Rhein-Neckar Löwen

Finale Im elften Anlauf gewinnen die Löwen den Pokal / 30:26-Finalsieg über TSV Hannover-Burgdorf / Auszeichnungen für Andy Schmid und Mikael Appelgren

Das Ende des Hamburg-Fluchs

Archivartikel

Mannheim.Mit dem Schlusspfiff folgte die Explosion der Emotionen. Nikolaj Jacobsen rannte zu den Fans der Rhein-Neckar Löwen, schrie seine Freude heraus und reckte die Siegerfaust. Ganz so, als wolle der Trainer sagen: „Seht her, wir können auch Pokal!“ Wenige Meter weiter entfernt lagen sich seine Spieler nach dem 30:26 (13:11)-Finalerfolg über die TSV Hannover-Burgdorf in den Armen. Der Druck, die Anspannung, die Selbstzweifel. Alles war in diesem Augenblick weg – und Torwart Mikael Appelgren kletterte erst einmal in den Fanblock, um überglücklich seine Freundin Anna Lindblad zu küssen.

13 Jahre liefen die Badener diesem Titel unnachgiebig hinterher, zehn Mal fuhren sie mit leeren Händen wieder zurück aus Hamburg nach Hause. Und nur wer ein Herz aus Stein hat, fühlte in den vergangenen Spielzeiten nicht mit den Löwen, die häufig so nah dran waren und dann doch immer wieder knapp scheiterten. Aber im elften Anlauf gewannen sie diese Trophäe. Keine Frage: Der 6. Mai 2018 wird in die Vereinsgeschichte eingehen. Es ist der Tag, an dem der Hamburg-Fluch endete und an dem neue Helden für die Ewigkeit geboren wurden. „Wir spüren eine unfassbare Erleichterung. Ein Traum ist wahr geworden. Nach diesem Titel haben wir uns jahrelang gesehnt. Das war ein Sieg des Willens“, sagte der Sportliche Leiter Oliver Roggisch nach dem Triumph seiner Mannschaft, die nun auch die Meisterschaft holen will: „Jetzt haben wir noch ein anderes großes Ziel. Das Double ist jetzt in unserem Kopf.“

Doch gestern genossen die Löwen erst einmal den Augenblick. Nachdem Kapitän Andy Schmid im Konfettiregen die Trophäe in die Höhe gestemmt hatte, wurde er auch noch zum besten Spieler des Turniers gewählt – was einzig und allein an seiner außergewöhnlichen zweiten Halbzeit lag. Mit acht Treffern nach dem Seitenwechsel schwang sich der Schweizer wieder einmal zum Anführer auf. „In der Pause hatten wir ihn bei der Wahl zum besten Spieler noch gar nicht auf dem Zettel. Aber nach diesem bombastischen Auftritt im zweiten Durchgang mussten wir nicht mehr lange überlegen“, sagte Liga-Geschäftsführer Frank Bohmann. Schmid selbst wusste, dass er 30 Minuten lang überhaupt nicht in der Partie war: „Der Trainer hat mir in der Halbzeitpause gesagt, dass die Mannschaft mich braucht. Ich war dann ziemlich froh, als der erste Wurf auch drin gewesen ist.“

Nachdem die Löwen schon 10:4 (20.) in Front gelegen hatten, drohte die Partie zu Beginn des zweiten Durchgangs zu kippen. Hannover vergab in Ballbesitz die Chance zum Ausgleich, Schmid traf im Gegenzug zum 15:13 (34.). „Andy hat eben sein Ding gemacht und gezeigt, warum er der weltbeste Spielmacher ist“, meinte Kim Ekdahl du Rietz, der wie schon beim 31:24-Halbfinalsieg am Samstag über den SC Magdeburg einen überragenden Job im Mittelblock machte und den Langzeitverletzten Gedeón Guardiola glänzend vertrat. Mit 16 Paraden gegen die Bördeländer hatte zudem Torwart Appelgren riesigen Anteil am Endspiel-Einzug, weshalb er zum besten Schlussmann des Final Fours gewählt wurde.

„Wir haben gezeigt, dass wir hier die stärkste Mannschaft sind und haben unser Potenzial abgerufen“, sagte Rechtsaußen Patrick Groetzki, der auf dem Podium bei der Pressekonferenz saß, einen Schluck aus seiner Bierflasche nahm und flachste: „Uwe Gensheimer (Ex-Kapitän der Löwen: Anmerkung der Redaktion) hat acht Mal am Final Four teilgenommen – und nicht gewonnen. Für mich war es jetzt das neunte Mal. Und ich wollte jetzt nicht unbedingt der alleinige Rekordhalter sein.“

Das leidige Thema Pokal-Fluch haben die Löwen nun endlich beendet, doch sie haben noch lange nicht genug. Sie sind gierig. Sie sind hungrig. Sie wollen das Double. „Ich hoffe, dass dieser Titel nur die Vorspeise war“, sagte Ekdahl du Rietz: „Denn Anfang Juni wollen wir noch richtig feiern.“

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