Rhein-Neckar Löwen

Handball Er spielt hart, ist groß und "sieht gefährlich aus" - aber abseits des Feldes gibt sich Löwe Kristian Bliznac als netter Zeitgenosse

Der sanfte Riese

Mannheim.Wenn Kristian Bliznac durch die Tür kommt, wird es dunkel. Und wenn er seine Arme ausbreitet, ähnelt die Spannweite einem Flugzeug. Keine Frage: Dieser Mann ist nicht nur ein Hüne, sondern auch ein Kraftpaket. 2,04 Meter misst der Neuzugang der Rhein-Neckar Löwen, 104 Kilo bringt der Schwede auf die Waage. "Er sieht gefährlich aus mit seinen Tattoos und seinem breiten Kreuz", witzelt Teamkollege Hendrik Pekeler und grinst: "Aber Kristian ist wirklich ein lieber Kerl."

In der Tat täuscht der erste Eindruck, denn der Mensch Bliznac passt so ganz und gar nicht zu seinem äußeren Erscheinungsbild und zu seiner knallharten Spielweise. Der Abwehrspezialist ist weder ein Draufgänger noch ein Sprücheklopfer, sondern gibt sich im persönlichen Gespräch bescheiden, herzlich und höflich. Er ist ein sanfter Riese.

Donnerstag gegen Zagreb

Der sympathische 34-Jährige berichtet ehrlich von den Anfängen seiner Karriere in Italien, wo er "nicht wirklich wie ein Profi" lebte. Er hat schlichtweg kein Problem damit, das zuzugeben - zumal den Sohn kroatischer und nach Schweden ausgewanderter Eltern später doch noch der Ehrgeiz trieb. Mit harter Arbeit, viel Fleiß und eiserner Disziplin brachte es der gelernte Rückraumspieler sehr weit, nun steht er bei den Löwen unter Vertrag. "Hier spielen so viele unglaubliche Weltklasseleute, aber alle Jungs sind noch größere Persönlichkeiten", schwärmt Bliznac, der sich auch in privater Hinsicht bestes eingelebt hat. Ein Umstand, dem der Schwede eine hohe Bedeutung beimisst: "Man spielt nur gut, wenn man sich gut fühlt."

Und das tut Bliznac, auch wenn er es erwartungsgemäß nicht zur Stammkraft gebracht hat. Seinen Wert schmälert das allerdings keinesfalls. Denn einen wie ihn, der im Innenblock die Dauerbrenner Pekeler und Gedeón Guardiola entlastet, haben die Löwen verzweifelt gesucht, bis sie schließlich Bliznac fanden. Bei der Champions-League-Partie in Nantes kam er im Laufe der zweiten Halbzeit für Pekeler in die Begegnung und holte sich ein Lob von Trainer Nikolaj Jacobsen ab: "Kristian hat das gut gemacht."

Zuletzt beim Erfolg in Kristianstad übernahm der 34-Jährige den Part im Deckungszentrum über 60 Minuten und spielte genau so, wie man es von ihm erwartet: routiniert, abgezockt und unaufgeregt. Die Bezeichnung Lückenbüßer wäre deswegen unangebracht, ja sogar schlichtweg falsch. Sie würde ihm einfach nicht gerecht. Denn die Löwen wissen, dass sie sich auf Bliznac verlassen können, wenn einer aus dem Duo Pekeler/Guardiola einen schlechten Tag erwischt, was laut Jacobsen aber "Gott sei Dank nicht allzu oft vorkommt".

Eine Pause brauchen die beiden Abwehrrecken angesichts des Mega-Programms aber immer mal wieder - und dann kommt Bliznac ins Spiel, der auch am Donnerstag (21 Uhr, SAP Arena) gegen HC Zagreb wieder gute Chancen auf einen Einsatz hat. "Ich möchte dem Team mit meiner Erfahrung im Innenblock helfen. Gedeón und Hendrik sind zwei Weltklassespieler fürs Abwehrzentrum. Sie haben einen überragenden Job in den vergangenen Jahren gemacht. Natürlich will ich immer spielen, aber ich weiß auch ganz genau, was meine Rolle ist", sagt Bliznac, der seine eigenen Ambitionen schon immer den Zielen der Mannschaft untergeordnet hat.

So war es schon bei der HSG Wetzlar, für die er von 2013 bis 2016 spielte. Damals kam der Schwede auch im Angriff zum Einsatz, "aber dann wurde Steffen Fäth immer besser", erinnert sich der Routinier: "Er hat damals eine bombastische Entwicklung genommen und war dann die Nummer eins im Rückraum. Ich hatte kein Problem damit, das zu akzeptieren und hatte meine Rolle - wie jetzt hier auch bei den Löwen - in der Abwehr gefunden." Im Deckungszentrum packt der Modellathlet zu, er setzt seinen imposanten Körper sein, schont weder sich noch andere - und manchmal ist es dabei vielleicht gar nicht so schlecht, ein bisschen gefährlich auszusehen.