Rhein-Neckar

Neckar-Bergstraße Erweiterungspläne der Discounter beschäftigen Baurechtsamt am laufenden Band

Landratsamt billigt Lidl-Ausbau, Gemeinde prüft Rechtsmittel

Archivartikel

Das Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises hat dem Discounter Lidl eine Genehmigung für seine Erweiterungspläne an der Filiale im Gewerbegebiet in Heddesheim in Aussicht gestellt. Wie die Pressesprecherin der Behörde, Silke Hartmann, gestern auf Anfrage mitteilte, erging der positive Bauvorbescheid bereits am Montag.

Danach hält das Baurechtsamt die geplante Erweiterung der Verkaufsfläche auf 1120 Quadratmeter für zulässig. Auch gegen die Vergrößerung der Bruttogeschossfläche auf 1640 Quadratmeter hat die Behörde keine Einwände. Die verbleibenden 88 Stellplätze seien für die beantragte Verkaufsfläche "bauordnungsrechtlich ausreichend".

Die Gemeinde Heddesheim, die sich in dieser Angelegenheit rechtlichen Beistand geholt hat, beurteilt das anders und versagte ihr Einvernehmen. Dieses musste deshalb durch die Genehmigungsbehörde ersetzt werden. Das Baurechtsamt des Kreises beruft sich auf die Unwirksamkeit des Bebauungsplanes "Gewerbegebiet Kreuzmorgen", die gerichtlich festgestellt worden sei.

Heddesheims Bürgermeister Michael Kessler erfuhr gestern erst durch die "MM"-Anfrage von der Entscheidung der Behörde. "Wir bedauern, dass das Landratsamt unsere rechtliche Einschätzung nicht teilt", sagte er in einer ersten Reaktion. Man werde sich den Bescheid nun genau ansehen und rechtliche Schritte dagegen prüfen.

Falls es bei der Genehmigung der Erweiterung bleibt, fürchten der Bürgermeister und sein Gemeinderat eine Schwächung des Handels im Ortskern. Dort hat bekanntlich gerade erst Edeka eine moderne Filiale errichtet. Wenn die Attraktivität des Einzelhandels in der Peripherie steige, sei dies von Nachteil für die Lebendigkeit im Zentrum. Außerdem sieht Kessler dadurch die Möglichkeit eingeschränkt, im Neubaugebiet "Mitten im Feld II" Einzelhandel anzusiedeln.

Lidl wollte sich auf Anfrage nicht näher zu seinen Plänen in Heddesheim äußern. Das Unternehmen ließ lediglich wissen, dass es "sein gesamtes Filialportfolio qualitativ und quantitativ weiterentwickelt". Auch in Heddesheim wolle man den Kunden "eine moderne Einkaufsstätte mit attraktiven Einkaufsbedingungen" präsentieren. Hinsichtlich des Standorts Heddesheim befinde man sich aktuell in der Planungsphase und könne deshalb derzeit keine näheren Angaben dazu machen.

Noch keine Entscheidung des Baurechtsamtes gibt es zur Erweiterung der Aldi-Filiale in Edingen-Neckarhausen. Dort war der Umbau zu einer modernen Filiale bereits ohne eine Genehmigung erfolgt. Dabei wurde zwar die Verkaufsfläche vergrößert, nach außen hin gab es aber keine bauliche Erweiterung. Aldi wollte auf Anfrage zum aktuellen Stand keine Stellung nehmen.

Lidl in Heddesheim und Aldi in Edingen-Neckarhausen sind kein Einzelfall, wie Pressesprecherin Silke Hartmann bestätigt: "Ja, es trifft zu, dass die Konzerne Aldi und Lidl in fast allen Märkten hier im Kreis anstreben, ihre Verkaufsflächen zu erweitern." Die Konzerne hätten sich neue Konzepte auf die Fahne geschrieben und beantragten daher diese Markterweiterungen. Es gebe hierzu beim Baurechtsamt bereits abgeschlossene und noch anhängige Verfahren. "Und es werden sicherlich noch weitere folgen", glaubt Hartmann.

Nicht immer sind die Pläne der Handelsriesen mit Problemen verbunden. In Ilvesheim stimmte der Gemeinderat im April der Erweiterung von Lidl zu. In Ladenburg erweiterte der Discounter bereits 2009 seine Filiale um einen Backshop. Auch in Schriesheim sind Aldi und Lidl mit Filialen im Gewerbegebiet vertreten, Diskussionen gibt es dort laut Wirtschaftsförderer Torsten Filsinger allerdings nicht.