Rhein-Neckar Löwen

Handball Pharmaunternehmen aus Osaka steigt bei den Löwen ein – im Gegenzug bildet der Club zwei japanische Spieler aus

Finanzspritze aus Fernost

Mannheim.Dass der Profisport zum Kapitalismus gehört, ist längst kein Geheimnis mehr. Es geht nicht mehr nur um Tore, Titel und Triumphe, sondern auch um Einnahmen, Gewinne und das Erschließen immer neuer Geldquellen. Ganz einfach, weil Einnahmen, Gewinne und das Erschließen immer neuer Geldquellen die Wahrscheinlichkeit von Toren, Titeln und Triumphen erhöht.

Die Rhein-Neckar Löwen arbeiten seit einigen Jahren daran, nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich zu wachsen. Mit Erfolg: Der Mitarbeiterstamm des Handball-Bundesligisten vergrößerte sich, seit einigen Wochen hat der Club eine neue Geschäftsstelle. Für die Mannschaft gibt es seit dieser Saison einen Athletiktrainer und einen Videoanalysten, das Team ist in der Breite außerdem so stark besetzt wie noch nie, für den französischen Nationalspieler Romain Lagarde legte der Club sogar eine Ablösesumme von mehr als 250 000 Euro hin. Kurzum: Die finanziellen Möglichkeiten werden immer besser, der Etat – die Löwen selbst machen keine offiziellen Angaben – dürfte längst bei mehr als acht Millionen Euro liegen und der zweithöchste in der Liga hinter dem gar nicht mehr so weit entfernten THW Kiel (9,5 Millionen Euro) sein. Mit dem am Donnerstag bekanntgegebenen Einstieg des japanischen Pharmazieunternehmens Wakunaga vergrößerte sich der Finanz-Spielraum erneut.

Für die Unterstützung des Konzerns erbringen die Löwen allerdings auch eine Gegenleistung. Wakunaga ist gleichzeitig Namensgeber und Besitzer des japanisches Handball-Vereins Wakunaga Leolic. Dieser Club stellt einen Großteil der Spieler der japanischen Nationalmannschaft, zwei von ihnen wechseln nun mit Satoru Goto und Naoyuki Shoji zu den Löwen. Beide sollen vornehmlich in der Drittliga-Mannschaft der Badener zum Einsatz kommen und standen zuletzt gegen Balingen II auch einige Minuten auf dem Feld. Sie erhalten einen Vertrag bis Sommer 2020.

Partnerschaft ohne Laufzeit

„Unser Ziel ist es, den Handball in Japan, auch mit Blick auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio, bestmöglich zu entwickeln. Dass es uns gelungen ist, zwei unserer Spieler künftig im Trikot eines der besten Clubs der Welt zu sehen, macht uns sehr glücklich“, sagte Kanji Wakunaga, Vorstand des Unternehmens und gleichzeitig Präsident des japanischen Handballverbandes.

Nach Informationen dieser Zeitung kosten die Spieler den Löwen weniger Geld, als sie von dem Konzern mit Sitz in Osaka erhalten. Außerdem haben der Bundesligist und Wakunaga für ihre Partnerschaft keine Laufzeit vereinbart. Sprich: Selbst wenn die zwei Spieler den Club im nächsten Sommer wieder verlassen, dürfte die Kooperation bestehen bleiben. Denn angedacht ist, weitere gemeinsame Projekte wie etwa Trainerworkshops folgen zu lassen, um mit dem eigenen Wissen dem japanischen Handball mit Ex-Bundestrainer Dagur Sigurdsson als Nationalcoach als Entwicklungshelfer zur Seite zu stehen.

Der Konzern Wakunaga hat sich auf die Herstellung und den Vertrieb von Knoblauchprodukten im medizinischen und therapeutischen Bereich spezialisiert und plant für 2020 eine Zulassung seiner Produkte für den deutschen Markt. Ein Werbeträger dürften dann die Löwen sein – ob mit oder ohne die Spieler Goto und Shoji, die momentan dreimal in der Woche Deutschunterricht erhalten und Lob von Drittliga-Trainer Michel Abt bekommen: „Beide sind sehr fleißig und wissbegierig.“ Und sie bringen den Löwen Geld.

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