Rhein-Neckar Löwen

Handball Löwen-Kandidat Juri Knorr als 20-Jähriger vor DHB-Debüt

Hochbegabter mit prominentem Papa

Archivartikel

Düsseldorf.Es ist nicht immer einfach, einen prominenten Vater zu haben. Vor allem, wenn der Junior in der gleichen Sportart aktiv ist. Da kommen die Vergleiche zwangsläufig. Mal ganz abgesehen davon, dass der Papa wahlweise ein fürsorglicher Förderer oder eben auch ein zu kritischer Begleiter sein kann. Mehr als 500 Begegnungen bestritt Thomas Knorr in der Handball-Bundesliga, 83 Mal trug er das Trikot mit dem Bundesadler auf der Brust. Und nun schickt sich sein gerade einmal 20 Jahre alter Sohn Juri an, am Donnerstag (16.15 Uhr/live im ZDF) in der EM-Qualifikation gegen Bosnien sein Länderspiel-Debüt für Deutschland zu feiern. Keine Frage: Der hochtalentierte Mittelmann hat es sehr schnell sehr weit gebracht – und zwar gerade auch wegen seines Vaters, wie der Rechtshänder sagt.

„Mein Papa hat sehr viel Einfluss auf meine Laufbahn genommen und mich sehr geprägt. Er war immer an meiner Seite. Ob als Trainer oder Ratgeber“, lobt der junge den alten Knorr, mit dem er seiner Meinung nach gar nicht so richtig verglichen werden kann: „Ich initiiere mehr, mein Papa hat die Sachen eher abgeschlossen.“

Über Barcelona nach Minden

Während Thomas Knorr von 1992 bis 2007 im halblinken Rückraum für große Vereine wie den THW Kiel, die SG Flensburg-Handewitt und den HSV Hamburg agierte, ist sein Sohn in der Schaltzentrale als Spielmacher auf dem Feld unterwegs. „Ich verfüge über eine gute Übersicht und kann das Spiel ganz gut lesen. Ich möchte dafür sorgen, dass es beim Sechs gegen Sechs im Angriff rund läuft – und das sehe ich auch als meine größte Stärke an“, sagt Juri Knorr, der in der Jugend des VfL Bad Schwartau ausgebildet wurde und als 18-Jähriger direkt nach dem Abitur zum FC Barcelona ging. Eine Saison lang spielte er vornehmlich für die zweite Mannschaft des katalonischen Traditionsvereins in der 2. spanischen Liga, ehe er sich bereit für den nächsten Entwicklungsschritt fühlte, wie es immer so schön heißt. Für Knorr bedeutete das konkret: „Ich wollte Verantwortung tragen auf allerhöchstem Niveau.“

Und genau das macht der Hochbegabte seit Sommer 2019 in der Bundesliga bei GWD Minden. Schnell wurde Knorr zu einer festen Größe bei den Ostwestfalen – und das nicht nur, weil er das Spiel clever lenkt. Sondern vor allem auch deshalb, weil der Senkrechtstarter in wichtigen Phasen richtige Entscheidungen trifft.

Im Sommer 2021 endet sein Vertrag bei GWD. Und dass Knorr noch einmal ein Arbeitspapier beim Traditionsclub unterschreibt, scheint nahezu ausgeschlossen. Viele Spitzenvereine möchten ihn verpflichten, nach Informationen dieser Redaktion auch die Rhein-Neckar Löwen, die spätestens nach dem Karriereende von Andy Schmid im Jahr 2022 einen neuen Regisseur brauchen. Schmid betonte zuletzt, dass er seinen Nachfolger gerne ein Jahr lang „einarbeiten“ würde. Mit Knorr ginge das.

Das weiß auch Löwen-Managerin Jennifer Kettemann, die das Interesse ihres Clubs nicht bestätigen, aber auf Anfrage eben auch nicht dementieren will: „Juri Knorr ist sicher ein interessanter Spieler, dem die Zukunft gehört. Ich möchte nicht ausschließen, dass sein Name auch bei uns intern schon mal gefallen ist. Wir würden ja keinen guten Job machen, wenn wir solch einen Spieler nicht auf der Liste hätten.“

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