Rhein-Neckar

Landrat nach Brand mit fünf Toten in Lambrecht: "Die gesamte Region ist erschüttert"

Archivartikel

Lambrecht.Eine Brandkatastrophe in einem Wohnhaus der pfälzischen Kleinstadt Lambrecht hat in der Nacht zum Freitag fünf Menschen das Leben gekostet. Zwei von ihnen sind Männer aus Polen im Alter von 43 und 54 Jahren, wie Staatsanwaltschaft und Feuerwehr mitteilten. Klarheit zur Identität der übrigen drei Toten - zwei Frauen und ein Mann - und zur genauen Todesursache soll eine Obduktion bringen, die für nächste Woche angesetzt wurde.

In dem abgewohnt wirkenden, vierstöckigen Haus am Ortsrand des Stadtteils Frankeneck waren nach Behördenangaben 23 Menschen gemeldet. Den übrigen Bewohnern des Mehrfamilienhauses gelang in der Nacht zum Freitag rechtzeitig die Flucht ins Freie. Sie kamen fürs erste bei Verwandten und Bekannten unter. Für sie sollen nun Wohnungen organisiert werden, in denen sie vorläufig unterkommen können.

Als Brandursache wird ein technischer Defekt oder Fahrlässigkeit vermutet. Hinweise auf eine Einwirkung von außen gab es zunächst nicht. Mit konkreten Ermittlungsergebnissen ist nach Angaben von Staatsanwaltschaft und Polizei erst in der nächsten Woche zu rechnen.

Die fünf Toten wurden laut Feuerwehr im Schlafzimmer der Dachgeschosswohnung gefunden. Nebenan lag die Küche, in der das Feuer vermutlich ausbrach. Als die Feuerwehrleute rund eine halbe Stunde nach ihrem Eintreffen an dem Haus durch den Rauch und die enorme Hitze zu dem Zimmer vordringen konnten, fanden sie dort nur noch die leblosen Körper vor.

Ein Sprecher der Feuerwehr sagte, nach bisherigen Erkenntnissen habe es in der Wohnung keine Rauchmelder gegeben. Das müsse aber nun ein Gutachter genauer untersuchen.

 Landrat: "Sollten uns vor Spekulationen hüten"

Hans-Ulrich Ihlenfeld, Landrat des Kreises Bad Dürkheim, sprach von einem tragischen Unglück. „Die gesamte Region ist erschüttert“, sagte er bei einer Pressekonferenz der Freiwilligen Feuerwehr Lambrecht. „Unsere Gedanken sind bei den fünf Toten und ihren Angehörigen.“ Die Kreisverwaltung werde sich bei den Ermittlungen einbringen, etwa was die Untersuchung des Gebäudes und des Brandschutzes betreffe. „Für viele Fragen ist es jedoch noch zu früh. Wir sollten uns vor Spekulationen hüten“, sagte er mit Blick auf die möglicherweise nicht vorhandenen Brandmelder in der Wohnung.

Feuerwehrleute werden psychologisch betreut

Die Feuerwehr war nach eigenen Angaben vier Minuten nach dem Alarm bei dem Haus. Mieter hätten auf der Straße gestanden und berichtet, dass noch die Bewohner des Dachgeschosses vermisst würden. Das Treppenhaus sei rauchfrei und begehbar gewesen. Insgesamt waren über 80 Feuerwehrleute aus Lambrecht sowie Neustadt und Haßloch sowie weitere Rettungskräfte im Einsatz.

Die Feuerwehrleute, die die Toten entdeckten, wurden psychologisch betreut. "Es geht ihnen so weit gut", sagte ein Sprecher. Sie hätten den Einsatz ohne Verletzungen überstanden.

Wohnhausbrände mit derart verheerenden Folgen sind in Deutschland sehr selten. Es gab aber mehrfach Fälle, die bundesweit für Aufsehen sorgten: So kamen im Oktober 2015 bei einem Brand in einer Dachgeschosswohnung in Pforzheim (Baden-Württemberg) vier Bewohner ums Leben - vermutlich durch den falschen Umgang mit einem Heizstrahler. Im März 2013 starben bei einem Wohnungsbrand in Backnang in Baden-Württemberg eine Frau und sieben ihrer Kinder im Alter von 6 Monaten bis 17 Jahren. Damals verursachten die Bewohner das Feuer nach Ansicht der Ermittler versehentlich selbst. (dpa/jei/mer)

 

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