Rhein-Neckar Löwen

Handball Neues Abwehr-Ass erweitert die Möglichkeiten der Rhein-Neckar Löwen und will mit Hilfe seiner fünfjährigen Tochter schnell Deutsch lernen

Abutovic – der Ritter ohne Rüstung

Archivartikel

Mannheim.Es gibt den einen Handball-Moment im Leben von Ilija Abutovic, den er niemals vergisst. Am 5. Juni 2017 kommt der Serbe mit der Mannschaft von Vardar Skopje in der mazedonischen Heimat an – und die ganze Stadt wartet voller Stolz auf ihre Helden, die am Tag zuvor die Champions League gewann. Im Zentrum warten 100 000 Menschen mit schwenkenden Fahnen, sie bereiten ihren Lieblingen einen begeisternden Empfang.

„Ich werde Gott für immer danken, dass ich dabei sein durfte. Und ich wünsche wirklich jedem Sportler, dass er so etwas einmal erlebt“, erinnert sich Abutovic. Seine Augen leuchten, wenn er über diesen Erfolg, diese Stadt, diesen Verein spricht. Und doch hat er diese Handball-Wohlfühloase aufgegeben, oder besser gesagt: aufgeben müssen. Denn die Zeiten, in denen Vardar zum Handball-Hochadel gehörte und seine Spieler großzügig entlohnte, sind nach dem teilweisen Rückzug des russischen Mäzen Sergey Samsonenko vorbei. Zahlreiche Stars verließen den Club, auch Abutovic, der nun ein neues Abenteuer bei den Rhein-Neckar Löwen wagt und nicht gänzlich unvorbereitet ankam. Der 29-Jährige ist eben ein Vollprofi. „Seit sechs Monaten lerne ich Deutsch“, sagt der 2,02-Meter-Hüne, der recht furchteinflößend aussieht, im Gespräch mit dieser Zeitung aber einen sehr höflichen Eindruck hinterlässt. Nur an die deutsche Sprache traut er sich noch nicht so recht ran: „Lass’ uns lieber Englisch reden. Ich brauche noch ein bisschen.“

Große Hoffnungen setzt der Rechtshänder in seine fünfjährige Tochter Mija, die bald einen Kindergarten besucht. „Ich bin zuversichtlich, dass sie schnell die Sprache lernt und meine Lehrerin wird“, scherzt Abutovic, der in Walldorf eine Bleibe gefunden hat und momentan große Unterstützung von seinem serbischen Löwen-Teamkollegen Bogdan Radivojevic erfährt: „Er ist gerade die wichtigste Person und eine große Hilfe für uns.“

Trainer Jacobsen schwärmt

Die will der Neuzugang auch künftig für die Löwen sein. Im Innenblock ist der Rechtshänder vorgesehen und soll mit seinem durchtrainierten Körper das eigene Tor verteidigen – praktisch als furchtloser Ritter ohne Rüstung, der auf dem Feld stets alles im Blick hat und noch dazu stark im Zweikampf ist. Kein Wunder, dass Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen schwärmt: „Ilija gehört zu den weltbesten Abwehrspielern. Er erweitert unsere Möglichkeiten im Innenblock.“

Die größere Kaderbreite soll helfen, in der kommenden Saison auch in der Champions League eine bessere Rolle zu spielen als zuletzt. Vier Mal in Folge war im Achtelfinale Schluss, das Final Four bleibt das große Ziel. Und da kann es nicht schaden, einen wie Abutovic im Kader zu haben, der mit Skopje schon zwei Mal an der Endrunde in Köln teilnahm, aber aus eigener Erfahrung auch um den Vorteil der Konkurrenz weiß. „In Deutschland haben wir die stärkste Liga der Welt. Die Belastung ist größer und die Regenerationszeit kleiner. Wir konnten uns in Skopje auf die Champions League konzentrieren“, berichtet der Serbe aus der Vergangenheit und formuliert zugleich den Willen, die Königsklassen-Zukunft der Löwen erfolgreich zu gestalten.

Schon in der Vorrunde wird es jedoch knackig für die Badener, die es auch mit Skopje zu tun bekommen. „Das ist natürlich ein spezielles Spiel für mich. Ich war sieben Jahre in Skopje. Diese Zeit bleibt in Erinnerung.“ Vor allem der 5. Juni 2017.