Rhein-Neckar Löwen

Handball Gegen das Schlusslicht TuS N-Lübbecke kommen die Löwen beim 36:27 erst nach dem Seitenwechsel in Schwung

Eine Frage der Einstellung

Archivartikel

Mannheim.Mit neun Toren Vorsprung gewonnen, auf Platz drei geklettert und mit 4863 Zuschauern trotz der ungewohnten Spielzeit um 12.30 Uhr mehr Fans in der Halle als beim ersten Heimspiel gegen Minden (4639) - eigentlich gab es für die Rhein-Neckar Löwen genug Gründe, zufrieden einen Strich unter das 36:27 (19:17) gegen Aufsteiger TuS N-Lübbecke zu machen. Doch Nikolaj Jacobsen wäre nicht er selbst, wenn er nicht immer wieder mahnen und antreiben würde. Da machte auch die Analyse des auf den ersten Blick klaren Erfolgs gegen die Ostwestfalen keine Ausnahme.

"Das war nicht in Ordnung", sagte der Löwen-Coach ernst und hatte vor allem die erste Halbzeit seiner Mannschaft auf seiner Liste mit Dingen, die es noch zu bereden gilt. 17 Gegentreffer hatte sich der deutsche Meister am Sonntagnachmittag bis zum Pausenpfiff gegen das Schlusslicht eingefangen, das im bisherigen Saisonverlauf noch keine Bäume ausgerissen hatte und auch von der individuellen Klasse eigentlich nicht den Druck entwickeln kann, dem nicht standzuhalten wäre. Doch regelmäßig kam N-Lübbecke erfolgreich zum Abschluss - selbst als die Löwen ihre Gäste immer wieder ins Zeitspiel drängten.

Schmid: "Viel zu inkonsequent"

"Da waren wir viel zu inkonsequent, es haben einfach die letzten paar Prozent gefehlt", räumte Spielmacher Andy Schmid ein. Es war also offenbar auch eine Frage der Einstellung gegen einen der so genannten "Kleinen". "Wenn wir nicht mit 100 Prozent spielen, sind wir mit vielen Mannschaften auf Augenhöhe, von denen wir uns eigentlich abheben sollten", erklärte der Spielmacher und beste Werfer der Löwen (9/2 Tore), warum auf der Ergebnistafel lange Zeit kein großer Unterschied zwischen Meister und Aufsteiger zu sehen war.

"Ohne N-Lübbecke zu nahe treten zu wollen - da hatten wir eigentlich andere Vorstellungen", blickte auch Nationalspieler Patrick Groetzki ungern auf die erste Halbzeit zurück. "Das war grenzwertig. Da muss man den Gegner auch mal mit einem Foul unterbrechen und ihm den Rhythmus nehmen", vermisste der Rechtsaußen, der sich den ersten Durchgang von der Bank anschauen konnte, den letzten Biss und die nötige Aggressivität. N-Lübbecke nutzte das gerne aus und blieb so überraschend lange im Spiel.

"In der Pause haben wir uns vorgenommen, einen Gang zuzulegen - und das haben wir dann auch getan", gewährte Kapitän Schmid Einblicke in die wohl etwas intensivere Ansprache Jacobsens zur Halbzeit. Der Däne machte nicht zuletzt auch personell deutlich, dass sich etwas ändern musste. Mit Patrick Groetzki und dem nach seiner Wadenverletzung erstmals wieder eingesetzten Gudjon Valur Sigurdsson brachte der Löwen-Coach Siegermentalität auf den Außenpositionen aufs Parkett und verzichtete zudem auf den Angriff-Abwehr-Wechsel zwischen Rafael Baena und Hendrik Pekeler. Der lange Abwehrchef blieb nun auch in der Offensive auf der Platte, ging die zweite Welle mit und hatte am Ende stolze sieben Treffer auf seinem Konto.

Im Tor konnten sich die Löwen zudem auf den kurz vor der Pause eingewechselten Andreas Palicka verlassen. Wie schon zuletzt in der Champions League gegen Wisla Plock machte der Keeper deutlich, dass er momentan in einer ausgezeichneten Verfassung ist. Zwölf Paraden und eine Abwehrquote von 52 Prozent unterstrichen eine Top-Leistung. "Gestützt auf einen starken Torhüter und eine bessere Abwehr sind wir dann endlich ins Laufen gekommen", sah Trainer Jacobsen, wie sich sein Team nach dem Wechsel mit einem 5:1-Lauf auf 24:18 (39.) absetzte. "Da kamen die Konter der Löwen zum Tragen und das Spiel war weg", wusste auch TuS-Trainer Aaron Ziercke, in welcher Phase sich das Spiel entschieden hatte. Näher als auf 26:22 (46.) kam der Aufsteiger nicht mehr heran, am Ende hatten die Löwen dann sogar Lust zum Zaubern, als Schmid Linksaußen Sigurdsson mit einem Kempa-Trick zum Tore schießen einlud (35:26/56.). Damit rückte der schleppende erste Durchgang endgültig in den Hintergrund, abgehakt war Halbzeit eins allerdings noch lange nicht. "Daraus werden wir lernen", betonte Trainer Jacobsen.

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