Rhein-Neckar Löwen

Trainer und Titelsammler Jacobsen verabschiedet sich von den Löwen

Archivartikel

Mannheim.Als die Lobeshymnen auf ihn endeten, stand Nikolaj Jacobsen mit seinem Sohn Linus ergriffen auf dem Podium in der Mitte des Spielfeldes. 9225 Zuschauer erhoben sich in diesem Augenblick von ihren Sitzen, sie klatschten minutenlang - und unter ihrem Beifall zogen die Rhein-Neckar Löwen als Zeichen des Dankes ein Banner mit dem Namen ihres scheidenden Trainers unter das Hallendach der Mannheimer SAP Arena. "Das erfüllt mich mit Stolz", sagte Jacobsen, dem sein Abschied nach fünf Jahren beim nordbadischen Handball-Bundesligisten unglaublich schwer fiel.

Entsprechend groß waren die Gefühle und verhältnismäßig klein dagegen der Ärger, dass die Löwen das letzte Heimspiel der Saison am Mittwoch vollkommen überraschend mit 26:29 gegen das Schlusslicht Eulen Ludwigshafen verloren. "Das war anders geplant", sagte Jacobsen, der angesichts der vielen Abschiedstränen bei den Fans, seiner Mannschaft und den Vereinsverantwortlichen immer wieder tief Luft holen musste und sich vor Umarmungen kaum retten konnte. Die Löwen wissen eben, was sie ihm zu verdanken haben. Denn der 47-Jährige, der sich zukünftig ganz auf seinen Job als Nationaltrainer bei Weltmeister Dänemark konzentriert, brachte ihnen den ganz großen Erfolg.

Unter schwierigen Bedingungen begann er im Juli 2014 seine Arbeit. Die Löwen hatten wenige Wochen zuvor am letzten Spieltag ihre erste Meisterschaft verspielt. Magere zwei Tore fehlten - weshalb dem Club weiterhin der Makel anhaftete, der ewige Zweite zu sein. Aber dann kam Jacobsen, beendete den Vize-Fluch und räumte mit den Löwen richtig ab. Seinem Nachfolger, dem Isländer Kristjan Andresson, hinterlässt er ein Erbe von zwei Meisterschaften, einem Pokalsieg und drei Supercup-Triumphen.

"Nikolaj hat der Mannschaft eine unglaubliche Siegermentalität eingehaucht", sagte der Sportliche Leiter Oliver Roggisch. Auch Geschäftsführerin Jennifer Kettemann schwärmte: "Nikolaj hat nicht nur die Mannschaft, sondern den ganzen Verein auf ein anderes Level gehoben."

Bei seinem Team punktete der Däne - ein Trainer der Marke Kumpeltyp - nicht nur mit seinem Mut und seiner taktischen Finesse, sondern vor allem auch mit hoher Sozialkompetenz. Über jeden seiner Schützlinge kann der Coach ein paar private Sätze sagen, die Namen der Ehefrauen, Freundinnen und Kinder seiner Spieler kennt er sowieso. "Das ist im Profisport nicht selbstverständlich", lobte Kapitän Andy Schmid seinen scheidenden Trainer, der in den vergangenen zwei Jahren neben den Löwen auch schon die dänische Nationalmannschaft betreute.

Die Doppelbelastung setzte Jacobsen allerdings zu. "Wenn ich etwas mache, lebe ich dafür. Das hat dazu geführt, dass ich gerade in den stressigen Monaten nur vier, fünf Stunden geschlafen habe. Da läuft man irgendwann rum wie ein Zombie", räumte der 47-Jährige ein: "Manchmal sind mir nachts irgendwelche Ideen gekommen. Da bin ich dann aufgestanden und habe es aufgeschrieben, damit ich es nicht vergesse." In Zukunft möchte Jacobsen in seiner Heimat mehr Zeit mit seiner Frau Lenette und seinen drei Kindern verbringen.

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