Rhein-Neckar

Schriesheim Nepal-Hilfe zieht Zwischenbilanz / Schülerin berichtet über die neue Bildungseinrichtung in Kathmandu

Lehrer durch Spenden finanziert

Archivartikel

Kinder, die während der Ferienzeit Schulmöbel in die neue Lehranstalt schleppen – allein die Vorstellung würde hierzulande für ungläubiges Staunen sorgen. Doch in Nepal gibt es das wirklich: In den letzten Ferien halfen schon die Kleinsten mit, um die ersten Zimmer in der Kundalinee School bezugsfertig zu machen. In einer Fotodokumentation berichtet die 18-jährige Schülerin Dali Sherpa über den Alltag in Kathmandu und bringt damit zugleich ihre Unterstützer von der Nepal-Hilfe auf den neuesten Stand.

Deren Vorsitzender Dieter Alt kurbelte nach dem verheerenden Erdbeben 2015 eine große Spendenaktion an, weiß aber auch: „Die Spendenbereitschaft lässt heute, vier Jahre später, deutlich nach. Denn Elend gibt es leider überall auf der Welt.“ Trotzdem betont er, dass „kein Euro draufgeht für die Verwaltung“, sondern alles dort ankomme, wo es gebraucht werde.

Platz für 400 Schüler

Die letzte Großspende in Höhe von 6000 Euro kam direkt der Schule zugute: Mit 3000 Euro kann für 18 Monate ein Lehrergehalt bezahlt werden; ein weiterer Eindruck aus dem Schulalltag, der in dem Land im Himalaya gerade erst in Gang kommt.

Mitte April ging es dort offiziell los, aktuell besuchen 180 Kinder und Jugendliche die Einrichtung, für 400 soll später Platz sein, informiert deren Gründer Sudarma Karki. Unweit des von ihm geleiteten PAORC-Kinderheims gibt es nun einen Kindergarten, eine Grundschule bis Klasse vier, Mittel- und Oberschule, die die Teenager nach der 12. Klasse abschließen können.

Wichtig ist Karki eine solide Ausbildung, die den landesüblichen Standard übertrifft: Die Kinder erlernen Sportarten wie Taekwondo, haben eine Bibliothek, einen gut ausgestatteten naturwissenschaftlichen Bereich und Musikstunden. Die Instrumente sind eine Spende aus der Weinstadt; auch Kunstunterricht gibt es, und bei seinem letzten Deutschland-Besuch brachte Karki einige Werke mit.

Ausstellung in Schriesheim?

Kürzlich waren die Werke im Rathaus in Brühl ausgestellt, und nun überlegt Alt, ob die Bilder vielleicht auch in Schriesheim gezeigt werden könnten, zusammen mit den Fotos, die Dali Sherpa aufgenommen hat: Die zwei ersten Schulgebäude sind mittlerweile nicht nur im Rohbau fertig, sondern auch verputzt; ein Architekt aus Österreich erstellte die Pläne, die die Konstruktion aus Flaschen, Lehm und Holzbalken erdbebensicher machen sollen.

Immer wieder erfährt Alt auch von Kinder-Schicksalen aus dem armen Land. Etwa von den Zwillingen Ganga und Jamuna; ihre Mutter wurde bei dem Erdbeben schwer verletzt, das Haus der Familie zerstört. Ihre Bleibe ist bis heute eine Bambushütte. Doch die Mädchen haben Plätze in der Schule gefunden, wo sie gefördert werden, lernen und spielen können sowie täglich ein frisch gekochtes Essen bekommen. „Dort sind diese Dinge ein großes Geschenk“, sagt Alt.

In der Vorschule wird die Basis für die spätere Ausbildung gelegt; der Schulleitung ist es wichtig, dass sie praxisorientiert ist. Land- oder hauswirtschaftliche und technische Kenntnisse sollen vermittelt werden, außerdem will die Einrichtung ihre Ausgaben durch eigene Einnahmen selbst decken. Deshalb gibt es eine Kaffeerösterei, berichtet Alt: „Zwei Schüler sind ausgebildet worden, die Maschinen dort zu bedienen.“ Außerdem werden Reis oder Gemüse angebaut sowie Pergamentpapier für den Verkauf hergestellt.

Und im Waisenhaus, das von der Nepal-Hilfe ebenfalls gefördert wird, haben auch die Allerärmsten ein Zuhause, außerdem die Chance auf Schulbildung und später einen einträglichen Beruf.