Rhein-Neckar Löwen

DHB-Pokal Nach so vielen Dramen, Tränen und Schmerzen triumphieren die Badener im elften Anlauf in Hamburg und widmen den Erfolg ihren Fans

Das Ende des Fluchs

Archivartikel

Hamburg.Irgendwann spazierte der kleines Linus mit der Trophäe durch die Katakomben der Hamburger Arena. Der Sohn von Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen schnappte sich zur Erheiterung des Papas den DHB-Pokal und nutzte die Unachtsamkeit der Spieler in der Kabine, die es richtig krachen ließen und den Pott auch nicht vermissten. Keine Frage: Die Freude war groß und die Erleichterung riesig, nachdem der badische Handball-Bundesligist zum ersten Mal den Wettbewerb gewonnen hatte, der ihnen in den vergangenen Jahren so viel Frust, Leid und Enttäuschung gebracht hatte. Doch bei der elften Final-Four-Teilnahme klappte es mit dem Pokalsieg. „Ich bin stolz, dass wir die Geschichte ausgelöscht haben. Wegen dem, was in der Vergangenheit hier passiert ist, sind wir vor allem erleichtert und nicht mega-euphorisch. Dieser Sieg ist für die Ewigkeit des Vereins“, sagte Kapitän Andy Schmid.

Tag für die Geschichtsbücher

Einen Tag nach dem 31:24-Erfolg im Halbfinale über den SC Magdeburg bezwangen die Löwen im Endspiel die TSV Hannover-Burgdorf mit 30:26 – und mit dem Schlusspfiff brachen alle Dämme. Trainer Jacobsen rannte zu den Fans, schrie seine Freude heraus und reckte die Siegerfaust. Ganz so, als wollte der Trainer sagen: „Seht her, wir können auch Pokal!“ Wenige Meter weiter entfernt lagen sich seine Spieler in den Armen. Der Druck, die Anspannung, die Selbstzweifel. Alles war in diesem Augenblick weg – und Torwart Mikael Appelgren kletterte erst einmal in den Fanblock, um überglücklich seine Freundin Anna Lindblad zu küssen. Keine Frage: Der 6. Mai 2018 wird in die Vereinsgeschichte eingehen. Es ist der Tag, an dem der Hamburg-Fluch endete und an dem neue Helden für die Ewigkeit geboren wurden.

„Ein Traum ist wahr geworden. Nach diesem Titel haben wir uns jahrelang gesehnt“, sagte der Sportliche Leiter Oliver Roggisch, während Trainer Jacobsen einfach nur froh war, „dass diese Frage nach dem Pokalsieg jetzt nicht mehr gestellt wird. Endlich haben wir diesen Titel gewonnen. Ich bin stolz auf den ganzen Verein. Dieser Pokal geht an unsere Fans, die hier acht, neun, zehn oder elf Mal waren. Ich freue mich, dass sie nun endlich mal den Pokal mitbringen.“

Mentale Meisterleistung

Fest steht: Der historische Triumph war nach all den vergeblichen Anläufen vor allem in mentaler Hinsicht eine große Herausforderung. Je näher das Final Four rücke, desto mehr dunkle Wolken zogen über dem Kronauer Trainingszentrum auf, hatte Trainer Jacobsen drei Tage vor der Endrunde noch gesagt. Was er damit meinte, lag auf der Hand: Der dauerhafte Misserfolg in Hamburg beschäftigte seine Spieler, die unrühmliche Geschichte an der Elbe war gar das größte Problem. Doch Jacobsen gelang es, die negativen Gedanken zu vertreiben – und muss sich nun nie wieder mit diesem Thema beschäftigen.

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