Rhein-Neckar

Heddesheim Mundart-Theater „Lellebollem“ feiert Premiere von „August und Auguste“ / Schauspieler begeistern das Publikum mit Witz und Charme

Liebestolle Senioren im Altersheim

Applaus, Applaus, Applaus! Das Publikum im Bürgerhaus in Heddesheim klatschte am Ende frenetisch, die Schauspieler genossen den Glücksmoment im Rampenlicht. „August und Auguste“ kam an beim Publikum. Es begeisterte mit guter Regie und großartigen Schauspielern, ein herrlich lustiger Abend und eine geglückte Premiere in mehrfacher Hinsicht.

Das Heddesheimer Mundart-Theater Lellebollem und auch die Schauspieler haben turbulente, schwierige und auch traurige Zeiten hinter sich, insofern ist die Premiere von „August und Auguste“ auch ein Neuanfang – und ein Abschluss.

„Ich bin mir sicher, Sabrina hat heute vom Himmel aus zugeschaut.“ Das, was Regisseurin Jennifer Martin ausdrückte, haben alle empfunden. Die allseits beliebte und auch im Verein engagierte Schauspielerin Sabrina Schwarz verstarb unerwartet kurz nach den Aufführungen im vergangenen Jahr. „Sabrina war eine so herzliche Schnapsdrossel“, so Martin. Das Anstoßen mit den Schnapsgläsern in dem aktuellen Stück „ist ein Tribut an Sabrina“, wie die Regisseurin erklärte. Sabrinas Mann saß in der Premiere auf der Empore, dem Himmel und Sabrina nah. Und zu Tränen gerührt.

Zum ersten Mal auf der Bühne

Der Abschied ist immer auch ein Neuanfang. Und er übernahm erstmals eine Schauspielrolle: Julian Schwarz, der 17-jährige Sohn von Sabrina, stand für seine verstorbene Mutter auf der Bühne, und feierte einen gelungen Einstand als Schauspieler in der Rolle des Tim Helfer. Souverän gespielt, ein talentierter Charakter, charmant, witzig und mit großem Potenzial. Und noch einen jungen und talentierten Neuzugang konnte Lollebollem auf der Bühne präsentieren: Natalie Weber feierte in der Rolle von Bärbel Solei-Prödel ebenfalls einen gelungenen Einstand.

Ausdrucksstark im Spiel, mal als fürsorgliche Tochter, die sich herzlich um ihre Mutter kümmert und mal als bezaubernde und attraktive Liebhaberin, die sich ebenso herzlich gerne auch mehr um den Oberarzt kümmern würde. Auch sie zeigte einen starken Charakter auf der Bühne, die Rolle forderte nicht nur Liebe und Zuneigung, sondern auch Eifersucht und Streit. „Ich fühl’ mich wohl hier“, sagte sie im Anschluss an das Stück: Ja, das Publikum hat es gemerkt, gelungene Premiere.

Und noch einen dritten bravourösen Einstand gab es zu feiern: Die langjährige Schauspielerin Jennifer Martin führte erstmalig Regie. „Für mich war es schön zu sehen, wie sich jeder in seiner Rolle weiterentwickelt hat“, so die Regisseurin. Sie verstand es, sich in die Rollen hineinzuversetzen sowie sich in die Charaktere hineinzudenken und die Schauspieler so durch die Proben und Vorbereitungen zu führen.

Jennifer Martin führt Regie

Auch zahlreiche Ideen und Witze sind ihr in den zeitintensiven Proben gekommen, dazu gehört auch der Schnaps aus dem Urinbecher: Das Publikum lag am Boden vor Lachen. Martin steht für die Verjüngung des Ensembles, für einen Neuanfang, der sich auch bei einem jüngeren Publikum bemerkbar machen soll, wie sie erklärt: „90 Prozent des Publikums konnten mit dem Tena Lady-Witz was anfangen.“

Und die Hauptpremiere war „August und Auguste“, ein anspruchsvolles Stück, mehr Komödie als Lustspiel, das Regie und Schauspieler forderte, wenn es darum geht, das unbeliebte und zähe Thema Altersheim auf die Bühne zu bringen: Besonders Yvonne Zimmermann in ihrer Rolle als Lotte, die mit ihrem genial gespielten Italienisch dem Mundart-Theater herrliche Multikulti verpasste. Christian Weinmann alias Otto Spitz und Ingrid Heim als Auguste Prödel durchlaufen eine wunderbare Charakterwandlung, von anfänglichem Leidenschaffen zu leidenschaftlichem Wiederfinden der Jugendliebe: Toll gespielt.

Auch Marco Müller und Jennifer Martin haben sich dank guten Schauspiels ihren Applaus verdient, ebenso wie Nicole Knapp in ihrer Zickenrolle als Helga Krawuttke: Die musste nur auf die Bühne treten und das Publikum hielt die Luft an – genial gespielt. Applaus für die gelungene Premiere: Bravo, und weiter so!

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