Analyse von "Hoppe, hoppe Reiter" hat das Publikum in der ausverkauften "Pflastermühle" des Ladenburger Kultur- und Jugendzentrums "Kiste" großen Spaß.

Der Stand-Up-Comedian aus Frankfurt ist der erste von insgesamt sieben Künstlern an diesem Abend aus der Reihe "Kunst gegen Bares" (KGB). Seit 2014 ist diese herrlich schräge Kleinkunstshow mit Moderator Jens Wienand aus Mannheim auch in der Römerstadt zu Hause.

Auf der für alle möglichen Genres offenen Bühne ist jeweils maximal zehn Minuten fast alles erlaubt. Wer langweilt, erhält nur einen "5-Cent-Applaus", wie Wienand das bei der Einführung nennt. Es sind nämlich neben Stammgästen auch Neulinge unter den am Ende allesamt begeisterten Zuschauern. Diese küren stets den besten Künstler des Abends zur "Kapitalistensau", indem sie dessen Sparschwein neben der Bühne mit Geld befüllen. Die Stärke des Beifalls gilt als Gradmesser für die zu erwartende Großzügigkeit.

Und "Butzemann" Amir, einer der KGB-Sieger von 2015, legt demnach kräftig vor: Mit Gags der Marke "Wir Muslime haben einen Imageschaden - nur VW weiß, was wir durchmachen" erzielt der Komiker Zustimmung auf höherem Silbermünzen-Niveau. Danach hat es ein sanfter Liedermacher wie Kevin Moschner naturgemäß nicht so leicht. Der Weinheimer erweist sich aber als versierter Gitarrist, Mundharmonikaspieler sowie Sänger und hört Mut machenden Applaus. Das ist es, was KGB-Fans schätzen: Abwechslung und Überraschung.

Für letztere sorgt auch Moderator Wienand gekonnt: zum Beispiel mit spontan gedichteten Songs, die sich aus der Kommunikation mit dem Publikum ergeben. In Pianist Joe Weis, zugleich einer der Aktiven des gastgebenden "Kiste"-Trägervereins (KTV), findet Wienand auch diesmal

wieder einen kongenialen Partner. "Wir haben ein tolles Niveau", so Alexander Schmitt (KTV).

Den Höhepunkt vor der Pause bestreitet der Künstler mit der weitesten Anreise: Simon Slomma aus Remagen plaudert selbstsicher, singt humorvoll und reflektiert ebenso klug wie kritisch den Zeitgeist. Umwerfend: HipHop-Lieder wie "Liebeskummer 2.0".

Es folgt Beifall, der auf vielfachen Willen schließen lässt, Geldscheine zu zücken. Und so ist es auch: der 28-jährige Schauspieler, Comedian und Musiker gewinnt.

Der grandios selbstironische Mainzer Poetry-Slammer Lenny Felling schiebt sich noch vor Amir Shabazz auf Platz zwei. Da auch Julien Appler (Slam-Poetry), Advan (Top-Singer/Songwriter) und "Kinn-Kong"-Komiker Denis Matus (alle Mannheim) zu gefallen wissen, kann Wienand einen Rekord verkünden: Insgesamt 450 Euro stecken in den Sparschweinen.

Das setzt Maßstäbe für KGB am Freitag, 15. Dezember, wenn mit "Jay" alias Jürgen Tunn auch ein Ladenburger Liedermacher auftritt.