Rhein-Neckar Löwen

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Löwen vorerst ohne Zuschauer: Stadt Mannheim lehnt Hygienekonzept der SAP Arena ab

Archivartikel

Mannheim.Die Rhein-Neckar Löwen absolvieren ihre Heimspiele in der Mannheimer SAP Arena vorerst ohne Zuschauer. Grund dafür ist, dass die Stadt einzelne Elemente des Hygienekonzepts, welche die Platzierung von Zuschauern betreffen, vor dem Hintergrund der aktuellen Corona-Verordnungen abgelehnt hat, heißt es sowohl auf der Homepage der SAP Arena als auch der Löwen. 

„Das ist eine ganz, ganz bittere Nachricht für uns. Wir haben so sehr dafür gekämpft, wieder vor unseren Fans und Partnern spielen zu können“, kommentiert Löwen-Geschäftsführerin Jennifer Kettemann die Entscheidung der zuständigen Behörde. Kettemann betont aber gleichzeitig: „Wir werden weiter kämpfen und alles dafür tun, dass wir möglichst bald wieder vor möglichst vielen Zuschauern spielen können. Das hat absolute Priorität.“ Die Löwen starten am Sonntag, 4. Oktober (16 Uhr), mit einem Heimspiel gegen Stuttgart in die neue Bundesliga-Saison. Der Verein hatte eigentlich geplant, am 11. Oktober gegen TUSEM Essen vor Fans zu spielen.

Für Kettemann ist die Ablehnung gleich doppelt tragisch. Denn ihr Club muss nicht nur auf Publikum verzichten, sie selbst steht auch nicht gut da. In der Debatte um die Zulassung von Zuschauern hatte sie in der jüngeren Vergangenheit mehrfach - unter anderem am 12. September im ZDF-Sportstudio - die strikte Haltung der Behörden bedauert. Zu diesem Zeitpunkt waren in Baden-Württemberg nur 500 Teilnehmer an Veranstaltungen erlaubt. Damals sagte sie: "Wir können nicht durch ein Hygienekonzept überzeugen, aber das würden wir gerne." Es folgten die Lockerungen der Politik mit der möglichen 20-Prozent-Auslastung von Sportstätten - und nun das offenbar doch nicht so überzeugende Konzept.

Kettemann versucht sich in der Mitteilung an einer Erklärung: "Mit der neuesten Verordnung des Landes zu den geltenden Corona-Bestimmungen haben sich die Voraussetzungen für das Hygienekonzept grundlegend geändert." Sprich: Was die Arena-Verantwortlichen aus der Schublade holten, passte so gar nicht mehr zu den Anforderungen.

Es scheitert am Mindestabstand

Die Stadt begründete die Entscheidung damit, dass der Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Sitzplätzen in alle Richtungen bei der behördlich erlaubten Kapazität von 20 Prozent des Fassungsvermögens der Arena nicht gewährleistet werden könne. „Dieser Weg ist für die Arena nicht umsetzbar und bei Weitem nicht sinnvoll“, so Arena-Geschäftsführer Daniel Hopp, der die Ablehnung der Stadt zum Konzept bedauere.

Laut Hopp sei es enttäuschend, dass alternativ angebotene Maßnahmen rund um den umfassenden Schutz der Besucher nicht für ausreichend befunden wurden. Eine der geplanten Maßnahmen sah so beispielsweise vor, an die in kleinen Gruppen platzierten Zuschauer kostenfrei Masken der Schutzklasse FFP2 auszugeben, heißt es in der Mitteilung weiter. Nun würden die Arena-Betreiber unter Hochdruck weiter an einer Lösung arbeiten und stehen dafür in intensivem Kontakt mit den zuständigen Behörden der Stadt und des Landes. 

Kampf gegen Windmühlen?

Hopp hatte zuletzt im Interview mit dieser Redaktion unabhängig und vor allem vor der Entscheidung der Stadt Mannheim offen gelassen, ob die Löwen am 11. Oktober gegen Essen wirklich vor Fans spielen können. Seine ausweichende Antwort lautete: "Wir müssen mit all unseren Partnern noch einmal darüber sprechen - auch mit den Rhein-Neckar Löwen. Seit Monaten ist die finanzielle Belastung für die SAP Arena so groß, dass wir eigentlich keine Veranstaltung machen können, bei der wirtschaftliche Verluste von vornherein einkalkuliert sind." Die gemäß der Corona-Verordnung erlaubte 20-Prozent-Auslastung der Hallenkapazität sei "aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten sogar noch schlechter als Geisterspiele", sagte Hopp.

Es stellt sich also die wirtschaftliche Frage. Für die Löwen. Und für die Arena. Es könnte also auch sein, dass der Handball-Bundesligist zwar einen großen Willen zeigt, letztendlich aber einen Kampf gegen Windmühlen führt.

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