Rhein-Neckar Löwen

Handball Rhein-Neckar Löwen benötigen beim 36:34-Pokalsieg gegen Göppingen die Verlängerung und einen Energieschub der Fans / Startphase erneut verschlafen

Nur über die Sonderschicht eine Runde weiter

Archivartikel

MANNHEIM.Verlängerung, feuchte Hände, Nägel kauen, Stoßgebete – der 36:34 (29:29, 14:16) Achtelfinalsieg der Rhein-Neckar Löwen gegen Frisch Auf Göppingen im DHB-Pokal war nichts für schwache Nerven. Andy Schmid, der zehn Tore erzielte und immer wieder starke Assists gab, sowie Keeper Andreas Palicka, der in den entscheidenden Situationen wichtige gegnerische Würfe entschärfte, avancierten auf dem Spielfeld zu den Matchwinnern. Doch ein weiterer Faktor hatte an diesem Mittwochabend ebenfalls großen Anteil am Löwen-Sieg: Der sprichwörtliche „siebte Mann“. „Das war eine unfassbare Stimmung. Ohne die wäre es noch enger als ohnehin schon geworden“, pustete Spielmacher Schmid durch, nachdem das Ticket für das Viertelfinale sicher war.

Als sich die Mannheimer Fans von ihren Sitzplätzen erhoben und sich entscheidend einschalteten, waren im Pokal-Derby noch elf Minuten zu spielen. Göppingen hatte den Ball, es stand 22:22 (49.). Doch im Anschluss machten die gerade einmal 3753 Zuschauer den Sporttempel im Bösfeld plötzlich zum Hexenkessel – und das zeigte Wirkung. Löwen-Keeper Palicka parierte stark. Im Gegenzug erzielte Andy Schmid mit dem 24:23 (50.) die erste Löwen-Führung der Partie, was die Stimmung natürlich weiter anheizte. Und in der restlichen regulären Spielzeit sowie in den zehn Minuten der Verlängerung wirkten die Löwen mit den Fans im Rücken tatsächlich eine Klasse besser. „Ich glaube, dass das letzte Mal, dass die Zuschauer hier so lange gestanden sind, war bei unserem letzten Meistertitel. Bei einem Pokal-Achtelfinale habe ich das jedenfalls noch nicht erlebt“, lobte Rechtsaußen Patrick Groetzki die Kulisse.

Auch Abwehrspezialist Gedeon Guardiola, der sich von der Stimmung ebenfalls anstecken ließ und in der Schlussphase mithalf, zusammen mit Ilija Abutovic die zuvor großen Lücken in der Defensive zu stopfen, wusste, wo er sich zu bedanken hatte. „Die Stimmung am Ende war dieses Mal wirklich wichtig. Wir haben uns zu Beginn schwer getan, aber mit den eigenen Fans ist es dann eben viel leichter, so ein Spiel noch zu gewinnen.“

Dass es so weit kommen musste, hatten sich die Badener allerdings selbst zuzuschreiben. „So wie in der ersten Viertelstunde darf man sich in so einem Derby und Pokalspiel eigentlich nicht präsentieren“, räumte Nationalspieler Groetzki ein. Und tatsächlich: Göppingen führte anfangs mit 5:1 (5.) und 10:6 (15.). Zur Pause lagen die Löwen mit 14:16 zurück und nach 38 Minuten war Frisch Auf wieder auf vier Tore (21:17) weggezogen. Erst eine Auszeit von Coach Kristjan Andresson (38.) brachte die Löwen wieder in Tritt. „Da haben wir großen Charakter gezeigt und uns das Spiel zurückgeholt“, wollte Torwart Palicka auch die positiven Aspekte des Abends gewürdigt wissen. Dass die Löwen derzeit aber ein Problem mit der Konstanz und wie schon in Melsungen mit der Bereitschaft in der Startphase haben, war gegen Göppingen nicht zu übersehen. Das wird bis zum nächsten Bundesliga-Heimspiel am Sonntag (16 Uhr) gegen die HSG Wetzlar noch zu besprechen sein. Hinter den Pokal machten die Löwen aber erst einmal einen Haken. „Wir sind im Viertelfinale und in zwei Wochen interessiert das Wie keine Sau mehr“, brachte es Spielmacher Schmid auf den Punkt. bol

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