Rhein-Neckar

Kunst im öffentlichen Raum

Brunnen, Skulpturen, Objekte: An vielen Stellen in der Region ist Kunst zu finden. Häufig entsteht Kunst am Bau, so wie zuletzt in Schriesheim bei der Entwicklung des Geländes rund um den früheren OEG-Bahnhof. Hier plätschert jetzt das Wasser unter einer gewaltigen Skulptur aus Stahl und ergänzt so die moderne Architektur im Umfeld.

Es gibt Kunst, die ist auf den ersten Blick gar nicht als solche zu erkennen. Zum Beispiel in Ladenburg der Landungssteg des Frankfurter Künstlers Claus Bury. Im November 2004 schwebte der 24 Tonnen schwere Koloss aus Stahl und Holz an der Neckarwiese ein, wo es seitdem weithin sichtbar steht. Als neues Erkennungszeichen für die „Marke Ladenburg“, wie es Bürgermeister Rainer Ziegler damals formulierte. Ladenburg werde damit für die Neckarschiffe das „Tor zu Heidelberg“, sagte der Künstler bei gleicher Gelegenheit.

Mit dieser architektonischen Skulptur wurde zugleich ein Herzstück der kleinen Gartenschau, die Festwiese am Wasserturm und die Neckarpromenade, gekrönt. „Eine wirklich spektakuläre Skulptur“, schwärmte Franz Schmaderer, der Leiter des ABB-Forschungszentrums in Ladenburg, das das 100 000 Euro teure Kunstwerk zu einem Viertel finanzierte. Kunst hin oder her: Für Spaziergänger ist der Steg vor allem eine schöne Gelegenheit, hoch oben über dem Wasser in den Neckar zu blicken.

Ein Blickfang sind hingegen die verschiedenen Kunstwerke, die auf Kreiseln in der Region stehen. Viele von ihnen hat der in Heddesheim geborene Künstler Kurt Fleckenstein geschaffen. Die Welle in Ilvesheim, das Benz-Dreirad in Ladenburg und das Eingangstor im Heddesheimer Gewerbegebiet. Um diese Werke aus Stahl hatte es in den vergangenen Jahren Diskussionen gegeben, ausgelöst durch einen Erlass des baden-württembergischen Verkehrsministeriums im Jahr 2011. Darin waren die Regierungspräsidien aufgefordert worden, die Verkehrssicherheit von Kreisverkehrsplätzen zu überprüfen. Landesweit wurden daraufhin Kreisverkehre kontrolliert – und einige Kunstwerke mussten von den Inseln weichen. Doch die Gemeinden wehrten sich. Auch der Künstler selbst, für seine provokanten Aktionen bekannt, setzte ein Zeichen: Im November 2012 verhüllte Kurt Fleckenstein aus Protest sein Kreiselkunstwerk in Heddesheim. Fünf Tage lang erinnerte das Tor unter schwarzem Tuch mit weißem Kreuz an einen riesigen Sarg. Gestorben ist es am Ende trotzdem nicht. Aber verkehrstechnische Nachbesserungen musste die Gemeinde vornehmen lassen, und das kostete stolze 20 000 Euro.

Hart traf es auch die Gemeinde Ilvesheim. Bodenstrahler setzten seit 2007 das Kunstwerk auf dem Heinrich-Vetter-Kreisel ins rechte Licht. Doch 2013 schaltete das Landratsamt per Verordnung die Lichter aus – quasi über Nacht.

Bewegte Kunstwerke sind das Markenzeichen des Ladenburger Kinetikers Hans-Michael Kissel. Einen besonderen Platz hat sein Baum erhalten, der wie die Bury-Skulptur im Zusammenhang mit dem Grünprojekt 2005 montiert wurde, nahe der Autobahn A 5, wo ihn täglich viele tausend Menschen vom Auto aus sehen können.

Doch Kunst ist auch vergänglich, wie das Beispiel des Brunnens vor dem Rathaus in Schriesheim zeigt. Entstanden war das Werk zu Beginn der 1970-er Jahre mit dem Neuen Rathaus, quasi als Kunst am Bau. Das Wasser sollte von oben nach unten in immer breiter werdende Becken sprudeln, doch so richtig funktioniert hat das nie. Und so war die Stadt dankbar, dass der Brunnen im Februar 2017 auf Kosten der Volksbank Kurpfalz abgerissen wurde, die den Platz für eine provisorische Filiale benötigte. So richtig ins Herz geschlossen hatten die Schriesheimer das als „hässliches Entlein“ verrufene Werk ohnehin nie. Vielleicht wird das mit dem neuen Brunnen am Schillerplatz ja anders. Dessen Gestaltung ist nicht das Werk eines Künstlers, sondern geht auf die Idee eines Bürgers zurück.