Rhein-Neckar Löwen

Handball Der Flensburger Marius Steinhauser spricht über die Zitter-Meisterschaft, das Spiel gegen die Löwen und seine Freundschaft mit Fußballstar Jonas Hofmann

„Die Angst hat uns fast aufgefressen“

Archivartikel

Flensburg.Nach zwei Meisterschaften mit den Rhein-Neckar Löwen wechselte Marius Steinhauser aus St. Leon-Rot im Sommer 2017 zur SG Flensburg-Handewitt, mit der er dank einiger Patzer des badischen Rivalen im Saisonendspurt 2018 ebenfalls den Titel gewann. Heute (18.30 Uhr) stehen sich die beiden Teams in der Handball-Bundesliga erneut gegenüber.

Herr Steinhauser, wie sehr waren Sie Mitte Mai und bei vier Punkten Rücktand von einer Flensburger Meisterschaft überzeugt?

Marius Steinhauser: Ich habe bis zum Schluss daran geglaubt.

Sie wollen das Interview doch nicht mit einer Lüge beginnen.

Steinhauser: Okay, ich habe gehofft, dass wir es irgendwie packen. Daran zu glauben, war ja bei diesem Rückstand schwierig, da wir es nicht in der eigenen Hand hatten. Die Löwen haben es selbst verbockt, sie haben die Schale in unsere Hände gelegt – und damit hatte doch wirklich fast niemand mehr gerechnet.

Wie haben Sie diese erste Meisterschaft für die SG nach so vielen zweiten Plätzen wahrgenommen?

Steinhauser: Die Tage vor dem letzten Spieltag waren sehr nervenaufreibend. Im Supermarkt, beim Bäcker – überall wurden wir angesprochen. Und immer hieß es: „Das letzte Spiel müsst ihr gewinnen, ihr müsst diesen Titel holen.“ In der ganzen Region war die Sehnsucht nach dieser Meisterschaft so groß, dass uns die Angst vor dem Scheitern am letzten Spieltag fast aufgefressen hat. Das hat man ganz deutlich gemerkt. Plötzlich hatten wir alles zu verlieren. Entsprechend kam ein Zittersieg gegen Göppingen heraus. Wir waren einfach nur erleichtert, dass wir irgendwie gewonnen haben.

Entsprechend ausufernd dürfte die Party gewesen sein.

Steinhauser: Es haben echte Fanmassen mit uns gefeiert. Flensburg ist eine Handballstadt. Die Menschen hier leben diesen Sport, sie lieben diesen Verein. Es war ein unglaublicher Tag.

Also war es besser als die Löwen-Partys?

Steinhauser: Auch wenn es sich nach einer Floskel anhört. Meisterschaften kann man wirklich nicht miteinander vergleichen. Jeder Titel hat seine eigene Geschichte. Meine erste Meisterschaft mit den Löwen war so besonders, weil wir so lange darauf hingearbeitet hatten und auf dem Weg dorthin einige Enttäuschungen hinnehmen mussten. Meine zweite Meisterschaft mit den Löwen war der perfekte Abschied. Und letztendlich ist es eben so, dass die Löwen mein Heimatverein mit Blick auf meine Profi-Karriere sind. Nicht nur ich persönlich, sondern der gesamte Club hat während meiner Zeit dort eine krasse Entwicklung genommen. Da spürt man eine besondere Verbindung. Und wenn ich jetzt an Flensburg denke, war es eben auch ein spezielles Erlebnis. Ich bin zwar erst eine Saison lang da gewesen. Aber dass hier eine ganz Region seit 14 Jahren auf diese Schale wartet, ist mir schnell klar geworden.

Mit welchen Ex-Kollegen sprechen Sie regelmäßig?

Steinhauser: Aufgrund der langen und intensiven Zeit bei den Löwen habe ich noch mit sehr vielen Spielern, aber auch mit Leuten aus dem Umfeld Kontakt. Andy Schmid und ich sprechen häufiger miteinander. Auch mit Alexander Petersson habe ich Kontakt, ab und zu spreche ich mit Patrick Groetzki. Und unseren Physio Sven Raab und unseren Hallensprecher Kevin Gerwin habe ich auch nicht vergessen. Mit Hendrik Pekeler bin ich befreundet, er hat es von Kiel aus nicht so weit und war zuletzt mit seiner Familie zu Besuch.

Darf ein Flensburger mit einem Kieler befreundet sein?

Steinhauser (lacht): Ich wusste, dass diese Frage jetzt kommt. Ich sage es mal so: Peke und ich kannten uns ja schon aus unserer gemeinsamen Löwen-Zeit, also bevor ich zur SG Flensburg-Handewitt und er zum THW Kiel gegangen ist. Insofern fällt diese Freundschaft bei aller Rivalität zwischen diesen beiden Vereinen nicht so sehr ins Gewicht.

Sind die Löwen bei einer Niederlage heute raus aus dem Titelrennen?

Steinhauser: Nein, mit fünf Minuspunkten wäre weiterhin alles drin. Wir sehen doch an den Ergebnissen, wie eng die Liga ist. Wir haben uns auch schon ein paar Mal schwer getan. Es besteht immer die Gefahr, gegen eine vermeintlich kleinere Mannschaft zu verlieren.

Wie läuft es für Sie persönlich?

Steinhauser: Bislang habe ich noch nicht so viel gespielt. Zuletzt fehlte ich krankheitsbedingt, aber ich weiß auch, dass ich mit Lasse Svan einen der besten Rechtsaußen der Welt vor mir habe. Ich werde weiter versuchen, mich im Training anzubieten und mache mir keine allzu großen Sorgen. In der vergangenen Saison stand ich auch häufig auf dem Feld und war da, wenn ich gebraucht wurde. Es liegen noch sehr viele Spiele vor uns, ich bleibe entspannt.

Jonas Hofmann, ihr Jugendkumpel aus St. Leon-Rot, hat auch einen langen Atem bewiesen und sorgt jetzt in der Fußball-Bundesliga für Schlagzeilen.

Steinhauser: Ich freue mich total über seine Entwicklung. Er hatte erst einen schweren Stand bei Borussia Mönchengladbach, doch seit einiger Zeit geht es steil bergauf. Er hat schon vergangene Saison viel gespielt und glänzt jetzt auch noch als Torjäger. Jonas ist doch das beste Beispiel dafür, dass man immer am Ball bleiben und auf seine Chance warten muss. Dann wird man belohnt, das zeigt er eindrucksvoll. Mal sehen, wie weit ihn das trägt.

Bis in die Nationalmannschaft?

Steinhauser: Ich hatte schon damit gerechnet, dass Jonas diesmal dabei ist. Aber man muss auch nichts überstürzen. Er ist ja noch jung – und da sich die Nationalmannschaft gerade im Umbruch befindet, kann er ja bald dabei sein. Jonas muss einfach so weiterspielen, dann hat er auf jeden Fall einige Argumente.

Wie oft sehen Sie ihn denn überhaupt noch?

Steinhauser: Das ist schwierig geworden. In Düsseldorf beim Supercup haben wir uns getroffen. Das war im August. Die räumliche Distanz und der Spielplan machen es uns schwer. Er schafft es häufiger mal nach St. Leon-Rot, aber ich kann nicht mal eben so 800 Kilometer in die Heimat düsen.

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