Rhein-Neckar Löwen

Rhein-Neckar Löwen Nach zwei gewonnenen Meisterschaften gieren die Badener nach neuen Glücksgefühlen

Die Sehnsucht der Unvollendeten

Archivartikel

Hamburg.Verschenkte Siege, Niederlagen in der Verlängerung, Schocks mit dem Schlusspfiff. Alles war schon dabei. Die Rhein-Neckar Löwen und das Final Four um den DHB-Pokal – das ist eine besondere, vielleicht sogar spezielle und vor allem bislang keine harmonische Beziehung. Sie ist geprägt von großen Hoffnungen und hohen Zielen, von schlimmen Enttäuschungen und bitteren Niederlagen. Eine lange Geschichte, die nicht vollständig ist. Es fehlt noch das Happy End – vielleicht gelingt es in diesem Jahr.

Der deutsche Handball-Meister verzagt zumindest nicht, er nimmt an diesem Wochenende seinen elften Anlauf. „Es ist unser Anspruch, diesen Wettbewerb endlich einmal zu gewinnen“, sagt Rechtsaußen Patrick Groetzki, der genau weiß: Bislang lief das Turnier meistens nach dem gleichen Muster ab. Anreise am Freitag, Halbfinal-Niederlage am Samstag. Immerhin drei Mal (2006, 2007, 2010) durften die Löwen sonntags auch noch das Finale spielen, aber auch in diesen Jahren kehrten sie unvollendet heim. Doch damit soll jetzt Schluss und das Streben nach Glück von Erfolg gekrönt sein.

Im morgigen Halbfinale (15.15 Uhr/ARD) trifft der Bundesliga-Spitzenreiter auf den SC Magdeburg. „Das ist ein Druckspiel – und damit haben wir in Hamburg miserable Erfahrungen gemacht“, sagt Kapitän Schmid, der mit seiner Mannschaft in den vergangenen Jahren in der Bundesliga allerdings bewiesen hat, auch Schlüsselspiele gewinnen und große Erwartungen erfüllen zu können.

„Machen uns nicht in die Hose“

Meister 2016, Meister 2017, Tabellenführer im Mai 2018 – das ist nicht nur eine Ansage an die Konkurrenz, sondern gibt vor allem auch jede Menge Selbstvertrauen. „Die Titel der vergangenen zwei Jahre haben Sicherheit gegeben, wir sind abgeklärter geworden“, spricht Schmid von einem Reifeprozess seiner Mannschaft, die sich nach der ersten Meisterschaft 2016 vom ganz großen Druck befreit habe: „Wir müssen nicht mehr gewinnen, weil wir anderen zeigen müssen, dass wir nicht immer verlieren. Wir wollen gewinnen, weil wir Lust darauf haben.“ Kurzum: Trotz der vielen Negativerlebnisse an der Elbe sind die Zuversicht und die Vorfreude ungebrochen.

Im Gegensatz zu den Vorjahren machten sich die Löwen bereits gestern und somit zwei Tage vor dem Halbfinale auf den Weg in die Hansestadt. Der ganze Fokus gilt dem Duell mit dem SCM. Denn klar ist: Die Badener haben genug von der Rolle der Unterlegenen, der enttäuschten Verlierer, denen nur die Rolle der Gratulanten bleibt. Stattdessen wollen sie nun endlich einmal die Sieger sein, die umjubelten Helden, die den Pokal in die Höhe recken. Die Jungs von Trainer Nikolaj Jacobsen haben ganz einfach Bock auf Belohnung.

Kiel und Flensburg fehlen

„Wir fahren da nicht hin und machen uns in die Hose. Wir wissen, dass wir die beste der vier teilnehmenden Mannschaften sind“, sagt Schmid, der dem zurückliegenden Sieg im Liga-Topspiel bei der TSV Hannover-Burgdorf eine hohe Bedeutung zumisst: „Dieser Erfolg hat uns ein bisschen Luft gegeben. Es wäre doof gewesen, mit einer Niederlage im Gepäck nach Hamburg fahren zu müssen. Da hätte das Momentum kippen können.“

So aber sind die Aussichten blendend. In der Bundesliga haben die Löwen als Spitzenreiter vier Minuspunkte weniger auf dem Konto als Verfolger SG Flensburg-Handewitt – und im Pokal gibt es noch die zweite Titeloption. Keine Frage: Das Double ist drin. „Unser Ziel ist es, beide Wettbewerbe zu gewinnen“, sagt Trainer Jacobsen, der allerdings klare Prioritäten hat: „Der größte Titel ist immer die Meisterschaft. Natürlich ist es schön, Pokalsieger zu werden. Aber das ganze Jahr über kämpft man doch vor allem dafür, Meister zu werden. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich immer den Meistertitel nehmen. Dieser Wettbewerb ist die Nummer eins – unabhängig davon, dass die Löwen noch nie Pokalsieger wurden.“

Klar ist: In den Vorjahren war es deutlich schwerer, den Fluch von Hamburg zu besiegen und die begehrte Trophäe zu gewinnen. Denn diesmal fehlen ein paar Schwergewichte. Der Tabellenzweite Flensburg und Titelverteidiger THW Kiel sind nicht dabei – und trotzdem ist der SC Magdeburg eine echte Herausforderung. Seit dem 23. November hat der Tabellendritte in der Bundesliga nicht mehr verloren.

„Wir treffen auf den stärksten aller möglichen Gegner“, sagt Groetzki, der sich aber keinesfalls über Lospech beschweren will, sondern die Sache pragmatisch angeht: „Wenn man diesen Wettbewerb gewinnen will, hätte man an diesem Wocheneden sowieso den SCM schlagen müssen. Nun liegt es an uns, das schon am Samstag zu erledigen.“

Auch dem Rechtsaußen ist die Konstellation bewusst, dass einige andere Topclubs nicht dabei sind. „Dazu wird es wahrscheinlich so schnell nicht wieder kommen. Deshalb wollen wir diese Chance nutzen“, sagt Groetzki, der mit den Löwen wie in den Vorjahren in einem schmucken Hotel am Tierpark residiert. Es ist also abgesehen vom Anreisetag alles beim Alten – nur gegen einen anderen Ausgang hätten die Badener nichts einzuwenden.

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