Rhein-Neckar Löwen

Handball Hendrik Pekeler hat in der Löwen-Deckung das Sagen und verwaltet die Finanzen der Mannschaft / Heute in Hüttenberg

Die Konsequenz des Kassenwarts

Archivartikel

Mannheim.Kristian Bliznac redet ein wenig ehrfürchtig über den Mann, der bei den Rhein-Neckar Löwen das Geld eintreibt und die Mannschaftskasse verantwortet. „Hendrik Pekeler ist sehr streng“, sagt der schwedische Abwehrspezialist, der aber durchaus Verständnis für die Kompromisslosigkeit seines Teamkollegen hat: „Ich würde seinen Job nicht machen wollen.“ Fest steht: Pekelers Wort innerhalb des Teams hat nicht nur Gewicht, es ist bei finanziellen Angelegenheiten sogar Gesetz, wie Rückraumspieler Harald Reinkind bestätigt. „Er macht das richtig gründlich und ist ein typischer Deutscher, der es ganz genau nimmt“, sagt der Norweger und flachst: „Er ist wie ein Beamter.“

Pekeler selbst kann über diesen Vorwurf nur lachen. „Das höre ich häufiger, aber dieser Job ist nur mit einer gewissen Strenge zu erledigen“, stellt der Kreisläufer klar und erklärt, warum er im Sommer 2017 die Regeln verschärfte: „In der Vergangenheit wollte jeder mit mir diskutieren, das war extrem nervig. Seit dieser Saison gilt: Wer über seine Strafe verhandeln will, zahlt das Doppelte.“

Er hält den Laden zusammen

Diese deutliche Ankündigung zahlte sich bislang aus – und das gleich im doppelten Sinne. Das Lamentieren der Kollegen nahm rasant ab. Und wenn doch jemand etwas zu mosern hatte, wurde es richtig teuer. „Das mit der Verdopplung der Strafe hätte ich schon zwei Jahre früher einführen müssen. Diese Maßnahme hat meinen Job extrem erleichtert – das hat den einen oder anderen abgeschreckt“, scherzt Pekeler, der mit den Löwen heute (19 Uhr) in der Handall-Bundesliga beim TV Hüttenberg antritt und im Duell mit den abstiegsbedrohten Mittelhessen trotz einer Erkältung mitwirken wird: „Mir bleibt keine andere Möglichkeit. Solange mir kein Bein abfällt, werde ich spielen müssen.“

Was er damit meint, liegt auf der Hand. Seit Februar und noch bis Saisonende müssen die Badener auf Gedeón Guardiola verzichten. Der Spanier war jahrelang die zentrale Figur im Innenblock neben Pekeler. Einen zweiten Ausfall in diesem sensiblen Mannschaftsteil können sich die Löwen schlichtweg nicht erlauben. Nun muss Pekeler den Laden zusammenhalten und dabei so konsequent sein wie er es auch als Kassenwart ist.

In den ersten Partien agierte der Kreisläufer zusammen mit Filip Taleski im Deckungszentrum. Der deutsche Nationalspieler übernahm viel Verantwortung, führte den jungen Mazedonier und gab ihm Tipps. „Man muss Hendrik ein Kompliment dafür aussprechen, wie sehr er Filip unterstützt“, sagt Torwart Mikael Appelgren. Und Rechtsaußen Patrick Groetzki meint: „Peke hat noch einmal einen Schritt in seiner Entwicklung gemacht.“

Klar ist: Gleichwertig ersetzen können die Löwen Guardiola trotzdem nicht. Aber sie versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Zuletzt in der zweiten Halbzeit bei der 22:27-Niederlage im Topspiel beim THW Kiel agierte Pekeler zusammen mit Kim Ekdahl du Rietz im Mittelblock – und das neue Duo überzeugte Trainer Nikolaj Jacobsen. Auch Pekeler ist zufrieden. „Es funktioniert immer besser mit Kim. Ich habe zwar jahrelang mit ihm in einer Mannschaft gespielt. Aber auf dem Feld stand sonst ja immer Gedeón zwischen uns“, meint der Kreisläufer, der sich vor seinem Wechsel im Sommer nach Kiel mit dem Meister-Hattrick verabschieden will.

Vielleicht springt abschließend sogar noch eine Sause auf einer Ferieninsel heraus. Im vergangenen Jahr war zumindest genügend Geld für ein paar schöne Tage auf Mallorca in der Mannschaftskasse – auch dank des strengen Herrn Pekeler.