Rhein-Neckar

Ladenburg Bürgermeister Stefan Schmutz und Veranstalter Franz Kain uneins über die bekannte Veranstaltungsreihe / Ab 2019 Programm im Benz-Museum?

„Kultur im Domhof“ vor dem Aus

Archivartikel

Steht die Veranstaltungsreihe „Kultur im Domhof“ vor dem Aus? „Davon muss ich ausgehen“, sagt Franz Kain. Wie der Chef der Weinheimer Agentur „VoiceArt“ als Veranstalter mitteilt, habe er dazu bis heute nichts mehr aus dem Rathaus gehört. Bürgermeister Stefan Schmutz erklärte gegenüber dem „MM“ seinerseits Ähnliches: „Nach unserem Kenntnisstand hat die Veranstaltungsagentur VoiceArt kein weiteres Interesse an der Fortsetzung der Veranstaltungsreihe.“ Die Stadtverwaltung stehe einer Zusammenarbeit jedoch weiterhin offen gegenüber.

Es erscheint unwahrscheinlich, dass sich die beiden zusammenraufen. Wie Kain erklärt, sei dieses Thema für ihn erledigt, denn „mehr als anrufen und bei den Mitarbeiterinnen um Rückruf vom Bürgermeister zu bitten, kann ich nicht machen.“

Kain würde aber auch einen neuen Vertrag mit der Stadt, wie er Schmutz offenbar vorschwebe, nicht unterschreiben, wie er betont: „Ich biete Kultur und soll nun auch noch Geld mitbringen?“ Kain will stattdessen mit seinen Programmen ab 2019 am liebsten wieder ins private Automuseum Dr. Carl Benz von Winfried C. Seidel zurückkehren.

Keine Miete vereinbart

Hintergrund: Der alte Vertrag, den Kain 2016 mit dem damaligen Bürgermeister Ziegler abgeschossen hatte, war nur auf ein Jahr befristet. Zieglers Nachfolger Stefan Schmutz soll Kain, so berichtet dieser, zu verstehen gegeben haben, dass er diesen Vertrag so nicht unterschrieben hätte und so auch nicht verlängern könne. Danach habe sich der Bürgermeister nicht mehr gemeldet. Bis heute habe er, Kain, keinen neuen Vertragsentwurf erhalten.

Der springende Punkt: Kain musste bislang für den Domhof keine Miete zahlen. Für diese Entscheidung hatte sich Ziegler im Gemeinderat Kritik anhören müssen. Dennoch: Die Agentur „VoiceArt“ führte ab Anfang 2017 Regie bei der somit wiederbelebten Kulturreihe, die im Sommer auch zwei Freiluftauftritte umfasste. „Ziegler hat erkannt, dass wir voll ins Risiko gehen“, sagt Kain und erklärt: „Wir hatten großen technischen und logistischen Aufwand bei minimalem Gewinn.“

Und wie denkt Schmutz über diese Frage? „Die Stadtverwaltung sieht sich verpflichtet, bei kommerziellen Veranstaltungen darauf zu achten, dass neben der Saalmiete auch eingebrachte Dienstleistungen, beispielsweise durch Bauhofmitarbeiter, Hausmeister und Reinigungskräfte, vom Veranstalter getragen und nicht der Allgemeinheit zur Last gelegt werden.“ Man sei jedoch bereit, neben einem „niedrigen Fixpreis die weiteren Mietkosten an den Erfolg der Veranstaltung zu koppeln“, um das wirtschaftliche Risiko für den Veranstalter zu minimieren.

„Dieser Vorschlag wurde aber nicht angenommen beziehungsweise eine Rückmeldung steht bis heute aus“, so Schmutz. Kurios: Kain wartet ebenso auf Rückmeldung. Er zeigte sich auch „enttäuscht“, dass Schmutz keine der Veranstaltungen besucht habe. Im Sommer 2017 verlegte Kain „auf Wunsch der Stadt“ die Auftritte der Folkrockgruppe Simon & Garfunkel-Revivalband und des Kabarettisten „Chako“ Habekost vom Benzpark in den Bischofshof. Diese Idee der damaligen Rathausmitarbeiterin Ella Martin galt als vielversprechende Weiterentwicklung des Freiluftkonzeptes, das Kain schon ab 2015 mit Stadt und Automuseum aufgelegt hatte. Das Open Air im Bischofshof habe Schmutz auch ausbauen wollen, so Kain. Knackpunkt: Kain kann sich nicht mit einer deutlich höheren Platzmiete anfreunden, zumal es von der Stadt in bestimmten Fragen im Gegensatz zu Städten wie Weinheim zu wenig Unterstützung gebe.

„Herr Schmutz geht offenbar davon aus, dass wir großen Gewinn machen“, so Kain. Dabei habe das Bischofshof-Event einen „Riesenaufriss“ bedeutet. Und mit Ausnahme des „Spitzklicker“-Auftritts sei „keine Veranstaltung im Domhof ausverkauft“ gewesen, sagt Kain.

„Ladenburg steht für Kunst, Kultur und Genuss“, sagt Schmutz. Entsprechend „bedauerlich“ sei diese Entwicklung. Gleichwohl verfüge die Stadt trotz eines Wegfalls dieser Reihe auch zukünftig über ein „vielseitiges und großartiges Angebot an kulturellen Veranstaltungen.“